Emmen Schule

Schule verändert sich – seit es sie gibt


Interaktive Wandtafeln (IWB) in den Schulzimmern und Laptops für die Kinder gehören ab dem neuen Schuljahr in der Primarschule zum Standard. Verdrängen sie nun die Schreibhefte und Lesebücher, die Lexika und Wörterbücher? Findet das Klassengespräch jetzt im Chat statt?

Autorin: Sonia Antunes

Die Kinder der Klasse 6b sammeln erste Erfahrungen mit den eigenen Laptops. (Bild: Alexandra Huber)

Sie stehen beeindruckt vor der neu installierten IWB, der Interaktiven Wandtafel, im altehrwürdigen Schulhaus Krauer: Alexandra Huber, Lara Brunner und Marie-Theres Kappeler. Alexandra und Lara haben ihr erstes Berufsjahr hinter sich, Marie-Theres steht vor ihrem letzten Schuljahr. Viele neue Möglichkeiten eröffnen sich den Lehrpersonen mit diesem attraktiven neuen Arbeitsgerät. Die drei Frauen kommen ins Gespräch über den Wandel der Schule.

Sie erinnern sich an die Schule vor 50 und vor 15 Jahren, als sie die Schulbank drückten, und reden auch darüber, wie sich die Schule in den letzten 40 Jahren für die Lehrpersonen veränderte. Ein Blick durchs Klassenzimmer verrät: Hier werden nicht mehr über 30 Kinder unterrichtet, wie das vor 40 Jahren der Fall war, als die Pulte dicht gedrängt im Klassenzimmer standen. Leseecke, Bewegungsspiele, verschiedene attraktive Übungsmaterialien und Hilfsmittel, freie Arbeitsplätze und Nischen sowie die Laptops weisen darauf hin, dass die Kinder heute vielfältiger und individueller lernen dürfen.

Schulentwicklung gab es schon immer

Diese Entwicklung hat schon vor mehr als 40 Jahren eingesetzt, als Marie-Theres Kappeler ihre ersten Klassen führte. Grosse Klassenbestände und enge Raumverhältnisse schränkten jedoch die Umsetzung ein. Es kostete Lehrpersonen Mut, die gewohnten Pfade des Frontalunterrichts zu verlassen und darauf zu vertrauen, dass Kinder selbsttätig lernen können. Nach und nach haben Partner- und Gruppenarbeiten das selbstständige Lernen der Kinder erfordert und gefördert, haben Lernpläne den Kindern ermöglicht, in ihrem Tempo und nach ihren Bedürfnissen zu lernen. Die Lehrpersonen waren mit dem Erarbeiten von passenden Lernmaterialien und dem Rechtfertigen des Unterrichts gegenüber Eltern gefordert. Als Lara Brunner und Alexandra Huber in die Primarschule kamen, waren Wochenpläne, Gruppenarbeiten und Lernumgebungen normaler Schulalltag.

Die Schulzimmer waren früher eher spartanisch eingerichtet, wie hier das Zimmer 14 im Schulhaus Krauer, vor der Renovation im Jahr 1988. (Bild: Hans Bachmann)

«Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den Kindern und ihren Lehrpersonen und ein guter Kontakt mit den Eltern bilden die Basis für eine gesunde Entwicklung und erfolgreiches Lernen der Kinder.»

«Was, Sie hatten in der Schule keinen Computer?»

Digitale Medien hielten nach und nach Einzug in die Schulzimmer. Die heutigen Schulkinder können sich gar nicht mehr vorstellen, dass es mal keine Computer und Handys gab. Die Lehrpersonen wurden geschult, die neuen Medien sinnvoll und bereichernd einzusetzen. Die Kinder werden darin gefördert, die digitalen Medien sinnvoll zu nutzen.

Ab der 4. Klasse lernen sie Tastaturschreiben, sie nutzen das Internet für Recherchen, sie trainieren mit geeigneter Software lustvoll Einmaleins, Rechtschreibung oder Englischwörter, und das neue Französischlehrmittel «Dis Donc!» verlangt gar das Arbeiten auf der eigenen Onlineplattform, um das neu Gelernte zu vertiefen.

Was aber gleich ist wie vor 40 Jahren: Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den Kindern und ihren Lehrpersonen und ein guter Kontakt mit den Eltern bilden die Basis für eine gesunde Entwicklung und erfolgreiches Lernen der Kinder. Und dazu braucht es nach wie vor den gegenseitigen Respekt, das gemeinsame Gespräch und die Bereitschaft, miteinander den Weg des Lernens zu gehen.

«Ich bin mit digitalen Medien aufgewachsen und sie waren für mich schon als Kind etwas ganz Normales neben allen anderen Medien. Darum finde ich es toll, dass wir nun in der Primarschule damit arbeiten können. Die Kinder sollen erfahren, dass sie damit viel lernen können. Ich selbst lerne jeden Tag dazu und freue mich auf die neuen Erfahrungen mit den Kindern. Als Lehrerin bin ich aber auch darauf bedacht, einen guten Mix analoger und digitaler Lernwelten für die Kinder zu schaffen.»

Lara Brunner

«An meinem ersten Schultag am 17. April 1964 waren meine Schultasche aus braunem Leder, mein rotes Etui und eine silberfarbene Schwammbüchse mein grosser Stolz. Den kleinen nassen Schwamm in der Schwammbüchse brauchten wir, um unsere Schiefertafel zu reinigen, wenn wir die Formen der Buchstaben und Zahlen mit dem quietschenden Griffel übten.»

Marie­Theres Kappeler

«Wie damals als Erstklässlerin am ersten Schultag war ich beim Schulstart als Lehrerin aufgeregt, sicherlich aufgeregter als all meine Schülerinnen und Schüler zusammen. Ich war gespannt auf die Kinder, mit denen ich die nächsten zwei Schuljahre verbringen würde. Mir war es wichtig, dass sich die Kinder in unserem Schulzimmer wohl und willkommen fühlen. So hatte ich in den Sommerferien für die Schülerinnen und Schüler gebastelt, geplant und eingerichtet.»

Alexandra Huber

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