Bevölkerungsumfrage zur Ortsplanungsrevision

Emmen soll sich behutsam entwickeln

Mehr Grün, höhere Verkehrs­sicherheit und hochwertige Verdichtung im Zentrum: Die Auswertung der Bevölkerungsumfrage zur Ortsplanung zeigt, dass die Emmerinnen und Emmer ein überraschend homogenes Bild von der städtebaulichen Zukunft ihrer Gemeinde zeichnen.


Vom 16. Mai bis 16. Juni 2019 konnte sich die Emmer Bevölkerung mittels einer Onlineumfrage in die Revision der Ortsplanung einbringen. Wir wollten wissen, wohin sich Emmen in den nächsten 15 Jahren entwickeln soll. Sie haben geantwortet – und wie! Die erwartete Teilnahme von rund 500 Personen wurde weit übertroffen. Dank der sehr hohen Beteiligung von mehr als 1000 Teilnehmenden ergibt die Umfrage ein repräsentatives Abbild davon, wie Emmerinnen und Emmer sich die Zukunft der Gemeinde ausmalen.


Emmerinnen und Emmer sind sich einig

Die erfreulich hohe Teilnehmerzahl zeigt überdies, dass die Emmer Bevölkerung willens ist, Zeit und Engagement in die zukünftige Entwicklung ihres Wohn- und Arbeitsortes zu investieren. Mit dem deutlichen Ruf nach einem qualitativen Wachstum wird der eingeschlagene Weg zur qualitätsvollen Weiterentwicklung klar gestützt. An den Umfrageergebnissen lässt sich etwa ablesen, dass das städtebauliche Gesamtkonzept eine hochwertige Verdichtung in den ermöglichen und somit neuen Raum für Wohnen und Arbeiten schaffen soll.


Die ganz grossen Schritte sollen dabei allerdings nicht genommen werden. Die Emmer Bevölkerung spricht sich explizit und in einer erstaunlichen Homogenität für eine behutsame Entwicklung aus und möchte einen radikalen Umbau tunlichst vermeiden. Christine Bopp, die das Projekt Gesamtrevision Ortsplanung seitens der Gemeinde leitet, hat die Umfrageergebnisse zusammengetragen und verrät im Interview, wie diese zu deuten sind.


Christine Bopp, welches übergeordnete Fazit lässt sich aus der Bevölkerungsumfrage ziehen?

Die Emmer Bevölkerung ist interessiert an der Weiterentwicklung ihrer Gemeinde und bereit, sich in den Prozess einzubringen. Das zeigen die hohe Teilnehmerzahl an der Umfrage und auch die vielen individuellen Kommentare, die eingegeben wurden. Für uns positiv ist, dass wir in der bisherigen Arbeit bestätigt wurden, es gibt keine grundlegenden Themen, die wir total revidieren müssten.


Welches sind die dringlichsten Anliegen der Umfrageteilnehmenden?

Übergeordnete Themen sind der Grünraum und die Naherholungsgebiete. Es ist das wichtigste Anliegen, die grünen Flächen zu schützen und nicht weiter auf der grünen Wiese zu bauen. Auch das Thema Verkehrssicherheit ist ein wichtiges Anliegen. Insgesamt kann man sagen, dass sich die Emmerinnen und Emmer keine grossen Veränderungen wünschen.


Wie kann dem Anliegen nach Erhalt der Grünflächen Rechnung getragen werden?

Das städtebauliche Gesamtkonzept weist explizit Flächen aus, die nicht bebaut werden sollen. Das sind vorrangig die bestehenden Grünzonen, diese werden aber auch um wichtige Grünräume im Siedlungsgebiet ergänzt. Ausserdem werden «Landschaftsfenster» festgelegt, die wichtige Freiräume zwischen einzelnen Siedlungsteilen bewahren sollen. Wichtig für die Naherholungsgebiete und die Landwirtschaft ist die Aussage, dass keine zusätzlichen Bauzonenflächen geschaffen werden sollen.


Und wo besteht laut Umfrageergebnissen Verdichtungspotenzial?

Grundsätzlich sprechen sich die Teilnehmer der Umfrage für den Erhalt des Charakters ihrer Quartiere aus. Zum Thema Verdichtung sehen wir in den bereits urbanen Gebieten, also im Meierhöfliquartier und rund um den Bahnhof Emmenbrücke, aber auch generell in den Gebieten rund um die Seetal- und Gerliswilstrasse eine etwas offenere Haltung. Ausserdem findet der Grundsatz, dass in den Zentrumslagen eine hochwertige Verdichtung stattfinden darf, Zustimmung.


“Grundsätzlich sprechen sich die Teilnehmer der Umfrage für den Erhalt des Charakters ihrer Quartiere aus..”

Wie gerne leben Sie in Emmen? Die Mehrheit der Umfrageteilnehmenden ist sich einig:

Und wie gerne leben Sie in Emmen?

Gemäss Umfrage spricht sich eine Mehrheit dafür aus, die Achse Seetalplatz bis Sprengi bezüglich Aufenthaltsqualität sowie für Fussgänger und Velofahrer aufzuwerten, allerdings nicht auf Kosten der Verkehrsfläche. Wie geht das zusammen?

Beim Thema Verkehr ist den Befragten wichtig, dass sie nicht zu sehr beschränkt werden. Es besteht die Sorge, dass die Verkehrsprobleme zunehmen, wenn die Verkehrsflächen verringert werden, dementsprechend wird die Verringerung abgelehnt. Es wird sicher eine Herausforderung, auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen und eine gesamthaft funktionierende Lösung zu erarbeiten.


Welche Erkenntnisse konnten hinsichtlich Fragen zum Wohnungsbau gewonnen werden?

Ein hoher Bedarf besteht nach attraktivem Wohnraum für Familien. Im Vergleich dazu gibt es deutlich weniger Zustimmung zur Förderung von gehobenem Wohnraum für Gutverdienende. Der Förderung von erschwinglichem Wohnraum wird im Vergleich mehr Wichtigkeit zugemessen als dem gehobenen Wohnraum.

“Ein hoher Bedarf besteht nach attraktivem Wohnraum für Familien. ”

Die Teilnehmenden konnten sich auch spezifisch zur zukünftigen Entwicklung einzelner Quartiere äussern. Was sind dabei die drängendsten Anliegen?

Am wichtigsten sind auch in den Quartieren der Erhalt von Grünflächen und die Verkehrssicherheit. Spezifische Anliegen sind beispielsweise eine bessere Aufenthaltsqualität am Sonnenplatz oder die Nutzung der Fläche, die bei einer Umgestaltung der doppelstöckigen Strassenverbindung von der Seetalstrasse zum Emmen Center entstehen könnte. Hier ist deutlich, dass ein Park einer Bebauung oder einem städtischen Platz vorgezogen wird.


Was hat an den Umfrageergebnissen am meisten überrascht?

Überraschend ist, dass sich die Befragten weitgehend einig sind. Es gibt wenig Fragen, bei denen Einzelinteressen stark abweichend geantwortet haben, also z.B. Mieter ganz anders geantwortet hätten als Eigentümer. Ich hätte mit mehr Differenzen gerechnet, aber so ist es für die weiteren Arbeiten natürlich einfacher.


Wie geht es nun weiter?

Basierend auf den Umfrageergebnissen wird das städtebauliche Gesamtkonzept überarbeitet und konkretisiert. Es wird abschliessend im Dezember dem Einwohnerrat zur Kenntnisnahme vorgelegt. Ab nächstem Jahr werden wir dann in die planungsrechtliche Umsetzung starten, also die neuen gesetzlichen Grundlagen erarbeiten, was, wo und wofür gebaut werden darf.


Autor: Philipp Bucher