Kopf des Monats

Josef «Seppi» Marti


Pumppark Ranger im Pumppark Emmen

Autorin: Sina Staubli

«Kürzlich habe ich eine Woche lang einen neuen Kiesweg gebaut. Es staunten alle. Aber ich sage jeweils: ‹Ich bin ja erst 19 Jahre alt.› Ich drehe einfach mein Alter um. Deshalb geht es.» Seppi Marti, Pumppark Ranger im Pumppark Emmen. (Bild: sst)

Schon immer war Seppi Marti sehr interessiert am Projekt Pumppark Emmen. Seit der Eröffnung Ende September 2021 ist er fast Tag und Nacht dort anzutreffen. Er sorgt für Ordnung und Sicherheit, kümmert sich um den Garten sowie sämtliche Umgebungsarbeiten. Der Pensionierte engagiert sich auch beim Themenspielplatz, hämmert und spielt mit den Kindern – die ihn am liebsten gar nicht mehr gehen lassen.

Ursprünglich kommt Seppi Marti von den Urner Eggbergen – er ist auf 1800 Metern über Meer geboren worden. Als er kaum drei Jahre alt war, ist sein Vater verstorben. Er und seine zehn Geschwister wurden alle zu Verdingkindern. Den grössten Teil seiner Kindheit hat Seppi Marti in einem Heim verbracht. Mit 21 Jahren hat er das erste Mal seine Mutter kennengelernt und im gleichen Jahr auch seine Frau. «Beziehungsweise wusste ich damals noch nicht, dass es meine Frau wird», ergänzt der 91-Jährige lachend. Dennoch sei schon früh klar gewesen, dass die beiden zusammengehörten: «Sie ist eine ausgezeichnete Frau, es gibt keine zweite.» Die beiden hatten fünf gemeinsame Kinder, drei davon sind früh verstorben.

Nach dem Tod seiner Frau im Dezember 2020 suchte Seppi Marti nach einer Beschäftigung. Bei seiner Arbeit auf dem Pumppark schaue sie vom Himmel aus gut zu ihm: «Ich habe das Gefühl, sie ist immer dabei. Es ist einfach alles nur geistig.»

Sie sind Pumppark Ranger des kürzlich eröffneten Pumpparks in Emmen. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Ich war von Anfang an beim Projekt Pumppark dabei – seit dem Aushub. Ich habe mich schon immer für den Pumppark interessiert und gesagt, dass ich gerne Rasenmähen oder sonst irgendetwas helfen würde. Plötzlich bin ich angefragt worden. Und ich habe zu diesem Zeitpunkt tatsächlich Arbeit gesucht. So habe ich sofort zugesagt. Meine Frau ist im Dezember 2020 verstorben, deshalb bin ich nun alleine und habe viel Zeit. Wir waren 68 Jahre verheiratet und ich vermisse sie sehr.

«Ich bin Hobbygärtner und habe vor der Pensionierung in sieben Berufen gearbeitet. Angefangen habe ich als Sanitär, dann war ich Elektriker, Plattenleger und Maurer.»


Josef «Seppi» Marti

Was haben Sie gemacht, bevor Sie Pumppark Ranger wurden?

Ich bin Hobbygärtner und habe vor der Pensionierung in sieben Berufen gearbeitet. Angefangen habe ich als Sanitär, dann war ich Elektriker, Plattenleger und Maurer. Auf dem Bau war ich ebenfalls vier Jahre lang tätig. Danach arbeitete ich 20 Jahre lang als Ambulanzfahrer sowie im technischen Dienst beim Kantonsspital in Obwalden. Und ich habe schon mein halbes Leben lang Pfadfindergruppen geleitet. Jetzt bin ich schon bald über 25 Jahre lang pensioniert. Seit der Pensionierung habe ich zu Gärten von anderen geschaut. Und ich habe viele Kolleginnen und Kollegen, die zu mir kommen, wenn der Wasserhahn tropft oder eine Tür kaputt ist.

Wieso braucht es einen Ranger auf dem Pumppark?

Der Ranger muss für Ordnung sorgen. Er schaut, dass alle einen Helm tragen. Und dass die Eltern das Plakat mit den Regeln lesen. Für diese Aufgaben bin ich da.

Welche weiteren Aufgaben haben Sie?

Mir spielt es keine Rolle, was ich mache. Ich muss einfach etwas machen. Ich brauche Arbeit und mache alles gerne. Hauptsächlich bin ich aber am Gärtnern. Beim Pumppark putze ich jeden Morgen das Laub weg. Tagsüber bin ich Aufseher – ich schaue also, dass keine Flaschen und kein Abfall auf dem Boden liegen. Wichtig ist, dass ich auf dem Pumppark mein Pumppark-Cap trage. Es kennen mich noch nicht alle und mit dem Pumppark-Cap wissen sie, dass ich hier arbeite.

«Place to be» für alle Rollsportbegeisterten

Der brandneue Pumppark lädt zum Rollen ein – ob auf dem Bike, BMX, Skateboards, Scooters oder Inline-Skates. Treffe dort Seppi Marti in Action. Gleich neben dem Pumppark ist der Themenspielplatz Emmen mit dem Hämmerplatz zu finden, wo sich Ranger Seppi ebenfalls engagiert.

Was gefällt Ihnen besonders an der Arbeit?

Alles. Heute Morgen habe ich Steine hochgetragen und nächste Woche bauen wir Treppen bis zum Zelt herunter. Ich bin täglich hier. Es ist ein wunderschönes Erlebnis. So etwas Schönes hätte ich mir nie vorstellen können. Früher sagten sie mir in der Gegend nur «Grüezi», heute bin ich als Seppi bekannt. Es ist so schön, dies zu erleben. Es ist, als würde ich zu dieser Familie gehören. Ich wüsste nicht, was ich machen würde, wenn ich den Pumppark nicht hätte.

Was sind Ihre Einsatzzeiten auf dem Pumppark?

Je nachdem arbeite ich zwischen acht und zehn Stunden, auch am Wochenende. Ich komme bei jedem Wetter und ziehe mich dem Wetter entsprechend an. Wenn es stark regnet, ist es nicht so interessant. Ausser ich habe zum Beispiel Werkzeuge zum Reparieren oder zum Reinigen, dann mache ich das.

Was machen Sie, wenn Sie nicht im Pumppark arbeiten?

Ich gehe viel in Altersheimen Freunde und Bekannte besuchen und bringe ihnen Blumen mit. Ich kenne viele Menschen, die bereits über 80 Jahre alt sind.

«Hier bin ich herzlich willkommen. Die Kinder lassen mich manchmal kaum mehr gehen.»


Josef «Seppi» Marti

Beim Pumppark sind Sie von vielen Kindern umgeben. Ist das nicht anstrengend?

Nein, die Kinder sind unglaublich hilfsbereit. Sie helfen mir beim Putzen und allem Möglichen. Ich muss gar nichts sagen, sie kommen von sich aus auf mich zu. Hier bin ich herzlich willkommen. Die Kinder lassen mich manchmal kaum mehr gehen.

Welche Rückmeldungen haben Sie bisher erhalten?

Bis jetzt war alles positiv, ausser letzte Woche. Ich hatte mein Pumppark-Cap vergessen anzuziehen. So wussten zwei Besuchende nicht, dass ich hier arbeite. Sonst ist aber alles superschön.

Wie halten Sie sich fit für die Arbeit als Pumppark Ranger?

Keine Ahnung. Ich weiss es nicht. Mit 19 sollte man das ja schon noch schaffen (schmunzelt). Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich bin sehr gläubig – das hilft alles beim Fitbleiben. Und ich laufe viel. Ich arbeite viel. Ich muss arbeiten, ich kann gar nicht anders. Ich kann nicht in die Ferien. Das geht nicht, ich kann nicht «pläuschlen». Zudem bin ich kein Schwimmer, so sagen mir Standferien nicht viel. Ich muss einfach etwas werken können, dann bin ich zufrieden. Das alles hält mich fit.

Was waren die schönsten Momente, die Sie als Pumppark Ranger erlebt haben?

Dass ich willkommen bin. Ich weiss nicht, wie ich dies sagen soll. Alle möchten mit mir arbeiten und spielen. Die Kinder sind fast wie meine eigenen Kinder. Es macht grossen Spass hier.

Welche Projekte stehen als nächstes an?

Ich möchte gerne ein Eingangs- und Ausgangsschild konstruieren, damit man weiss, wo der Eingang ist und wo der Ausgang. Und am 6. November 2021, an meinem Geburtstag, pflanzen wir alle zusammen einen Baum. Ansonsten möchte ich einfach, dass es so bleibt. Dass ich wie immer mit den Kindern im Zelt Zmittag essen kann, dass wir zusammen bräteln usw.

«Ich arbeite viel. Ich muss arbeiten, ich kann gar nicht anders. Ich kann nicht in die Ferien. Das geht nicht, ich kann nicht ‹pläuschlen›. Zudem bin ich kein Schwimmer, so sagen mir Strandferien nicht viel. Ich muss einfach etwas werken können, dann bin ich zufrieden. Das alles hält mich fit.»


Josef «Seppi» Marti

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