Kopf des Monats

Pascale Amrein-Senn


Ehemalige Präsidentin Verein Freunde und Gönner des Emmenfeld Betagtenzentrums

Autorin: Larissa Brochella

«Wie alle Aufgaben in meinem Leben wurde auch diese zu einem Zeitpunkt an mich herangetragen, als ich bereit war, mich auf sie einzulassen.» - Pascale Amrein-Senn, ehemalige Präsidentin Verein Freunde und Gönner des Emmenfeld Betagtenzentrum. (Bild: lbr)

17 Jahre lang war Pascale Amrein-Senn Präsidentin des Vereins Freunde und Gönner des Emmenfeld Betagtenzentrums. Nach einer Krebsdiagnose vor fünf Jahren wurde es für die 79-jährige zunehmend schwieriger, die zahlreichen Aufgaben des Präsidiums mit ihrer Gesundheit zu vereinbaren, weshalb sie das Amt dieses Jahr abgab. Wie wertvoll ihr langjähriges Engagement im Verein ist, wird ihr auch aufgrund ihrer Erkrankung heute immer mehr bewusst.

Die gebürtige St. Gallerin lernte die Innerschweiz erstmals während ihrer Ausbildung zur Primarlehrerin kennen. Doch bevor sie sich mit der Heirat in Emmenbrücke niederliess, vergingen noch einige Jahre, während denen sie als Lehrerin in Basellandschaft arbeitete und eine zweite Ausbildung in St. Gallen absolvierte.

Das frischvermählte Paar Amrein-Senn begnügte sich mit einem bescheidenen Leben. Das Einkommen von Ehemann Amrein-Senn würde ausreichen, um sie beide und das sehnsüchtig erwartete dritte Familienmitglied zu ernähren. Doch als der Kinderwunsch länger als erhofft auf seine Erfüllung warten liess, hatte Pascale Amrein-Senn viel Zeit und grossen Tatendrang. Dass der spontane Entschluss, sich freiwillig im Kantonsspital zu engagieren, zu einem lebenslangen und unermüdlichen Einsatz für kranke und betagte Menschen führen würde, hätte auch die damals 39-jährige Amrein-Senn nicht gedacht.

Wollten Sie sich schon immer für betagte Menschen einsetzen?

Als ich damals mit dem Besuchs- und Begleitdienst im Kantonsspital anfing, hätte ich mir nie vorstellen können mit älteren Menschen zusammenzuarbeiten. Wie viele in unserer Gesellschaft hatte ich Berührungsängste mit dem Thema Tod und war noch nicht dazu bereit, mich mit der Endlichkeit des Lebens auseinanderzusetzen. Doch wie alle Aufgaben in meinem Leben wurde auch diese zu einem Zeitpunkt an mich herangetragen, als ich bereit war, mich auf sie einzulassen.

Wie baut man diese Hemmschwelle ab?

Durch direkten Kontakt. Doch das ist nicht ganz einfach, denn häufig fehlt die Anerkennung für Vereine, die sich für das Wohlergehen von alten Menschen einsetzen. Sie bekommen nur wenig Aufmerksamkeit – auch dort zeigen sich die Hemmungen, die viele Menschen gegenüber den Themen Alter und Tod haben. Deshalb ist die Beziehungsarbeit bei uns so wichtig, um Freiwillige zu gewinnen.

Wünschen Sie sich mehr Anerkennung für die Tätigkeit des Vereins?

Es ist natürlich schön, wenn Angehörige oder Pflegende auf einem zukommen und ihre Dankbarkeit für den Einsatz, den wir Freiwillige leisten, ausdrücken. Aber auch ohne Echo setze ich meine Talente gerne dafür ein, den Bewohnerinnen und Bewohnern den Alltag etwas zu verschönern. Der grösste Dank ist schliesslich ihre Freude.

«Aber auch ohne Echo setze ich meine Talente gerne dafür ein, den BewohnerInnen den Alltag etwas zu verschönern. Der grösste Dank ist schliesslich ihre Freude.»


Pascale Amrein-Senn

Wie sind Sie Präsidentin des Vereins geworden?

Als ich bei der FDP.Die Liberalen Emmen war, kam ich als Mitglied der Sozial- und Heimkommission erstmals mit den Betagtenzentren in Emmenbrücke in Berührung. Die Kommission wurde im Jahr 2001 schliesslich aufgelöst. Daraufhin habe ich mich an den damaligen Heimleiter im Herdschwand gewendet, Hansruedi Salzmann, und ihm gesagt: Ich habe Zeit und zwei Hände, was kann ich tun? Einige Tage später kam er auf mich zu und fragte, ob ich die Leitung und Koordination der Freiwilligen übernehmen wollte. Nachdem ich mich selbst ein Jahr als Freiwillige engagiert hatte, habe ich dies getan. Der Verein ist erst drei Jahre später, im Jahr 2004, entstanden.

Wieso braucht es den Verein?

Das Leben im Altersheim ist teuer, da bleibt oft nur wenig übrig, um sich etwas Schönes zu leisten. Der Verein hilft, den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner etwas farbiger zu gestalten und die Lebensqualität zu erhalten. Besonders seit ich selbst an Krebs erkrankt bin und mein Mann aufgrund einer Demenzerkrankung im Emmenfeld wohnt, wird mir noch mehr bewusst, wie wichtig die Arbeit des Vereins – meine Arbeit – eigentlich ist.

Wie hat die Erkrankung Ihren Ausblick verändert?

Als junger und gesunder Mensch sieht man viele Dinge als selbstverständlich an. Doch im Alter liegt die Lebensqualität immer mehr im Kleinen: Dass man sich das Butterbrot noch selber streichen kann oder am Morgen ohne Hilfe aus dem Bett kommt. Auch eine schwere Erkrankung hält einen nicht davon ab, das Leben zu geniessen oder selbst Freiwilligenarbeit zu leisten und so auch anderen Menschen etwas Freude zu schenken. Ich bin weiterhin freiwillig tätig und möchte auch wieder mit der Seelsorge anfangen, sobald meine Gesundheit dies erlaubt. Diese Arbeit gibt einem auch unglaublich viel zurück.

Mitmachen und Freude schenken

Der Verein Freunde und Gönner hat grossen Anteil am gesellschaftlichen Leben im Emmenfeld Betagtenzentrum.

Seien Sie herzlich willkommen: Als Gönnerin und Gönner im Hintergrund, als Vereinsmitglied mit 25 Franken Jahresbeitrag, als Freunde des Hauses aktiv bei verschiedenen Tätigkeiten, die allen Freude bereiten.

In welcher Form trägt der Verein dazu bei, die Lebensqualität in den Emmer Betagtenzentren zu verbessern?

Kurz gesagt, sammelt der Verein Geld und gibt dieses aus, um den BewohnerInnen eine Freude zu machen (lacht). Einerseits unterstützen wir die Heimleitung finanziell bei gewissen Anschaffungen, zum Beispiel haben wir neue Musikinstrumente für die Aktivierung gekauft. Wir sorgen aber auch für ein kleines Präsent an Geburtstagen, veranstalten Lotto und organisieren Fastnachtskostüme. Viele Ideen kommen von der Heimleitung selbst oder den Pflegenden und wir unterstützen sie finanziell und mit ein paar kräftigen Händen dabei, diese umzusetzen. Zusätzlich gibt es noch den Besuch- und Begleitdienst. Den Freiwilligen wird jeweils eine Person zugeteilt, mit der sie regelmässig Zeit verbringt – beim Spazieren, Kaffee trinken oder beim wöchentlichen Stammtisch am Mittwochnachmittag.

Was war die eindrücklichste Veranstaltung, die Sie realisieren durften?

Vor Corona durften wir ein Konzert vom Dulcamara Quartett des Luzerner Sinfonieorchesters mitfinanzieren und so den BewohnerInnen des Heims ein einzigartiges Erlebnis ermöglichen: Die Musikerinnen und Musiker haben auf jeder Station gespielt und zum Schluss noch für alle ein grosses Konzert veranstaltet. Die Bewohnerinnen und Bewohner waren hellauf begeistert.

Welche Aufgaben hatten Sie als Freiwillige und Präsidentin im Verein?

Ich habe neben der Organisation und Koordination der Freiwilligen viele verschiedene Aufgaben übernommen. Vom Besuch- und Begleitdienst bin ich in die Seelsorge übergegangen und daraufhin habe ich mit der Begleitung von Angehörigen angefangen. Das war immer ein sehr organischer Prozess, eines ist aus dem anderen entstanden. Im Vordergrund stand für mich dabei stets der Bezug zu meinem Mitmenschen, der bei mir Zeit in Anspruch nehmen darf. Dort liegen meine Talente. Dort kann ich sie am besten einsetzen.

Was ist wichtig bei dieser Arbeit?

Dass man sich auf die Begegnungen und Erlebnisse einlässt, sie aber auch zurücklässt, sobald man das Haus verlässt. Genau wie das Pflegepersonal unterstehen auch wir einer Schweigepflicht.

«Die Menschen, die hier wohnen und die Begegnungen, die man hat, sind alle vielfältig und einzigartig.»


Pascale Amrein-Senn

Was war für Sie bisher ein besonders schönes Erlebnis?

In den letzten Jahren war ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so häufig freiwillig aktiv. Als ich nach einer Operation im Emmenfeld in der Rehabilitation war, kam eine Frau auf mich zu. Sie fragte mich, ob ich es denn sei, Pascale – nach all den Operationen und Behandlungen sehe ich nämlich inzwischen ganz anders aus – und meinte, sie hätte mich sehr vermisst und freue sich, mich zu sehen. Solche Momente sind unglaublich schön. Wenn man merkt, wie viel Freude der Verein und die Freiwilligen den Bewohnenden schenken und wie viel man für dieses Engagement wieder zurückbekommt. Die Menschen, die hier wohnen, und die Begegnungen, die man hat, sind alle vielfältig und einzigartig.

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