Voneinander, miteinander, nebeneinander

Altersgemischte Klassen im Schulhaus Meierhöfli


Seit den Sommerferien lernen 1.- und 2.-Klässler der Schule Meierhöfli im selben Klassenzimmer. Die Hälfte der Klasse besteht aus frisch eingeschulten Kindern, die andere Hälfte bringt schon ein Jahr Schulerfahrung mit. Wie in einer Familie mit mehreren Kindern lernen auch Schulkinder voneinander, miteinander und nebeneinander. Wie verlief der Start in altersgemischten Gruppen?

Autorin: Annette Rüedi

Das grosse Zählen beginnt: Wie viele Tannenzapfen wohl zusammengekommen sind? Gemeinsam lässt sich diese Aufgabe spielend lösen. (Bilder: zvg)

Die 1./2.-Klässler von Stefanie Abry erhalten am Waldmorgen die Aufgabe, möglichst viele Tannenzapfen zu sammeln. Grössere und kleinere Kinder schleppen fleissig Tannenzapfen heran. Wie viele haben sie gefunden? Das grosse Zählen beginnt. Die 1.-Klässler zählen, brauchen aber schon bald die Unterstützung der älteren Kinder. Gemeinsam schaffen sie es, die über 200 Tannenzapfen zu zählen. Für Klassenlehrerin Stefanie Abry ist es eine grosse Freude zu sehen, wie stolz die Kinder sind, eine Aufgabe zusammen gemeistert zu haben.

Umstellung auf altersgemischtes Lernen (AgL)

Als Lehrperson ist man gewohnt, den Unterricht den Bedürfnissen der Kinder anzupassen. Deshalb war der Wechsel von einer Jahrgangsklasse auf eine AgL-Klasse nicht komplett neu. Trotzdem forderte die Umstellung unser Team heraus, den bisherigen Unterricht neu zu überdenken und anzupassen.

Mit verschiedenen Weiterbildungskursen und Hospitationen konnte das Unterstufenteam wertvolle Einblicke in den Unterrichtsalltag anderer Schulen erhalten, welche bereits auf altersgemischtes Lernen umgestellt haben. Das Lernen in solchen Gruppen hat viele Vorteile: Die Kinder lernen voneinander, da sie Vorbilder haben und sich vieles abschauen können. Im Miteinander arbeiten sie am selben Thema auf ihrem Niveau. Und sie arbeiten nebeneinander an unterschiedlichen Aufgaben.

«Indem man 1.- und 2.-Klässler gleichzeitig unterrichtet, akzeptiert man, dass alle Kinder auf einem unterschiedlichen Niveau sind.»


Stefanie Abry

Gelungener Start

Stefanie Abry fällt auf, wie viel schneller sich die «Kleinen» zurechtfinden. Sie haben Vorbilder, werden von den älteren Kindern miterzogen und schauen sich vieles ab. So bleibt mehr Zeit zum Lernen. Die 1.-Klässler profitieren von der Hilfe und den Erklärungen der älteren Kinder. Die Motivation steigert sich, voranzukommen. Die Kinder können auf ihrem mitgebrachten Lernstand besser abgeholt werden.

2.-Klässler, welche bisher aufgrund ihrer langsamen Lernfortschritte gelitten haben, nehmen in einer altersdurchmischten Klasse eine andere Rolle ein. Diese Kinder können den Jüngeren etwas beibringen. «Das macht die Kinder stolz», berichtet IF-Lehrerin Claudia Bücheli. «Sie wirken glücklicher als vorher, da sie mehr Erfolgserlebnisse haben.»

Die älteren Kinder können Wissenslücken besser schliessen. Sie lernen Inhalte vertiefter, indem sie Aufgaben anderen Kindern erklären. Dies hilft beim Verständnis des Lernstoffes. Daneben können sie selbstständig in ihrem Tempo Aufgaben bearbeiten und werden niveaugerecht gefördert. «Indem man 1.- und 2.-Klässler gleichzeitig unterrichtet, akzeptiert man, dass alle Kinder auf einem unterschiedlichen Niveau sind», betont Stefanie Abry.

Herausforderungen

Gerade in den ersten paar Wochen ist der Unterschied von jüngeren und älteren Lernenden deutlich spürbar. Viele jüngere Kinder müssen sich noch an den Schulalltag gewöhnen. «Die 1.-Klässler sind schon etwas anstrengend», gestehen die 2.-Klässler. «Sie sind laut, schreien in der Garderobe und machen viel Blödsinn.» Hier braucht es Geduld und die Vorbildfunktion der älteren Kinder. Aus der Forschung ist bekannt, dass die Kinder durch altersgemischte Gruppen bessere soziale und personale Fähigkeiten entwickeln.

«Die Grundformen des miteinander, voneinander und nebeneinander Lernens können auch in Jahrgangsklassen umgesetzt und weiterentwickelt werden.»


Roman Brügger

Wie gehts weiter?

Ob das altersgemischte Lernen in Zukunft auch auf der 3. bis 6. Klasse eingeführt wird, ist derzeit noch offen. Welche Herausforderungen die Umstellung mit sich bringt, wird sich zeigen. Schulleiter Roman Brügger meint: «Wir machen zuerst Erfahrungen auf der Unterstufe und werden einen Wechsel zu einem späteren Zeitpunkt sorgfältig prüfen. Die Grundformen des miteinander, voneinander und nebeneinander Lernens können auch in Jahrgangsklassen umgesetzt und weiterentwickelt werden.»

Am Ende sind es über 200 Stück gewesen.

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