Madame Frigo in Emmen

Gemeinsam gegen Food Waste


Wer kennt es nicht? Man geht einkaufen und kommt mit mehr nach Hause, als man eigentlich wollte. Die Lebensmittel gehen im Kühlschrank vergessen und wandern irgendwann in den Abfall. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden – eine davon ist Madame Frigo.

Autorin: Riccarda Rauter

Claudia Bachmann vor ihrem Kühlschrank von Madame Frigo in der Celtastrasse 12a beim Velounterstand. (Bilder: rra)

Privathaushalte machen knapp ein Drittel des Food Waste in der Schweiz aus. Jährlich gehen 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel verloren oder werden weggeworfen. Doch nicht nur unsere eigenen Essensreste oder abgelaufenen Produkte werden verschwendet, auf allen Stufen der Lebensmittelherstellung entsteht Food Waste. Es beginnt bereits in der Landwirtschaft, wo Lebensmittel durch Normanforderungen nicht verkauft werden können, und zieht sich weiter bis in die Gastronomie, mit zu grossen Portionen oder Buffetüberschüssen. Aber auch im Detailhandel gehen viele Lebensmittel verloren durch abgelaufene Produkte, die eigentlich noch geniessbar wären.

«Es ist mir wichtig, dass Esswaren, die durchaus noch geniessbar sind, nicht weggeworfen werden.»


Claudia Bachmann, Kühlschrankgotti von Madame Frigo

Madame Frigo schafft Abhilfe

Die Mission von Madame Frigo ist es, Food Waste in Privathaushalten zu reduzieren und den bewussten Umgang mit Lebensmitteln zu fördern. Das Prinzip ist einfach: öffentliche Kühlschränke. Zu jeder Tages- und Nachtzeit können geniessbare Lebensmittel, die zu Hause keine Verwendung finden, in den Kühlschrank gelegt oder von dort bezogen werden. Damit dieses Projekt funktioniert, ist Madame Frigo auf viele engagierte Menschen angewiesen, die sich freiwillig für die nachhaltige Reduktion von Food Waste in der Schweiz einsetzen. Einer dieser Menschen ist die Emmerin Claudia Bachmann. Sie betreibt als Kühlschrankgotti den ersten Gemeinschaftskühlschrank in der Gemeinde.

Emmen sagt Food Waste den Kampf an

Seit einem Jahr steht ein Kühlschrank von Madame Frigo in der Celtastrasse 12a im Velounterstand und erfährt seither zunehmende Bekanntheit. «Es kommen leider noch nicht so viele Lebensmittel in den Kühlschrank rein, doch praktisch alles kann von jemand anderem gebraucht werden», sagt Claudia Bachmann, die sich durch das Engagement ihrer Nichte bei Madame Frigo dazu entschlossen hat, dieses Projekt ebenfalls zu unterstützen. «Es ist mir wichtig, dass Esswaren, die durchaus noch geniessbar sind, nicht weggeworfen werden», betont sie.

In der Celtastrasse kann man indes nicht nur Lebensmittel bringen oder mitnehmen. Das Teilen von Lesestoff funktioniert ebenfalls bestens nach diesem Prinzip. So steht auf dem Madame-Frigo-Kühlschrank auch gleich noch eine kleine Bibliothek. Bücher können getauscht, mitgenommen oder gebracht werden.

Gammeln war früher, jetzt wird gehandelt

Auch Lebensmittelhändler haben die Möglichkeit, etwas im Kühlschrank zu deponieren, wenn es im Laden nicht mehr verkauft werden kann. Die Spielregeln für die Benutzung von Madame Frigo sind einfach. Es darf alles in den Kühlschrank rein, was das Verbrauchsdatum noch nicht überschritten hat. Bereits geöffnete Packungen und verarbeitete Lebensmittel dürfen nicht in den Kühlschrank, wie auch Fleisch, Fisch oder Alkohol. So findet man im Kühlschrank von Madame Frigo vor allem Früchte, Gemüse und Brot.

Es mag unwichtig scheinen, wenn wir zu Hause Lebensmittel in den Abfall werfen oder im Restaurant nicht die ganze Portion essen. Doch jährlich gehen so pro Person 330 Kilogramm Lebensmittel über die Lebensmittelkette verloren, ein Drittel aller Lebensmittel. Mit dem eigenen Verhalten können wir also durchaus etwas verändern, auch wenn es nur kleine Dinge sind.

Gemeinsam gegen Food Waste


Madame Frigo freut sich über jede Unterstützung. Niemand ist davon ausgeschlossen, einen Gemeinschaftskühlschrank im eigenen Quartier aufzustellen und zu betreuen. Mit einem Vorschlag kann man sich bei Madame Frigo bewerben. Alles, was es dazu braucht, ist ein geeigneter Ort mit Stromanschluss. Als Kühlschrankgotti oder -götti pflegt man anschliessend den Kühlschrank und kontrolliert die Inhalte. Wer vorab einen Augenschein nehmen möchte, besucht den Emmer Madame-Frigo-Kühlschrank an der Celtastrasse 12a in Emmenbrücke (Bild links).

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