Einwohnerrat

Der Sachpolitiker mit einer Schwäche für Menschen


Markus Schumacher (SVP) ist der neue Einwohnerratspräsident und schlüpft damit im angebrochenen Amtsjahr in die Rolle des «höchster Emmers». Wieso ihm das nicht immer leichtfallen wird und was er von den Emmerinnen und Emmern wünscht, verrät der ausgewiesene Sachpolitiker im Interview.

Autor: Philipp Bucher

Markus Schumacher ist der «höchste Emmer» für die Amtsperiode 2020/21 und wünscht sich, dass die Gemeinde näher zusammenrückt. (Bild: pbu)

Er sei überrascht gewesen. Überrascht über die «vielen Stimmen», die ihn im Rahmen der vergangenen Parlamentssitzung auf den Stuhl des Ratspräsidenten hievten. «Schliesslich haben lediglich drei von insgesamt 39 Stimmen gefehlt», sagt Markus Schumacher im Rückblick auf seine Wahl zum «höchsten Emmer» erstaunt.

Dabei kommt sein gutes Abschneiden nicht von ungefähr. Schumacher, der sich selbst als «gemässigten SVPler» bezeichnet, ist innerhalb des 40-köpfigen Parlaments breit akzeptiert, was an seiner geselligen Art ebenso wie an seiner Sachbezogenheit liegen mag: «Wir müssen einander zuhören», ist der gelernte Coiffeur überzeugt. Ob SVP, SP, FDP, CVP, Grüne oder GLP: Alle wollten schliesslich das Beste für Emmen. Und für Schumacher führt nur ein Weg dorthin: jener des sachpolitischen Argumentierens und Kompromisse-Schmiedens.

Markus Schumacher, wie haben Sie Ihre Auftaktsitzung als Einwohnerratspräsident erlebt?

Es war insofern ein spezielles Erlebnis, als du als Einwohnerratspräsident eine ganz andere Perspektive auf den Einwohnerrat hast. Du darfst plötzlich nicht mehr mitbestimmen, was mir sicher nicht immer leichtfallen wird, gerade bei sachpolitischen Diskussionen. In meinem Eingangsvotum habe ich bewusst erwähnt, dass ich mein Parteibuch für das kommende Amtsjahr zur Seite legen und ein neutraler Einwohnerratspräsident für alle Emmerinnen und Emmer sein werde – auch für jene drei Parlamentsmitglieder, die mir ihre Stimme nicht gegeben haben (schmunzelt). Alles in allem habe ich mich an der Auftaktsitzung wohlgefühlt, wenn auch ich der neuen Erfahrung geschuldet zu Beginn etwas nervös war.

Wie definieren Sie Ihre Rolle als «höchster Emmer»?

Ich repräsentiere den Einwohnerrat und die Gemeinde Emmen an unterschiedlichen Anlässen und überbringe dabei die Grussbotschaften des Parlaments. In dieser Funktion werde ich offen sein für Fragen und Anliegen aus der Bevölkerung. Der Kontakt mit Emmerinnen und Emmern, mit Vereinen, Institutionen und Firmen ist mir sehr wichtig. Meine Offenheit gegenüber den Menschen werde ich als «höchster Emmer» sicher nicht ablegen.

Haben Sie sich besondere Ziele für Ihr ­Präsidialjahr vorgenommen?

Was mir in letzter Zeit zunehmend missfällt, ist das Littering in der Gemeinde. Das unachtsame Wegwerfen von Abfall stört mich enorm. Hier vermisse ich die Eigenverantwortung jedes Einzelnen und das Sorgetragen gegenüber dem öffentlichen Raum. Diesen Missstand werde ich als Einwohnerratspräsident gezielt anzugehen versuchen.

«Mir fehlt oftmals das Gemeinschaftliche in Emmen, was etwa in der divergierenden Identifikation entweder als Emmer oder als Emmenbrücker zum Ausdruck kommt.»


Markus Schumacher, Einwohnerratspräsident

Wie beschreiben Sie Ihren Politstil?

Sachlich. Die Sachpolitik hat bei mir schon immer an oberster Stelle gestanden.

Stellen Sie sich vor, Ihr Haus steht in Flammen und Sie müssen dieses schleunigst verlassen. Während Menschen und Tiere bereits in Sicherheit sind, haben Sie Zeit, um maximal drei Gegenstände mitzunehmen. Wofür entscheiden Sie sich?

Erstens meinen Computer, weil dieser das Herzstück meiner beruflichen wie politischen Tätigkeit ist und auch im Privaten eine wichtige Rolle spielt, weil ich sämtliche Fotos darauf gespeichert habe. Zweitens mein Telefon, weil da alle meine Kontakte drauf sind und es ein wichtiges Hilfsmittel ist, um mit Menschen in Kontakt zu treten und zu bleiben. Und drittens vielleicht noch ein paar Schuhe, dafür soll ich ja ein Faible haben (lacht).

Was wünschen Sie sich für die Emmerinnen und Emmer?

Dass die Gemeinde näher zusammenrückt. Mir fehlt oftmals das Gemeinschaftliche in Emmen, was etwa in der divergierenden Identifikation entweder als Emmer oder als Emmenbrücker zum Ausdruck kommt. Ich plädiere klar für weniger soziale Berührungsängste. Wenn ich mit meinem Hund Amit unterwegs bin, ist es für mich zum Beispiel selbstverständlich, die Leute zu grüssen. Dadurch sind schon viele interessante Gespräche entstanden. In diesem Sinne wünsche ich mir für die Emmerinnen und Emmer mehr Solidarität und Offenheit den anderen gegenüber. Und ein neuer Schoggiturm wäre auch nicht verkehrt (schmunzelt).

Zur Person


Markus Schumacher ist 2015 von Ebikon nach Emmen gezogen und sitzt seit 2016 für die SVP im Einwohnerrat. Im September 2020 rückte er für Marcel Omlin in den Luzerner Kantonsrat nach. Der 59-Jährige ist geschieden und Vater von drei mittlerweile erwachsenen Söhnen. Als einstiger Geschäftsführer von Wella Schweiz machte sich der gelernte Coiffeur vor rund zehn Jahren mit seinem Unternehmen Hair Haus selbstständig. Der Corona-Lockdown im Frühling 2020 führte zum Konkurs. Schumacher ist der Branche treu geblieben und heute bei der Advanced Swiss Products AG als Verkaufsleiter angestellt.

Welche drei Persönlichkeiten (lebend oder tot) beeindrucken Sie besonders?

Alt-Bundesrat Adolf Ogi, weil er immerzu sich treu und auf dem Boden geblieben ist. Ebenso der ehemalige SP-Bundesrat Willi Ritschard, der viel Positives für die Schweiz geleistet und dabei seine Wurzeln als Arbeiter nie vergessen hat. Und schliesslich Bill Clinton, weil ich Leute mag, die auch in schwierigen Zeiten Rückgrat zeigen.

Welche Fähigkeit würden Sie gerne ­besitzen?

Ich wäre gerne gelassener. Als Widder bin ich teilweise zu aufbrausend, was mir sicher nicht immer zum Vorteil gereichte.

Was ist Lebensqualität für Sie?

Berge, draussen sein, ein gutes Glas Wein, einen lieben Menschen nebenan, meine Kinder.

Was wollten Sie schon lange mal tun, schieben es aber ständig auf?

Meine 16 Jahre lang aufgeschobene Kandidatur für den Kantonsrat kann ich ja nun von der Liste streichen. Abgesehen davon bin ich schon länger nicht mehr auf den Pilatus gelaufen, obwohl ich das gerne wieder mal tun würde.

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