Digitale Job- und Talentsuche

Mit einem Wisch zu deinem Lieblingsjob

Lebendige Job Stories statt klassisch-verstaubte Stelleninserate: Die Gemeinde Emmen geht neue Wege bei der Personalrekrutierung und präsentiert sich bei Jobeagle – einer digitalen Jobbörse, die im Grunde wie eine ­Dating-Plattform funktioniert.

Autor: Philipp Bucher

Swipen und liken: Gerade die jüngere Generation dürfte sich vom «Mobile Recruiting» von Jobeagle ­angesprochen fühlen. (Bild: zvg)

Wir suchen, wir bieten, du bringst mit – melde dich jetzt. Das Ganze verpackt in ein PDF-Dokument mit jeder Menge Bullet Points und noch mehr Standardfloskeln. Fürwahr, konventionelle Stelleninserate wissen nicht wirklich mit Kreativität, Lebendigkeit und Alleinstellungsmerkmalen zu punkten. Das Problem dabei: Im Tauziehen um die besten Talente im Markt gewinnt man als Unternehmen auf diese Weise keinen Blumentopf. Oder anders: Die Fische im Arbeitnehmerpool beissen nicht nach unattraktiven Ködern.

«Im tobenden ‹War for Talents› kann sich das kein Unternehmen leisten – ob Privatwirtschaft oder öffentlicher Sektor», weiss Manuela Streuli, Leiterin des Departements Personal und Organisation bei der Gemeinde Emmen. Für sie ist klar: Die Mitarbeitenden sind der entscheidende Erfolgsfaktor jeder Organisation, speziell in dienstleistungsorientierten Bereichen. «Um das notwendige Fachpersonal zu gewinnen und dieses in den eigenen Reihen zu halten», betont Streuli, «sind deshalb neue Wege und frische Ideen gefragt.»

Tinder für Jobs

Hier kommt Jobeagle ins Spiel. Das einer Projektarbeit an der Hochschule Luzern entsprungene Start-up hat sich nichts weniger vorgenommen, als die Stellensuche zu revolutionieren, heisst: diese deutlich zu vereinfachen, lebendiger und letztlich attraktiver zu gestalten. Wie das gehen soll? Mit einer Smartphone-Lösung, die im Prinzip wie gängige Dating-Plattformen funktioniert. «Jobeagle ist wie Tinder für Jobs», sagt denn auch Marco Pfefferli, einer der drei Köpfe hinter dem Start-up. «Der eine Part sucht nach einem Job, der andere nach Personal. Im besten Fall bringt sie Jobeagle zusammen.» Oder neudeutsch: Es entsteht ein Match.

Weil Jobeagle multimedial funktioniert, ist die App quasi die Antithese zum herkömmlichen PDF-Inserat. Getreu den digitalen Gesetzmässigkeiten der Social-Media-Welt dominieren kurze Texte, Bilder, Animationen und Videosequenzen. «Unternehmen können dadurch ihre Firmenkultur und das Stellenprofil als lebendige Job Story präsentieren», erklärt Co-Founder Pfefferli.

Gefällt den Jobsuchenden das Gezeigte, swipen sie auf dem Smartphone-Bildschirm einfach nach rechts und bewerben sich direkt beim Unternehmen. Dieses erhält daraufhin Angaben zu Fähigkeiten und Berufserfahrungen, nicht aber zu Name, Geschlecht und Alter der bewerbenden Person. Ein Foto enthält das anonymisierte Profil ebenfalls nicht. «Durch eine gender- und nationalitätsneutrale Rekrutierung möchten wir den nach wie vor oberflächlichen und unfairen Bewerbungsprozessen in der Schweiz entgegenwirken», begründet Pfefferli den bewussten Entscheid.

«Um das notwendige Fachpersonal zu gewinnen und dieses in den eigenen Reihen zu halten, sind neue Wege und frische Ideen gefragt.»

Manuela Streuli, Leiterin Departement Personal und Organisation

Emmen geht voraus

Passt das Kandidatenprofil nun auch dem Unternehmen, entsteht ein Match, woraufhin sich die beiden Parteien in einem Chat näher kennenlernen können. Von hier aus ist es den Unternehmen überlassen, wie der Prozess weitergeführt wird. «Es ist ein Pionierprojekt», würdigt Personalleiterin Manuela Streuli das Luzerner Start-up, «und wie gemacht für die Gemeinde Emmen, die sich immer schon durch Pioniergeist ausgezeichnet hat und stets auf der Suche nach frischen und inspirierenden Ideen ist.» Tatsächlich ist die Gemeinde Emmen die erste Zentralschweizer Verwaltung, die Jobeagle als Rekrutierungs-Tool nutzt.

So sehr die neue Bewerbungsplattform den bisherigen Rekrutierungsablauf im Verwaltungsgebäude umkrempeln und nach einem entsprechenden Umdenken verlangen wird, so zuversichtlich blickt Manuela Streuli auf diesen Wandel: «Wir freuen uns auf diese Erfahrung und erfolgreiche Matches», sagt sie im Namen des HR-Teams. Die ersten Job Stories der Gemeinde Emmen gingen Anfang August 2022 online.

Streulis Zuversicht ist nicht unbegründet. Zwei Monate nach dem Launch im Juni 2022 zählt Jobeagle über 40 Unternehmen im Portfolio. Bereits seien zahlreiche Matches und Unterhaltungen zwischen Talenten und Unternehmen zustande gekommen und die User-Zahlen würden munter nach oben klettern, freut sich Marco Pfefferli. Viel Potenzial also, das sich da im Arbeitnehmerpool tummelt und Ausschau nach attraktiven Ködern hält. Die Gemeinde Emmen hat ihre Rute ausgeworfen. Hängt da vielleicht dein neuer Lieblingsjob dran?

Jobeagle

Eine digitale Jobbörse. Modernes mobile Recruiting Tool für echte Talente.

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