Kopf des Monats

Robert Meier


Grafiker und Kinderbuchautor

Autorin: Riccarda Rauter

Mit seinem Herzensprojekt «Die goldene Feder» hat Robert Meier einen Wunsch wahr werden lassen. (Bild: zvg)

Schon als kleiner Junge hat ihn der Orient begeistert – eine fremde Kultur mit ganz eigenen faszinierenden Kunsthandwerken. Nun hat Robert Meier seine Gedanken und Ideen in ein Kinderbuch gefasst. Wie es zum Projekt «Die goldene Feder» gekommen ist und was den Grafiker inspiriert, verrät er uns im Interview.

Sie sind eine kreative Persönlichkeit, was entsteht durch Ihr kreatives Schaffen?

Bisher war mein Leben auf die Arbeit als Grafiker konzentriert. Das war meine kreative Arbeit. In meiner Freizeit habe ich die Begeisterung für Kinderbücher entdeckt. Das zweite ist gerade am Entstehen und das sind meine Herzensprojekte. Neben den beiden Büchern stelle ich Holzfiguren und kleine Tonvögel her. Diese verkaufe ich im Spektrumstore in Luzern, einem kleinen Künstlerladen. Das ist ein Geschäft für lokale Kunst & Handwerk. Was sonst noch so entsteht, ist offen. Ich habe immer einige Ideen im Kopf.

Was ist Ihre Leidenschaft als Grafiker?

Ich gestalte sehr gerne Plakate. Ich mag es, eine weisse Fläche vor mir zu haben, welche ich gestalten kann. Das Zweidimensionale spricht mich einfach an. Logo-Kreation im kleinen Bereich ist ebenfalls etwas, das mir sehr zusagt. Ganz besonders gefällt mir daran die Detailarbeit, etwas intensiv auszuarbeiten.

Einige Beispiele aus dem Portfolio von Robert Meier, welche uns sicher auch schon im Alltag begegnet sind.

Welchen Bezug haben Sie zur Gemeinde Emmen?

Ich habe in Emmen bei der Druckerei beagdruck gearbeitet. Mit einem langjährigen Kollegen habe ich eine Kreativabteilung aufgebaut. Daraus entstand später die Design- und Kommunikationsagentur hellermeier GmbH. Bis 2010 waren wir Teil von beagdruck, haben uns aber anschliessend selbstständig gemacht. Dort war ich die letzten zehn Jahre als Grafiker tätig.

Einige Menschen behaupten, Emmen sei ein Ghetto. Ich sehe das nicht so. Emmen ist für mich eine multikulturelle Vorstadt. Mir gefällt diese Vielfalt, ebenso wie die Geschichte der Gemeinde mit ihrer industriellen Vergangenheit.

Woher kommen Ihre Ideen?

Meine Ideen entstehen durch Begegnungen, bei denen ich etwas aufgreifen kann. Ich brauche einen Anstoss, damit etwas entsteht. Ich arbeite nicht konzeptionell. Manchmal trage ich aber auch Ideen jahrelang in mir, bis ich sie dann endlich verwirklichen kann. So ging es mir mit dem Buch «Die goldene Feder». Das Wort «Isfahan» schwirrt schon seit geraumer Zeit in mir. Nun hat dieser Gedanke in meinem Kopf Form angenommen.

ROME Allerlei

Nach seiner Ausbildung als Buchdrucker & Offsetdrucker hat sich Robert Meier auch als Typografischer Gestalter weitergebildet. Unter dem Namen ROME erstellt der Grafiker diverse kreativen Arbeiten.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Mir ist es wichtig, dass ich eine breite Sicht auf die Gesellschaft habe. Ich möchte kritisch sein und Dinge auch hinterfragen und verstehen können. Verschiedene Blickwinkel zu haben ist wichtig und eröffnet Perspektiven.

Ihr erstes Buch heisst «Randa’s Erdbeermeer» und handelt von einem kleinen Mädchen auf einer Traumreise durch Nordafrika. Was hat Sie zu diesem Projekt inspiriert?

Dieses Projekt entstand, als meine Frau verstorben ist. Ich wollte damals für meine noch kleinen Töchter etwas persönliches schaffen, als Erinnerung. Die Geschichte ist durch unsere gemeinsame Patentochter in Kairo inspiriert. Dieses Buch ist, nebst vielen anderen Sachen, ein Teil meiner Verarbeitung ihres frühen Todes und hat mir damals geholfen Halt zu finden.

Sie schreiben aktuell an einem weiteren Kinderbuch. Was hat Sie zum Kreieren von Kinderliteratur geführt?

Ich habe meinen Töchtern immer gerne Geschichten erzählt. Das ist mir sehr leicht gefallen. Die Ideen sind mir quasi zugeflogen. Kindergeschichten sprechen eine Sprache, die anzueignen mir leicht fällt. Ich muss dabei kein Ziel verfolgen, ich kann einfach meiner Intention folgen.

«Viele Menschen behaupten, Emmen sei ein Ghetto. Doch ich sehe das nicht so. Emmen ist für mich eine multikulturelle Vorstadt.»


Robert Meier

Was ist das Meisterwerk unter den Kinderbüchern für Sie?

Auf keinen Fall auf meiner Favoritenliste fehlen darf der Schellen-Ursli. Die Zeichnungen von Alois Carigiet sprechen mich sehr an. Ich finde es schön, wenn Kinderbücher einen Realitätsbezug haben und nicht nur rein fiktive Geschichten erzählen.

Die goldene Feder

Ein junger Fasan getraut sich ohne eine goldene Feder nicht zu fliegen. Er macht sich deshalb auf seinem Einrad auf die Reise nach Isfahan, um diese Feder zu suchen. Unterwegs begegnet er dem Uhu Anatol. Gemeinsam gehen beide weiter. Der Falke Zarathus im Bazar von Isfahan kennt das Geheimnis der goldenen Feder. Er begleitet sie in einer Vollmondnacht auf den geheimnisvollen Berg Soffeh.

Eine Geschichte zum Vorlesen, zum Ausmalen oder einfach nur zum Anschauen. Es ist bestens geeignet für das erste Lesealter.

Mit einem Crowdfunding soll die Realisierung dieses Projektes ermöglicht werden. Voraussichtlich wird das Buch Ende April oder Anfangs Mai 2021 veröffentlicht.

Ihr neues Projekt heisst «Die goldene Feder». Das Crowdfunding-Ziel von 3000 Franken für die Realisierung des Buches ist erreicht, trotzdem wurde das Budget nun erhöht. Weshalb?

Ich war sehr überrascht, dass ich mein Ziel so schnell erreicht habe. Ich habe viele positive Reaktionen erhalten und gemerkt, dass auch eine Nachfrage nach meinem ersten Kinderbuch besteht. Mit dem aktuellen Crowdfunding möchte ich nun also nicht nur «Die goldene Feder» veröffentlichen, sondern auch «Randa’s Erdbeermeer».

Wie ist der aktuelle Stand der Produktion?

Das Buch ist so weit fertig. Ich arbeite noch an einigen Details, dann ist das Projekt druckfertig. Dabei arbeite ich mit dem Ehepaar Sadegh und Iran Riadi aus Horgen zusammen. Sie stammen beide aus dem Iran und unterstützen mich inhaltlich.

«Die goldene Feder» erzählt eine Geschichte von einem jungen Fasan auf einer Reise nach Isafahn, weil er nicht traut zu fliegen. Sie scheinen ein Flair für exotische Länder zu haben.

Ich habe mich schon immer für den Orient interessiert und dort bereits einige Länder und Gegenden bereist Die Kunsthandwerke, welche man in einem Basar finden kann, sind faszinierend. Gerade die Kunst mit Ornamenten finde ich etwas Fantastisches. Unsere Gesellschaft ist sehr vielseitig und andere Kulturen sind etwas Reizvolles. Gerade das möchte ich auch in meinen Kinderbüchern vermitteln.

Stecken in Ihren Geschichten Elemente aus Ihrem eigenen Leben und Erfahrungen?

Ja, die Angst des jungen Fasans zu fliegen. Ich habe schon mein Leben lang mit Ängsten zu tun. Das Thema ist automatisch in die Geschichte eingeflossen. Gerade auch, weil ich im letzten Jahr vor grossen persönlichen Herausforderungen stand. Angst ist kein angenehmes Gefühl. Doch ich denke, es geht vielen Menschen gleich. Man steht vor Situationen, in denen man Angst hat. Gerade dann braucht man viel Mut, den nächsten Schritt zu gehen. Und genau das möchte ich auch mit dem jungen Fasan in «Die goldene Feder» zeigen.

«Ich finde es schön, wenn Kinderbücher einen Realitätsbezug haben und nicht nur rein fiktive Geschichten erzählen.»


Robert Meier

Das Buch ist auch ein Ausmalbuch und hat eine eigene Schrift. Was ist Ihr Gedanke dahinter?

Ich möchte ein Kind lange bei meiner Geschichte behalten. Deshalb habe ich quasi ein interaktives Projekt gestaltet. Es soll nicht nur ein Buch mit einer Geschichte sein. Das Buch soll gebraucht werden. Mit der Schrift wollte ich einfach etwas Eigenes haben. Das ganze Projekt soll aus meiner Feder stammen.

Welches waren die grössten Herausforderungen beim Projekt?

Eine Herausforderung war sicher, ein Ende zu finden. Das Schreiben und Illustrieren ist ein laufender Prozess und soll auch gut aufeinander abgestimmt sein. Die Geschichte entwickelt sich ständig weiter. Hier einen Schluss zu finden ist nicht einfach.

Sie haben die Titelseite dieser Emmenmail-Ausgabe gestaltet. Was hat es mit dem Bild auf sich?.

Viele Jahre habe ich in der Emmenweid, inmitten der alten Industriebauten, gearbeitet. Bei eben dieser Arbeit habe ich einmal ein Foto gesehen, welches mich bis heute beeindruckt. Es zeigte den unteren Bereich der Gerliswilstrasse, den Platz, auf dem das Tramhüsli steht. Ein Platz, der so stark belebt war mit dutzenden von Menschen auf der Strasse, vielleicht unterwegs zur Arbeit oder von der Arbeit kommend. Dieses Foto hinterliess mir das Gefühl, dass die Strasse damals den Menschen gehörte – nicht dem Verkehr. Die Szene war eindrücklich und lebendig eingefangen.

Das ist es, was meine Sicht auf Emmenbrücke seither begleitet. Es gibt ein Potenzial für Leben draussen auf der Strasse. Ein Leben, in welchem die Bewohnerinnen und Bewohner ein Zentrum finden, in welchem man flaniert, ein Lädeli besucht, draussen im Café sitzt, den anderen einfach zusieht, an einem Marktstand stehen bleibt.

Die Menschen für eine solche Belebung sind da, viele mittlerweile, und gar aus aller Welt. Viele bestimmt auch mit dem Drang und Ideen zur Mitgestaltung und der verständlichen Hoffnung auf ein besseres Leben. Vielleicht ähnlich der Hoffnung damals in den Aufschwungsjahren auf dem Bild aus den 60er Jahren. Auf dem Titelbild dieser Emmenmail-Ausgabe sind einige davon abgebildet, stellvertretend. Menschen, welchen ich bei einem Donnerstagnachmittag-Spaziergang im Februar begegnet bin. Das sind die Gesichter dieses Emmen-Flairs. Und einiges, was Sie sagten, soll an dieser Stelle Erwähnung finden:

«Wir wohnen schon seit Ewigkeiten in der Gemeinde.» «In meinem Alter soll man langsam räumen und loslassen.» «Wir erscheinen wirklich auf der Titelseite vom Emmenmail!» «Ich möchte gerne Masken rezyklieren – aber alleine geht das nicht.» «Ich wurde hier geboren und lebe gerne hier.» «Behalten wir dieses Geheimnis mit dem Foto, bis das Heft erscheint?» «Gerne möchten wir nach Emmenbrücke zügeln.» «Was wollen Sie von mir – wieso tun Sie das?» «Fotografieren Sie doch Jüngere – ich bin doch schon zu alt.» «Eine autofreie Gerliswilstrasse, das wäre schon toll.» «Seit meiner Pension höre ich den Fluglärm den ganzen Tag.» «Ich lebe lieber anonym und möchte mich nicht zeigen.» «Verstehen nicht, ... jaja ... Sonnenhof.» «Schön, dass Sie das machen.» «Wir kommen aus Polen, arbeiten hier, die Schweiz ist gut.» «Die Arbeitswelt ist nicht mehr normal.» «Niemand kann mehr auf etwas warten.» «Wenn Emmenbrücke attraktiv ist, kommen auch Menschen hierher.» «Ohne uns BewohnerInnen gibt es keine Gemeinde.»

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