Kopf des Monats

Otto Bühlmann


Ehemaliger Landwirtschaftsbeauftragter der Gemeinde Emmen

Autorin: Larissa Brochella

Nach zwei erfolgreichen Dekaden hat Otto Bühlmann sein Amt als Landwirtschaftsbeauftragter der Gemeinde Emmen per Ende August 2020 abgegeben. (Bild: lbr)

Das verschmitzte Lächeln verleiht dem ehemaligen Landwirtschaftsbeauftragten der Gemeinde Emmen ein jugendliches Aussehen, und das obwohl Otto Bühlmann nach der Übergabe des Hofes an seinen Sohn vor zwei Jahren nun auch als Landwirtschaftsbeauftragter zurück- und per Ende Jahr die Pension antritt. Auf die faule Haut will sich der 64-jährige Landwirt aber noch lange nicht legen.

«Die Sensibilität für Umweltthemen und die entsprechenden Auflagen sind stark gewachsen.»


Otto Bühlmann

Ende Jahr steht die Pension an. Freuen Sie sich auf das «dolce far niente»?

Nein, ich bin ja noch fit und gesund. Ich werde weiterhin auf dem Hof meines Sohnes mithelfen und auch in der Ortsplanungskommission bis zum Abschluss der Revision der Ortsplanung tätig sein. Ich freue mich jedoch sehr darauf, mehr Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen zu dürfen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Ihrem Sohn?

Ohne Probleme, wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Zudem überlasse ich strategische Entscheidungen vollkommen meinem Sohn und seiner Frau. Meine Frau und ich sind vom Hof weggezogen, nachdem wir ihn vor zwei Jahren abgegeben haben. So konnten wir uns vollständig lösen und der nächsten Generation ihren Freiraum lassen.

Was waren Ihre Aufgaben als Landwirtschaftsbeauftragter?

In meiner Verantwortung lagen agrarpolitische Aufgaben wie das Umsetzten von Vorgaben und Massnahmen von Seiten des Kantons und des Bundes. Auch die jährliche Datenerhebung der Tierbestände und Bewirtschaftungsformen der Landwirtschaftsbetriebe und die Erfassung der Privattierhaltungen in der Gemeinde Emmen gehörten dazu. Als ich angefangen habe, wurde dies noch mithilfe von umfangreichen Papierfragebögen gemacht. In der Zwischenzeit sind wir auf eine digitale Erhebung umgestiegen. Ein wichtiges Projekt in meiner Zeit als Landwirtschaftsbeauftragter war ausserdem das Vernetzungsprojekt in Emmen, bei dem ich seit 2004 in der Projektleitung dabei bin.

Worum geht es in diesem Projekt?

Das Vernetzungsprojekt ist ein Programm für Bauern, die einen Beitrag an die Umwelt leisten möchten. Dabei werden sie in Bezug auf verschiedene Bewirtschaftungsformen beraten, zum Beispiel extensiv genutzte Wiesen und Strukturelemente. Dies mit dem erklärten Ziel, die Biodiversität zu fördern.

Inwiefern hat Sie als Landwirtschaftsbeauftragter das Thema Umweltschutz beschäftigt?

Es gibt inzwischen zahlreiche Programme vom Bund und Kanton, die darauf ausgerichtet sind, die Landwirtschaft umweltfreundlicher zu gestalten. Ein Beispiel ist die Landschaftsqualitätsberatung, wobei meine Aufgabe darin bestand, die Emmer Landwirtinnen und -wirte zu beraten, wie sie ihr Land bewirtschaften können, um eine hohe Biodiversität zu gewährleisten. Es gibt insgesamt 30 Massnahmen, die der Bund vorschlägt, um die landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen zu diversifizieren. Auch die Reduktion von Stickstoff und Pflanzenschutzmitteln ist ein wichtiges Thema. Oftmals kann deren Nutzung reduziert werden, wenn optimal mit der Natur zusammengearbeitet wird. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass die richtigen Wetterbedingungen zur Düngung abgewartet werden, sodass der Boden die Nährstoffe bestmöglich aufnehmen kann.

Hat sich die Einstellung zum Umweltschutz in der Landwirtschaft also verändert?

Die Sensibilität für Umweltthemen und die entsprechenden Auflagen sind stark gewachsen. Die Emmer Landwirtschaft ist sehr bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden, wobei finanzielle Anreize von Bund und Kanton die Umsetzung zusätzlich motivieren.

Wenn man zum Beispiel die Viehzucht betrachtet, hat die Landwirtschaft aber auch negative Folgen für die Umwelt.

In der Presse werden häufig nur die negativen Auswirkungen der Landwirtschaft aufgezeigt. Jedoch existieren in Emmen keine Extrembetriebe, sondern nur gut funktionierende Familienbetriebe, in denen eine bewusste Zusammenarbeit mit der Natur möglich ist. Wir Landwirte nutzen neuste Technologien und achten auf einen gesunden Kreislauf, um den Einfluss auf die Umwelt möglichst gering zu halten und mit verschiedenen Bewirtschaftungsformen zur Erhaltung der Biodiversität beizutragen.

Wie sind Sie Landwirtschaftsbeauftragter geworden?

Mein Vorgänger hat mich gefragt, ob er mich empfehlen dürfe. Mir war schnell klar, dass ich diese Aufgabe gerne übernehmen wollte.

Hatten Sie bestimmte Ziele, die Sie als Landwirtschaftsbeauftragter erreichen wollten?

Es war mir wichtig, verstärkt Kontakte zwischen den Emmer Landwirtinnen und -wirten zu ermöglichen. Viele sind stark ausgelastet und haben nur wenig Zeit, um neue Kontakte zu knüpfen und pflegen. Das positive Feedback der Bauern hat mit immer wieder neue Motivation gegeben.

«Mein Ziel war es immer, Kompromisse zu finden, Lösungen, die für alle Seiten stimmen. Das ist mir gut gelungen.»


Otto Bühlmann

Was war für Sie besonders positiv in dieser Zeit?

Es hat mich enorm gefreut, dass bereits von Anfang an über 80 Prozent der Landwirtschaftsbetriebe in Emmen am Vernetzungsprojekt teilgenommen haben. Auch in meiner Rolle als Mediator zwischen den Behörden und der Landwirtschaft durfte ich viel Positives erleben. Die Anliegen der Emmer Landwirtschaft zu vertreten war eine Aufgabe, die ich sehr ernst nahm. Bei vielen Themen ist ein gelungener Austausch zwischen der Gemeinde und den landwirtschaftlichen Betrieben entstanden.

Was ist für Sie so ein Thema?

Ein aktuelles Beispiel ist die Ortsplanungsrevision, bei der ich Mitglied in der Kommission bin. Ein grosser Anteil der Gemeindefläche wird von Bäuerinnen und Bauern bewirtschaftet, weshalb sie stark von der Revision betroffen sind. Die Erhaltung von gut bewirtschaftbaren und flachen Landparzellen waren mir dabei ein grosses Anliegen. Ausserdem muss dem Übergang zwischen Siedlungsgebiet und Landwirtschaftsgebiet grosse Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es war mir deshalb sehr wichtig, bereits von Anfang an in die Planung miteinbezogen zu werden.

Als Landwirtschaftsbeauftragter waren Sie in einer vermittelnden Rolle tätig. Ich nehme an, das war nicht immer einfach.

Mein Ziel war es immer, Kompromisse zu finden, Lösungen, die für alle Seiten stimmen. Das ist mir gut gelungen. Als wichtig empfinde ich es, dass laufend ein Informationsaustausch zwischen der Bevölkerung und den Landwirtinnen und -wirten stattfindet, denn miteinander zu sprechen fördert das gegenseitige Verständnis.

Nach fast 20 Jahren als Landwirtschaftsbeauftragter der Gemeinde Emmen geben Sie Ihr Amt nun ab. Wie fühlen Sie sich dabei?

Etwas wehmütig macht mich der Gedanke schon, denn ich gehe nicht, weil mir die Arbeit nicht mehr gefällt. Doch ist es auch schön, die Verantwortung abgeben zu können. Ich freue mich sehr, dass diese Zeit so positiv verlaufen ist und werde immer gerne darauf zurückblicken.

Neuer Landwirtschaftsbeauftragter


Der Gemeinderat bezeichnet Franz Dali per 1. September 2020 als neuen Landwirtschaftsbeauftragten (Lwb) der Gemeinde Emmen. Die Neubestimmung wurde nötig, weil der bisherige Lwb Otto Bühlmann seine Demission per 31. August 2020 bekannt gegeben hatte. Bühlmann schlug gleichzeitig Franz Dali als seinen Nachfolger vor.

Franz Dali ist 54-jährig und Vater dreier Söhne. Der Landwirt hat 1993 den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb mit Milchwirtschaft, Schweinehaltung und Pouletmast in Emmenbrücke übernommen und diesen sukzessive umgestellt. Heute betreibt Dali einen ÖLN-Betrieb mit Freilandpouletmast, Pferdehaltung und Ackerbau.

Gemäss kantonalem Landwirtschaftsgesetz KLwG vom 12. September 1995 muss die Gemeinde eine verantwortliche Person für die Erhebung und Kontrolle der landwirtschaftlichen Daten gemäss Pflichtenheft bezeichnen. Es ist keine Wahl nötig. Die Bezeichnung mittels Gemeinderatsprotokoll ist ausreichend.

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