Einwohnerratspräsident Matthias Lingg

Harmoniemensch mit Zahlenfetisch

Das neue Amtsjahr bringt auch einen neuen Einwohnerratspräsidenten. Naturfreund und Harmoniemensch Matthias Lingg (FDP) stellt sich freudig der neuen Herausforderung. Schon vor seiner Zeit beim Einwohnerrat engagierte sich Lingg politisch und sozial in der Gemeinde. Wieso ihm das am Herzen liegt und was die Gemeinde Emmen für ihn ausmacht, verrät er im Interview.

Autorin: Larissa Brochella

«Wir kommen nur weiter, wenn wir bereit sind, gemeinsam Lösungen zu finden und einander entgegenzukommen», so Matthias Lingg, Einwohnerratspräsident der Gemeinde Emmen. (Bild: lbr)

Wo geholfen werden kann, ist Matthias Lingg stets zur Hand: bei der «Chilbi», an der Fasnacht, in der Organisation diverser Anlässe, wie des Gerliswiler Weihnachtsmarkts oder der 1.-August-Feier im Jahr 2019. «Es ist mir wichtig, in der Gemeinde Begegnungszonen zu schaffen», so Lingg. Er möchte Emmerinnen und Emmer zusammenbringen, die Gemeinschaft fördern und, dabei nicht zu vergessen, Spass haben. «Ein vielfältiges Angebot an Aktivitäten und Anlässen macht für mich die Lebensqualität in einer Gemeinde aus», so der zweifache Familienvater.

Seit 1983 wohnt Lingg in der Gemeinde Emmen. Hier hat er mit Ehefrau Erika zwei Kinder aufgezogen, beteiligt sich an Anlässen und Festen, trifft Freunde und Bekannte, bringt sich politisch in die Gestaltung der Gemeinde ein und geniesst bei gutem Wetter die Naherholungsgebiete beim Riffigweiher oder an der Kleinen Emme.

«Im Grunde bin ich ein Harmoniemensch», so der FDP-Politiker. Das schliesse politisieren und diskutieren nicht aus. «Das ist unerlässlich für ein gutes Zusammenleben. Dabei dürfen wir nur das eigentlich Wichtige nicht aus den Augen verlieren: aufeinander zuzugehen und sich gemeinsam vorwärtszubewegen – mutig Richtung Zukunft.»

Was bedeutet die Wahl zum Einwohnerratspräsidenten 2022/23 für Sie?

Es ist eine grosse Ehre. Für mich selbst, aber auch für die Partei. Speziell jetzt, da Rolf Born (ebenfalls FDP, Anm. d. Red.) zeitgleich als Kantonsratspräsident zum höchsten Luzerner ernannt wurde. Ich hoffe, dass die Wahl zum Präsidenten mein politisches Schaffen und meinen Umgang mit den anderen Ratsmitgliedern reflektiert.

Was macht Sie zu einem guten Ratspräsidenten?

Ich bin sachlich im Zuhören und Diskutieren und würde mich als lösungsorientiert und konsensfähig beschreiben. Fortschritt erreichen wir nur, wenn wir bereit sind, gemeinsam Lösungen zu finden und einander entgegenzukommen. Schlussendlich wollen wir alle das Beste für Emmen.

«Die Spannung zwischen Alt und Neu, Industrie und Wohnraum finde ich unglaublich spannend.»

Was ist für Sie das Beste für Emmen?

Viele Entwicklungen in der Gemeinde Emmen freuen mich sehr. In der Viscosistadt zum Beispiel siedeln sich neue Unternehmen an und es entsteht ein interessanter Branchenmix. Jedoch liegen mir als Zahlenmensch Finanzen sehr nahe. Die Gesundung der finanziellen Situation der Gemeinde ist für mich daher ein wichtiges Politikum.

Hatten Sie schon immer ein Faible für Zahlen?

Ja, die Faszination für Zahlen hat mich durch meine ganze berufliche Karriere begleitet, angefangen bei meiner Ausbildung zum Kaufmann, welche ich bei der Anliker AG in der Baubranche gemacht habe. Die Branche spielte dabei sicher eine tragende Rolle und hat meinen weiteren Berufsweg geprägt. Seit 2011 bin ich nun als Leiter Finanzen und Controlling bei den Stadler Immobilien tätig.

Inwiefern spielte die Branche eine Rolle?

Die Baubranche hat mich schon immer fasziniert. Sie stellt für mich etwas Lebendiges dar. Am Ende des Arbeitstages entsteht ein physisches Produkt, welches sich in der kaufmännischen Arbeit mit Offerten, Rechnungen, Materialbestellungen widerspiegelt.

«Ich möchte die Digitalisierung im Rat vorantreiben und den Wirtschaftsstandort Emmen weiter fördern.»

In Emmens Gegenwart und Zukunft ­stehen einige Bauprojekte an. Wie stehen Sie dazu?

Mir gefällt die neuere Entwicklung zum Erhalt. Am Seetalplatz und rund um die Viscosistadt entsteht viel Neues. Trotzdem bleibt der industrielle Charakter erhalten. Diese Spannung zwischen Alt und Neu, Industrie und Wohnraum finde ich unglaublich spannend. Das «Tramhüsli» beispielsweise hätte man einfach niederreissen können. Die Emmerinnen und Emmer haben sich aber dazu entschieden, es zu erhalten. Das ist es auch, was den Charakter der Gemeinde Emmen für mich ausmacht.

Sie sind seit 2016 im Einwohnerrat der ­Gemeinde Emmen. Wie kam es dazu?

Schon vor meiner Zeit als Einwohnerrat habe ich mich in der Gemeinde engagiert: Ich habe parteiinterne Anlässe verfolgt, Veranstaltungen organisiert oder bei der Organisation mitgeholfen. Seit ich in Emmen wohne, war mir immer wichtig, dass es in der Gemeinde Raum für Begegnungen gibt. Im Einwohnerrat habe ich die Möglichkeit, dafür eine gute Basis zu schaffen. Als ich 2016 von der Partei angefragt wurde, ob ich Teil des Einwohnerrats werden möchte, habe ich deshalb nicht lange gezögert.

Was wünschen Sie sich für den ­Einwohnerrat?

Ich möchte die Digitalisierung im Rat vorantreiben und den Wirtschaftsstandort Emmen weiter fördern. Zudem ist mir Integration ein wichtiges Anliegen. Wir leben in einer sehr diversen Gemeinde mit rund 110 Nationen. Trotz aller Herausforderungen macht es mir Spass, Teil des Rates zu sein, und solange es Spass macht, bin ich gerne dabei.

Wenn eine Person aus dem Jahr 2050 Sie besuchen würde, was würden Sie von ihr wissen wollen?

Vielleicht würde ich fragen, ob die Gemeinde Emmen noch existiert oder ob sie schon fusioniert ist (lacht). Nein, das wünsche ich mir natürlich auf keinen Fall. Ich vertraue darauf, dass die Gemeinde Emmen auch die nächsten drei Jahrzehnte meistern wird. Natürlich ist Zusammenarbeit dabei immer erwünscht, doch ihre Eigenständigkeit soll die Gemeinde Emmen behalten. Denn wir haben viel Potenzial und Menschen, die etwas bewirken können. Wirft man einen Blick auf die Entwicklungen und Bauvorhaben in den nächsten Jahren, wird sofort klar: Hier gibt es Ideen und Mut zur Veränderung.

Worauf freuen Sie sich während Ihrer Zeit als Einwohnerratspräsident?

Besonders freue ich mich darauf, dem Vereinswesen die Aufmerksamkeit zu schenken, die es verdient. Ich möchte meinen Dank übermitteln und die vielen Menschen, die Emmen zu einem tollen Wohnort machen, für ihr Engagement würdigen. Die Fronarbeit, welche in allen Bereichen, von Sport und Kultur bis zum Sozialen, geleistet wird, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gemeinde.

Gefällt dir dieser Artikel? Teile ihn mit Freunden: