Ein Frauenduo skizziert Emmens Zukunft

Mit Ramona Gut und Marta Eschmann stehen erstmals zwei Frauen an Emmens politischer Spitze. Trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit und eines Altersunterschieds von über zwei Jahrzehnten weisen die beiden einige Parallelen auf – und sie wissen genau, in welche Richtung sie den Gemeindekahn steuern möchten.

Marineblaue Jacken auf weissem Grund, dunkle Hosen und je eine schwarze Handtasche. Fast könnte der Verdacht aufkommen, die beiden hätten sich abgesprochen – zumindest, was das modische Erscheinungsbild betrifft. Einzig die Pünktchen machen den Unterschied. Am Ende ist das gewiss nicht mehr als ein netter Zufall. Und doch bietet diese vermeintliche textile Verbundenheit zwischen Ramona Gut und Marta Eschmann einen willkommenen Einstieg in eine Geschichte, die in Emmen in dieser Form noch nicht erzählt wurde.


In Wahrheit haben Eschmann und Gut nämlich viel mehr gemein, als ähnliche modische Präferenzen. Allem voran neue politische Führungsfunktionen: Erst kürzlich wurde Marta Eschmann zur Einwohnerratspräsidentin gewählt und seit wenigen Tagen erst bekleidet Ramona Gut das Amt der Gemeindepräsidentin. Die beiden bilden somit aktuell Emmens politische Spitze. Erstmals in der Geschichte der Gemeinde werden die Legislative und Exekutive zeitgleich von Frauen geführt.

«Wir werden uns bemühen, so einiges zu bewirken.»
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Marta Eschmann

Geschlecht ist Nebensache

«Sehr toll für Emmen», sagt Marta Eschmann zu dieser Politkonstellation, «ein schöner Zufall», meint Ramona Gut, die sich gleichfalls stolz zeigt, Emmen als erste Gemeindepräsidentin vorstehen zu dürfen. Allzu viel Aufhebens um die feminine Politspitze machen die beiden indes nicht. Dass das Parlament von einer Frau geführt wird, ist aufgrund der Neubesetzung des Amtvorsitzes im jährlichen Turnus ohnehin kein Novum. Und Gemeindepräsidentin Gut betont, dass sie nicht aufgrund ihres Geschlechts gewählt werden möchte: «Qualifikation und Fähigkeit sind wichtiger», hält die 37-jährige FDP-Politikerin fest.


Von Frauenquoten hält sie deshalb partout nichts. Marta Eschmann erwähnt: «Massgeblich ist letztlich die Persönlichkeit», konstatiert die 59-Jährige, die seit über zehn Jahren für die CVP im Einwohnerrat politisiert. «Ob Mann oder Frau spielt keine Rolle. Wichtiger ist, dass wir für Emmen einstehen.» Lächelnd und mit einem Seitenblick auf ihre ehemalige Ratskollegin fügt sie an: «Wir werden uns jedenfalls bemühen, so einiges zu bewirken.»

Emmen ist mehr, als es scheint

Ramona Gut nickt zustimmend. Auch in der politischen Stossrichtung weisen die beiden Parallelen auf. Unisono halten Eschmann und Gut fest, dass sich die Gemeinde Emmen über die vergangenen Jahre qualitativ merklich zum Positiven entwickelt habe. «Eines meiner zentralen Anliegen ist es, die Qualität von Emmen weiter zu stärken und die bestehende Attraktivität und Vielfältigkeit vermehrt über die Gemeindegrenzen hinauszutragen», sagt Ramona Gut.


Die Diskrepanz zwischen der Aussenwahrnehmung und der tatsächlichen Befindlichkeit der Gemeinde Emmen konnte in den Augen der Gemeindepräsidentin zuletzt enorm verringert werden. «Emmen wird nicht mehr so negativ wahrgenommen wie auch schon», bemerkt Gut. «Gleichzeitig hat die Gemeinde noch viel mehr zu bieten, was ich noch stärker nach aussen tragen möchte.»


Ähnlich äussert sich Marta Eschmann, die sich mehr Selbstbewusstsein aus der Bevölkerung erhofft: «Emmen sollte gesellschaftspolitischer näher zusammenrücken und als ein geeintes Emmen auftreten», wünscht sich die Einwohnerratspräsidentin. Ein vereintes und selbstsicheres Emmen, statt ein Östlich und Westlich der Autobahn. «6020 Emmen» lautet ihre Vision einer von der Bevölkerung gelebten Symbiose aus dem ländlich-dörflichen Emmen und dem urbanen Emmenbrücke. Zwei Ortsteile, die zusammenwachsen: «Emmen verzichtet auf die Postleitzahl und Emmenbrücke profitiert von der Vereinfachung des Ortsnamens», lautet die Gleichung der CVP-Politikerin.

«Eine autofreie Gerliswilstrasse wäre ein absolutes Privileg.»
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Marta Eschmann

Mit dem Vater auf Wahlkampftour

Die beiden Frauen wurden bereits in jungen Jahren politisiert, die eine in einem liberalen, die andere in einem CVP-Haus. Ramona Guts Vater war aktiver FDP-Politiker, der seine Tochter mit an Parteiversammlungen und Wahlkampfveranstaltungen nahm. Der Parteieintritt wurde so quasi zur reinen Formsache. Die Kandidatur für den Einwohnerrat 2012 habe sie sich jedoch lange und gut überlegt: «Das zeichnet mein Naturell aus», erklärt Gut. «Wenn ich einer Sache zusage, dann setze ich mich voll dafür ein. Dazu muss ich mir zu 100 Prozent sicher sein.»


Dasselbe gelte für ihre Wahl zur Gemeindepräsidentin, worauf Gut nicht entlang eines Masterplans hingearbeitet habe. «Die Chance hat sich ergeben und ich habe sie gepackt», sagt die zweifache Mutter nonchalant, deren erklärtes Ziel es sei, sich zügig einzuarbeiten, um rasch aktiv ihren Teil im Exekutiv-Gremium beizutragen. Aufmerksam sein und Anliegen ernst nehmen, lautet ihre Devise, die sie mit einem guten Schuss Offenheit für neue Ideen anzureichern verspricht.

Via Quartierverein in die Politik

Marta Eschmann, die sich selbst als «Politikerin der Mitte» bezeichnet, setzte sich früh für das gesellschaftliche Zusammenleben ein. «Wir alle sind Teil der Gemeinde. Und wir alle können dazu beitragen, dass die Gemeinde gut funktioniert», sagt die gebürtige Ruswilerin, die seit nunmehr 38 Jahren in Emmen zuhause ist und hier zusammen mit ihrem Ehemann das Familienunternehmen Eschmann Pflanzen führt.


Während 15 Jahren war Eschmann im Vorstand der Dorfgemeinschaft Emmen tätig, eine Zeit, in der sie erkannt habe, wie viel jede und jeder Einzelne mitgestalten und bewirken kann. Eines Tages kam die Anfrage der CVP. Seit 2008 sitzt die dreifache Mutter und Geschäftsfrau im Emmer Parlament, kandidierte seither als Gemeinderätin und für den Kantonsrat. «Ich hatte politische Ambitionen», sagt Eschmann rückblickend, «und erzielte sehr gute Wahlresultate.»

«Emmen wird nicht mehr so negativ wahrgenommen wie auch schon.»
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Ramona Gut

Grüne Oasen und ein lebendiges Zentrum

Marta Eschmanns jobbedingte grüne Ader blickt derweil immer wieder durch. So schwärmt sie für die Naherholungsgebiete, bezeichnet die Kleine Emme und die Reuss als echte Standortvorteile und wünscht sich mehr Parkanlagen. «Die Gemeinde verschönern», stehe weit oben auf ihrer To-do-Liste. Und: attraktive Mobilitätslösungen, gerade für den Langsamverkehr. «Eine autofreie Gerliswilstrasse wäre ein absolutes Privileg und würde enorm viel Lebensqualität schaffen», ist Eschmann überzeugt.


Ramona Gut ihrerseits ortet viel Potential rund um den Seetalplatz und spricht dem Areal Viscosistadt solide Chancen zu, sich zum Treffpunkt der gesamten Emmer Bevölkerung zu entwickeln. Tramhüsli und Nylon 7 deutet sie als erste Vorboten, die die Entstehung eines lebendigen Zentrums deutlich ankündeten. «Gesellschaftlich», sagt sie, «geht es Emmen sehr gut. Die Gemeinde profitiert vom regen Vereinsleben ebenso wie vom breiten kulturellen und sportlichen Angebot.»


Falscher Fokus

Die grösste Herausforderung sehen Gut und Eschmann gleichermassen in Emmens finanzieller Gesundung. Für das Wohlbefinden in der Gemeinde, betont Eschmann, sei dies massgeblich. Nur wenn die Finanzen auf einem soliden Fundament stehen, können gezielte Investitionen zur Erhaltung der Qualität getätigt werden, sind sich die beiden einig.


Zugleich, fügt Ramona Gut an, sei es schade, dass primär finanzielle Probleme im öffentlichen Interesse stehen. Letztlich sei das Zwischenmenschliche deutlich wichtiger als die Finanzen. «Viel schlimmer wäre Emmen dran, wenn es zwischenmenschlich nicht funktionieren würde. Das ist zum Glück definitiv nicht der Fall.»


Autor: Philipp Bucher

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Marta Eschmann


Persönliches

verheitratet, 3 erwachsene Söhne

seit 1981 in Emmen wohnhaft

Hobbies: Natur, Fachliterautur, Wandern, Biken, Skifahren

Politik

Einwohnerrat Emmen seit 2008

Einwohnerratspräsidentin 2019/2020

Präsidentin CVP Emmen 2015 bis 2019

Ramona Gut


Persönliches

verheitratet, 2 Kinder

Jahrgang 1982

Hobbies: Haus und Garten, Velofahren

Politik

Gemeindepräsidentin ab 2019

Einwohnerrätin 2012 bis 2019

Bildungskommission 2013 bis 2016