Kopf des Monats

Robert Stocker

Präsident des Alpenclubs Gerliswil

Wo die sanfte Brise das Gesicht umschmeichelt und das Zwitschern der Vögel noch ganz deutlich zu hören ist, fühlt Robert Stocker, Präsident des Alpenclub Gerliswil, sich zuhause. Nun darf er sich freuen: der Alpenclub feiert sein 100-jähriges Jubiläum.

«Er kommt mit allen Menschen gut aus und kann eine Gemeinschaft pflegen, ohne dass Rivalitäten entstehen. Wenn trotzdem ein Konflikt entsteht, kann er sich zurücknehmen, der Person zuhören und so ein gutes Gemeinschaftsgefühl entwickeln», meint Regula Stocker über ihren Mann, als ich mir bei ihnen Zuhause im Gespräch mit Robert Stocker einen vertieften Einblick in das Leben des gebürtigen Emmers verschaffe.


Wohnhaft in einem schönen Haus mit Garten in Emmen ist Robert Stocker nicht nur seit 34 erfolgreichen Jahren Präsident des Alpenclubs Gerliswil, sondern auch Ehemann, Vater und nicht zuletzt Umweltliebhaber.

Robert Stocker wurde die Liebe zur Natur und zur Bergwelt quasi in die Wiege gelegt. Das zeigt sich nicht nur in den lebhaften Erzählungen über die Schönheit der Natur in den Bergen, sondern auch im eigenen Lebensalltag. Er und seine Frau produzieren auf ihrem Dach den eigenen Strom, und bei Sonnenschein sogar so viel, dass es auch für das Elektroauto reicht.

Vielleicht ist es diese Achtsamkeit, die dem langjährigen Clubpräsidenten immer wieder zugutekommt. Trotz der langen und fruchtbaren Zeit als Präsident des Alpenclubs Gerliswil äussert sich Stocker sehr bescheiden zur eigenen Leistung. Immer wieder betont er, wie viel all die Menschen, die ihn unterstützen, zu diesem Erfolg beitragen.

Robert Stocker, Woher kommt die Begeisterung für den Bergsport?

Schon meine Eltern gingen gerne zu Berg. Durch sie bin ich auch zum Alpenclub Gerliswil gekommen, sie waren schon Mitglieder, als ich noch ein kleiner Junge war. Ich bin eigentlich mit und im Verein aufgewachsen und so auch mit dem Bergsport (lacht). Deshalb war ich als Kind schon von Zeit zu Zeit in der Bonern, unserem Clubhaus in der Fräckmüntegg am Pilatus. Die Geselligkeit und Kameradschaft an den Festen im Berghaus Bonern, die bei Anlässen auch heute noch besteht, war etwas Wunderschönes, und ich bin froh, dies als Kind erlebt haben zu dürfen.

Und was zieht Sie noch heute in die Berge?

Im Sommer gehen meine Frau und ich oft mit dem Club auf Wanderungen und Hochtouren. Im Winter sind es dann eher Ski- und Schneeschuhtouren. Wir bieten im Verein auch Klettertouren an, aber das ist nichts für mich, ich bin leider nicht ganz schwindelfrei. Aber meine Frau geht ab und zu mit. Was mich dabei immer wieder überwältigt, ist die Ruhe und Sauberkeit in der Bergwelt. Die Natur hat eine Unberührtheit, die wir heute nur noch selten zu sehen bekommen. Deshalb ist es mir auch sehr wichtig, dass unsere Mitglieder die Bergwelt so hinterlassen, wie sie sie vorgefunden haben.

Was hat Sie dazu motiviert, die Präsidentschaft anzutreten?

Als der letzte Präsident eine Nachfolge für das Amt gesucht hat, muss er auf mich als potentiellen Nachfolger aufmerksam geworden sein. Zuerst war ich dann ein Jahr im Vorstand. Dieser hat damals schon und leistet auch heute noch hervorragende Arbeit, was mein Amt erheblich erleichtert. Danach wurde ich 1985 zum Präsidenten des Alpenclubs Gerliswil und bin es seither.


Sie werden für Ihren lockeren und humorvollen Umgang gelobt. Sind diese Qualitäten wichtig für einen Clubpräsidenten?

Ja, unter anderem. Bei Problemen die Ruhe zu bewahren und gemeinsam

eine Lösung zu finden, ist das A und O. Man darf nicht immer mit dem Kopf durch die Wand wollen, sondern muss versuchen, Kompromisse zu finden. Dafür braucht man schon eine gewisse Eignung.

“Was mich dabei immer wieder überwältigt, ist die Ruhe und Sauberkeit in der Bergwelt. Die Natur hat eine Unberührtheit, die wir heute nur noch selten zu sehen bekommen.”

Sind Sie deshalb schon so lange Präsident?

Ich komme sehr gut mit verschiedensten Persönlichkeiten aus und habe den Blick immer in die Zukunft gerichtet. Zudem habe ich keine starren Vorstellungen, die von meinen Vorstandsmitgliedern einfach befolgt werden müssen. Ich begrüsse eine gewisse Selbständigkeit und bin immer offen für neue Ideen und Vorschläge. Bisher hat das auch sehr gut geklappt, was zeigt, dass die Personen im Vorstand versiert sind und ihr Metier gut kennen.


Was meinen Sie mit «den Blick immer in die Zukunft gerichtet haben»?

Zum Beispiel lag früher der Fokus stark auf den Skitouren, aber im Moment ist das Wandern in der

Schweiz ungemein beliebt. Deshalb haben wir im Vorstand heute anstatt nur einem Vorstandsmitglied mit Zuständigkeit Ski- und Wandertouren zwei Personen, die für die Wandertouren zuständig sind, und den Tourenobmann, der sich verstärkt um Skitouren kümmert. So wollen wir der steigenden Nachfrage im Bereich Wandern nachkommen und die Attraktivität des Wandersports fördern, aber das Skitourenwesen nicht vernachlässigen. Wir suchen immer nach neuen Wanderrouten in der Schweiz, aber auch europaweit: letztes Jahr haben wir eine Wanderwoche auf Elba durchgeführt und auch schon waren wir auf einem Weingut in Spanien.

Was hat sich in den Jahren Ihrer Präsidentschaft verändert?

Es wird immer schwieriger, junge Personen zu mobilisieren. Heute ist die Welt sehr hektisch und die jungen Erwachsenen haben viele berufliche sowie auch familiäre Verpflichtungen, denen sie nachkommen müssen. Bei Detailprojekten kann man die jüngeren Generationen gut abholen, zum Beispiel beim Trendsport Klettern, aber auf Dauer funktioniert das eher selten. Sehr positiv ist jedoch, dass wir seit Jahren eine stabile Teilnehmerzahl haben. Das bedeutet auch, dass wir in ein vielfältiges Angebot sowie das Berghaus Bonern investieren können und so fähig sind, unseren Mitgliedern ein abwechslungsreiches Programm zu bieten.

Was ist die Aufgabe Ihres Vereins?

Das wichtigste, das wir als Club bieten können, ist die Freizeitgestaltung unserer Mitglieder. Viele Menschen freuen sich über eine Möglichkeit, auf geführten Wanderungen neue Kontakte zu knüpfen. Andere wollen neue Regionen erkunden und tun dies lieber mit einer Wanderleiterin oder einem Wanderleiter, der sich gut auskennt. Der soziale Aspekt ist aber sicher einer der wichtigsten Punkte. In einem Verein kann man Dinge ausprobieren, die man schon lange einmal machen wollte, und dabei Freundschaften fürs Leben schliessen.

Welches Erlebnis aus der Zeit im Alpenclub Gerliswil sticht für Sie besonders hervor?

Ich habe meine Frau im Verein kennengelernt. Das ist vielleicht das grösste Highlight, das ich im Alpenclub Gerliswil erleben durfte (lacht). Was mir auch immer wieder die Sprache verschlägt, ist das unbeschreibliche Gefühl, wenn ich auf einem Gipfel ankomme. Die Aussicht in solcher Höhe ist unglaublich. Durch die Abfahrt im stiebenden Pulverschnee wird das Erlebnis dann gut abgerundet.

“Wir haben keine Angst vor Veränderungen.”

Der Alpenclub Gerliswil feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich bin stolz darauf, dass ich immer noch Präsident bin (lacht). Natürlich macht es mich auch sehr stolz, dass es uns so gut geht und wir mit 60 Anlässen pro Jahr unseren Mitgliedern ein spannendes und vielfältiges Angebot präsentieren können. Auch dass wir mit der Zeit gehen und unser Angebot laufend an die Nachfrage anpassen. Wir haben keine Angst vor Veränderung. Aber was mich am meisten freut, ist die Begeisterung und Freude, die ich von unseren Mitgliedern immer wieder zu spüren bekomme. Das erfüllt mich, als Präsident des Clubs, und zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass ich als Präsident unseren Mitgliedern nach wie vor eine gute Gemeinschaft, ein tolles Programm und viel Freude bieten kann. Vor allem in der Schweiz, aber auch darüber hinaus. Dass wir als Verein gesund bleiben, mit guten Finanzen, einer stabilen Mitgliederzahl, einem starken Vorstand und geselligem Beisammensein.

Wenn es an der Zeit ist, wünsche ich mir, dass eine junge Person die Präsidentschaft übernimmt und etwas frischen Wind in den Verein bringt. Am besten eine Frau. Die erste Präsidentin des Alpenclub Gerliswil.


Autorin: Larissa Brochella