Betagtenzentren Emmen

Auf den Spuren von engagierten Freiwilligen


In einer Welt, in der sich Individualismus und Eigennützigkeit immer tiefer in der Gesellschaft festsetzen, ist das Konzept der Freiwilligenarbeit erklärungswürdig. Freiwillige engagieren sich ohne Zwang und Druck, ohne monetären Lohn, ohne Chef, der Leistungen kontrolliert. Sie wirken aus Überzeugung, «dass man etwas für die Gemeinschaft tun sollte», wie es Johanna Steger formuliert.

Autor: BZE AG

Im September organisierte die Aktivierung der BZE AG mit Unterstützung von Freiwilligen im Alp Betagtenzentrum eine Bewohner-Chilbi, die für Spass und Abwechslung sorgte. (Bild: Stefan Weiss)

Oft ist das Motiv, etwas Sinnvolles zu tun, zum Beispiel nach der Pensionierung, oder die Absicht, Menschen konkret und praktisch zu helfen. Ganz ohne materielle Gegenleistung? Das mag sich so mancher Vertreter unserer Zeit fragen. Doch was nicht physisch greifbar ist, ist metaphysisch nicht minder vorhanden. Die Freude der Betagten über einen Besuch, die Dankbarkeit der Pflegenden für die Unterstützung, die Anerkennung der Institution für den unbezahlbaren und kostbaren Einsatz der Freiwilligen stiftet Erfüllung auf eine Art, wie es materielle Güter kaum vermögen.

Mit einer Lieblingsaktivität Zeit schenken

Johanna Steger ist etwas über 70 und in der Gemeinde Emmen verankert. Einen Teil ihrer Zeit verbringt sie mit ihrem Mann auf einer spanischen Insel. Wenn sie in der Schweiz ist, engagiert sie sich freiwillig musikalisch in der Betagtenzentren Emmen AG (BZE AG). Vor über 20 Jahren hat sie mit ihrem wertvollen Engagement begonnen. Mittlerweile leitet sie die Singgruppe – ein regelmässiges Freiwilligenprogramm, das wöchentlich in beiden Betagtenzentren der BZE AG stattfindet. Ein eigenes Singbuch hat sie für das Musizieren mit den Betagten kreiert, mit grossgedruckten Texten. Nach ihrer Motivation für dieses Freiwilligenengagement gefragt, antwortet sie: «Etwas mit jemandem teilen, was man selber gerne macht.»

Eine Stunde lang singen sie und weitere Freiwillige zusammen mit bis zu 50 Bewohnenden in der Empfangshalle des Emmenfeld Betagtenzentrums und im Saal des Alp Betagtenzentrums. «Gute Laune wollen wir verbreiten, aber auch Emotionen freisetzen», so Johanna Steger. Die Lieder, wie «Am Himmel staht es Stärnli», «Yellow Submarine» oder «Bella Ciao» werden mit Gitarre oder Klavier begleitet. «Es geht nicht um die Schönheit des Gesangs, sondern um die Stimmung, die entsteht. Wir streben nicht nach Perfektion, aber mitunter klingt es sehr schön», erzählt Johanna Steger stolz.

Johanna Steger (mit Gitarre) mit einem Teil der Singgruppe Emmenfeld. (Bild: Brigitte Senn)

Vor allem Bewohnende mit einer demenziellen Erkrankung sind besonders empfänglich für Musik. Gesang ist ein hilfreiches Mittel, zu Menschen durchzudringen, die eingeschränkt kommunizieren können. Die Freude auf beiden Seiten ist entsprechend gross.

Gruppenaktivität oder Einzelregie

Neben verschiedenen Gruppierungen (zum Beispiel Singen und Jassen) finden aber auch zahlreiche Einzelpersonen als freiwillige Helfende ihren Weg zur BZE AG. So z.B. Markus Lombardo, der Bewohnende mit seinem Therapie-Golden-Retriever Navajo besucht. Wieder andere der über 100 Freiwilligen gehen spazieren, lesen vor und führen Gespräche, helfen bei Besorgungen oder organisieren Bewohnergeburtstage. Jede und jeder darf einbringen, was ihm/ihr liegt, Zwänge soll es keine geben. Gemeinsamer Austausch sowie gesellige Treffen sorgen auch innerhalb der Freiwilligen für Kontakte und sollen ein Gemeinschaftsgefühl stiften.

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