Kunstplattform akku

Auf breiten Pfaden in Richtung Zukunft


Ein mannigfaltiger Angebotsmix soll es richten. Der Gemeinderat skizziert dem Parlament die Zukunftsvision einer finanziell stabilisierten und lebendigen Kunstplattform akku – getragen von Bewährtem, durch viel Neues beflügelt. Eine wichtige Hürde muss allerdings noch genommen werden.

Autor: Philipp Bucher

Das akku soll Kunstplattform bleiben, das Angebot während und zwischen den Ausstellungen aber deutlich ausgeweitet werden. (Bild: pbu)

Poetry Slams, Konzerte, virtuelle Events, Theater, Kongresse, Lesungen, Hochzeitsfeiern, Werk- und Kunstausstellungen: Das Konzept für die Neuausrichtung der Kunstplattform akku kommt mit einer reichhaltigen Angebotspalette und gleichfalls mit weit nach neuen Kooperationspartnern ausgestreckten Fühlern daher. Viele neue Ideen und Perspektiven türmen sich auf dem Fundament aus Altbewährtem, um positiv auf Reputation und Wirtschaftlichkeit des «anderen Kunst- und Kulturunternehmens» – kurz: akku – abzufärben.

Institution auf wackligen Beinen

In Letzterem liegt denn auch der Hase im Pfeffer. Die Emmer Kunst- und Kulturinstitution ist wegen finanzieller Probleme nämlich zuletzt arg ins Wanken geraten. Mit der bisherigen Positionierung drohte der baldige Kollaps. Also zog der Stiftungsrat die Notbremse, verordnete dem akku für 2020 und 2021 ein Sparprogramm und setzte eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe ein, die den in Schieflage gekippten Kahn wieder aufrichten, neu justieren und in ruhige Gewässer lotsen sollte.

«Grundsätzlich standen dabei alle Optionen offen», sagt Gemeinderat Brahim Aakti, der als Direktor Schule und Kultur von Amtes wegen Mitglied des akku-Stiftungsrates ist und zugleich die Arbeitsgruppe zur akku-Rettung leitet. «Von einer radikalen Neuausrichtung über einen Standortwechsel bis hin zur Schliessung der Kunstplattform wurden alle Möglichkeiten analysiert und diskutiert», resümiert Aakti den im Sommer 2019 lancierten Neukonzeptionierungs-Prozess.

Nun liegt der Fahrplan vor, der vor allem in eine Richtung weist: Öffnung. Dies sowohl bezogen auf das Angebot als auch hinsichtlich neuer und intensivierter Partnerschaften mit Bildungs- und Kulturinstitutionen in der Region – darunter die Hochschule Luzern – Design & Kunst, das Kinderatelier, das Tramhüsli und die Spinnerei.

image

Bewährtes trifft auf Neues

Das Herzstück von akku bleiben derweil die vielfach gerühmten Kunstausstellungen. «Im Rahmen der Kunst- und Kulturförderung ist es für die Gemeinde Emmen wichtig, dass regionaler und lokaler Kunst eine Plattform geboten wird», hält der Gemeinderat fest und würdigt das akku als die wichtigste Plattform für die Emmer Kunstszene: «Erst durch die Stiftung akku Emmen haben Emmer Kunstschaffende oder künstlerische Arbeiten zu Emmen Publizität erhalten.» Das soll auch in Zukunft so bleiben.

Ändern – und das meint hier vor allem ausweiten – hingegen soll sich das ergänzende Angebot während und zwischen dem Ausstellungsbetrieb. Brahim Aakti spricht von zusätzlichen Geschäftsfeldern, die den bestehenden Kunstbetrieb um einen Kulturraum akku bereichern sollen: kulturelle Anlässe (Lesungen, Performances, Konzerte usw.), Webinare (virtuelle und hybride Events), Hochzeiten. Der Zweck dahinter: akku beleben und bekannter machen. Oder als Gleichung: Mit der ausgedehnten Nutzung des Raumes steigen Wahrnehmung und Anerkennung und damit die Chancen auf einen höheren Eigenfinanzierungsgrad.

Die Mixtur aus Erprobtem und Neuem wird derweil auch über die Organisationsstruktur geträufelt. Für die strategische Führung soll weiterhin ein (neu besetzter) Stiftungsrat verantwortlich sein, während neu eine Kulturmanagerin für die Geschäftsführung geplant ist, die operativ eng mit Gastkuratoren zusammenarbeitet.

«Erst durch die Stiftung akku Emmen haben Emmer Kunstschaffende oder künstlerische Arbeiten zu Emmen Publizität erhalten.»


Brahim Aakti, Direktor Schule und Kultur

Wie viel Wert hat Kultur?

Es bleibt die Frage nach der Finanzierung. Fest steht: Um diese langfristig sicherzustellen, sind Beiträge der öffentlichen Hand weiterhin unabdingbar. Daran ändern die in Aussicht gestellten Kostenreduktionen und Mehreinnahmen nichts. Wesentlicher Bestandteil des Konzepts für die akku-Neuausrichtung ist deshalb der Antrag des Gemeinderates auf Verlängerung der Leistungsvereinbarung zwischen der Gemeinde und der Stiftung akku Emmen, über die der Einwohnerrat am 23. März 2021 in erster Lesung befindet. Konkret geht es um 500 000 Franken für eine Laufzeit von vier Jahren (2022 bis 2025). Macht 125 000 Franken pro Jahr.

Für den Gemeinderat ein angemessener Betrag. Der Kulturbereich stelle einen wichtigen Pfeiler des gesellschaftlichen Lebens und des Gemeindemarketings dar. «Zum Selbstverständnis einer selbstbewussten Gemeinde mit eigenem Profil gehört auch ein Kulturangebot, das sich nicht nur auf die Zentrumsstadt Luzern abstützt», betont die Exekutive. Und: «Trotz knapper finanzieller Verhältnisse gilt es, Strukturen, welche für die Attraktivität einer urbanen Gemeinde wichtig sind, zu erhalten.»

Ein zweites akku jedenfalls hat Emmen nicht. Fällt das eine weg, würde dies das (sozio-)kulturelle Angebot der Gemeinde merklich ausdünnen. Der Ball liegt nun beim Einwohnerrat, der mit seinem Entscheid letztlich auch darüber befindet, welcher Stellenwert Kunst und Kultur in der Gemeinde Emmen künftig zugesprochen wird.

Gefällt Ihnen dieser Artikel? Teilen Sie ihn mit Freunden: