Freiraumgestaltung

Wenn Emmer Jugendliche Gesellschaft designen


Was passiert, wenn man gestaltungswillige Jugendliche und Design-Studierende auf öffentliche Freiräume loslässt? In einem gemeinsamen Projekt gehen die Hochschule Luzern – Design & Kunst und die Gemeinde Emmen dieser Frage auf den Grund – und finden Antworten am Seetalplatz.

Autor: Philipp Bucher

Ready to connect: Design-Studierende werden im Rahmen des Lehrformats «Connect» unter anderen zum Freiraum-Gestaltungs-Projekt mit den Emmer Jugendlichen gebrieft. (Bild: Hochschule Luzern - Design & Kunst)

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an Design denken? Formvollendete Sitzmöbel und fancy Plakate? Le Corbusier oder Karl Lagerfeld? Sparschäler, Nike-Swoosh, Bauhaus? Das ist alles richtig. Eigentlich steckt Design überall drin, in Produkten, Gebäuden, Werbeanzeigen, in uns selbst und für manche gar im biblischen Weltschöpfungsakt. Alles, was mit Materialien oder visuellen Mitteln gestaltet wird, beinhaltet eine Design-Komponente, sei es ein Treppengeländer, ein Fussballstadion oder die neuesten Sneakers.

Mehr noch: Designen lassen sich auch «Dinge», die man mit Händen nicht fassen kann, demokratische Teilhabe etwa, menschliche Beziehungen und Gesellschaftsformen. Wie wir miteinander interagieren und politisch partizipieren, wird auch von Design gelenkt. Design beeinflusst – gestaltet – unser Zusammenleben.

Ein Projekt, das verbindet

Unter dieser Prämisse reichen sich Jürgen Feigel und Prof. Dr. Jan Eckert den Ellbogen für ein gemeinsames Projekt. Feigel, Leiter Bereich Gesellschaft bei der Gemeinde Emmen, und Eckert, Leiter der Masterstudiengänge in Design, Service Design und Digital Ideation an der Hochschule Luzern – Design & Kunst, sind die Köpfe hinter dem diesjährigen «Connect», einem jährlich stattfindenden Lehrformat an der HSLU, bei dem sich Design-Studierende während zweier Monate mit einer von externen Partnern eingebrachten Thematik auseinandersetzen.

«Das Projekt bietet den Jugendlichen eine Plattform, um verantwortungsvolles Handeln zu üben und sich innerhalb der Gesellschaft als politisch mündige Bürger zu positionieren.»


Jürgen Feigel, Leiter Bereich Gesellschaft Gemeinde Emmen

Der Bereich Gesellschaft der Gemeinde Emmen und die Volksschule Gersag übernehmen heuer den Part des externen Partners. Die Aufgabenstellung: partizipative Gestaltung öffentlicher Räume durch Emmer Jugendliche. «Es geht um Mitsprache und Mitgestaltung», präzisiert Feigel. «Den Jugendlichen soll die Möglichkeit geboten werden, Freiräume gemäss ihren Bedürfnissen selbst zu gestalten.»

Unterstützung erhalten sie dabei von den Design-Studierenden. «Sie werden Partizipationsmöglichkeiten erkunden, die entsprechenden Prozesse gestalten und unter realen Bedingungen zusammen mit den Emmer Jugendlichen in einem Projekt anwenden», erklärt Studiengangleiter Eckert. Der Sinn dahinter: «to connect», also Verbindungen nach ausserhalb der Hochschule knüpfen, und so als künftiger Designer Erfahrungen sammeln in der Zusammenarbeit mit Leuten, die nicht aus dem gestalterischen Bereich kommen.

Soziales Design und politische Jugend

Für die Studierenden sei dies unerlässlich, gerade weil sich Design in den vergangenen Jahrzehnten markant in die entsprechende Richtung entwickelt habe. «Heute geht es deutlich stärker darum, möglichst viele Menschen in gestalterische Prozesse einzubeziehen, insbesondere weil die Probleme komplexer geworden sind», erklärt Eckert. Während sich die Komplexität bei der Produktion eines Stuhls zum Beispiel in Grenzen hält und in einem vergleichsweise kleinen Team gemeistert werden kann, tun sich bei Fragen nach der Gestaltung unseres Zusammenlebens ganz andere Dimensionen auf.

Architekten, Designer, Psychologen, Stadtplaner, Bevölkerung: «Wenn wir gemeinsam mit Jugendlichen die Parameter für neue Interaktionsmöglichkeiten im öffentlichen Raum ausarbeiten, dann bewegen wir uns entlang von Fragestellungen, die man nicht zu zweit oder dritt diskutieren kann», betont der Designwissenschaftler. Die Zunahme der sozialen Komponente von Design kommt mit neuen Herausforderungen, denen Eckert im Projekt «Connect» begegnen möchte.

Jürgen Feigel seinerseits hält fest, dass den Emmer Jugendlichen durch die aktive Mitgestaltung des öffentlichen Raums zugleich vermittelt wird, was demokratische Beteiligung heisst. «Das Projekt bietet ihnen eine Plattform, um verantwortungsvolles Handeln zu üben und sich innerhalb der Gesellschaft als politisch mündige Bürger zu positionieren. Sie lernen das Mit- und Nebeneinander im öffentlichen Raum, was sowohl die Eigenverantwortung als auch den Respekt vor anderen festigt.»

Die Köpfe hinter dem diesjährigen «Connect»-Projekt: Prof. Dr. Jan Eckert (l.), Leiter der Masterstudiengänge in Design, Service Design und Digital Ideation, und Jürgen Feigel, Leiter Bereich Gesellschaft. (Bild: pbu)

Projekt wird der Öffentlichkeit übergeben

Was effektiv aus dem Ende September 2020 gestarteten Projekt «Connect» entsteht, wird spätestens am 25. November 2020 klar. Dann nämlich wird das Projekt im Rahmen eines Abschlussevents auf dem Areal NF49 am Seetalplatz der Öffentlichkeit präsentiert und übergeben.

Derweil sprechen Feigel und Eckert bereits heute von einem Erfolg. Der eine, weil es ihm ein Anliegen ist, diese Generation ernst zu nehmen und den Jugendlichen partizipative Möglichkeiten zu bieten. Der andere, weil er anhand einer praxisorientierten Fragestellung die Bedeutsamkeit der sozialen Komponente von Design in Form der Gestaltung von Prozessen und Interaktionen vermittelt haben möchte. Das Projekt «Connect» leistet beides.

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