Kopf des Monats

Jill Gander

Skeletonfahrerin

Die Nasenspitze kaum ein paar Zentimeter vom Boden entfernt, stürzt sich Jill Gander mit höchster Konzentration und in atemberaubender Geschwindigkeit glatte Eiskanäle hinunter. Und dies bereits seit ihrer ersten Abfahrt auf dem Skeleton mit der notwendigen Zuneigung zum Adrenalinkick.

Dabei wurde Jill Gander die Faszination für hohe Geschwindigkeiten und eisige Kälten praktisch in die Wiege gelegt. Denn bereits Vater Billi Meyerhans hat sich als Bob-Fahrer dem Eis verschrieben. Bei Ganders erster Abfahrt auf dem Skeleton sei ihm aber trotzdem etwas bang gewesen. Auch, weil sie gleich mit 110 km/h zum ersten Mal den Eiskanal hinuntersauste. Doch seine Befürchtungen erwiesen sich als vollständig unbegründet - so antwortete die junge Sportlerin auf seine Frage, ob die Abfahrt nicht ein bisschen schnell gewesen sei, prompt: «Nein, ich will jetzt noch höher rauf.»

Mit ihren 15 Jahren darf die junge Emmerin bereits einige Erfolge zählen. Nicht zuletzt wurde Jill Gander im Februar 2020 im Skeleton zur jüngsten Schweizermeisterin gekürt.

Wie fühlst du dich nach deinem Erfolg bei den Schweizermeisterschaften 2020?

Ich freue mich extrem darüber, den ersten Platz erreicht zu haben. Vor allem, da ich noch nicht so lange fahre, ist das wirklich eine tolle Leistung. Anfangs war ich etwas nervös, denn das Abschlusstraining war nicht so gut verlaufen, wie erhofft. Doch nach der ersten Abfahrt hat sich die Aufregung dann gelegt.

Die Faszination für das Eis liegt ja sozusagen in der Familie. Wie bist du zum Skeleton gekommen?

Mein Vater fährt selber Bob, deshalb bin ich bereits als Kind mit diesen Sportarten in Berührung gekommen. Zudem haben wir eine Anschiebebahn bei uns zuhause, die ab und zu auch von Skeletonfahrerinnen und -fahrern genutzt wird. Skeleton hat mich irgendwie von Anfang an fasziniert und ich hatte das Bedürfnis, das selbst mal auszuprobieren. Zuerst zuhause auf der Anschiebebahn und später in einem richtigen Eiskanal.

Wie war deine erste Abfahrt im Eiskanal?

Es war sehr cool. Ich habe zwar fast nichts mitbekommen, aber gerade dieses Gefühl, kaum Kontrolle zu haben, hat mir unglaublich gefallen.

Was gefällt dir besonders an diesem Sport?

Das Gefühl, dass mir eine Abfahrt im Eiskanal gibt, ist unbeschreiblich, und es gibt nichts vergleichbares. Jedoch gefällt mir auch die Geschwindigkeit sehr. Die Fahrt auf dem Skeleton fordert zudem höchste Konzentration, denn jede noch so kleine Bewegung hat eine grosse Auswirkung. Das finde ich sehr spannend.

Wie fühlst du dich vor einem Wettkampf?

Nervös, aber auch glücklich endlich zeigen zu können, was ich in den Trainings hart erarbeitet habe. Es ist auch schön, wenn einem die Menschen zujubeln und man sieht, dass sie einen unterstützen und an einen glauben.

Hast du ein Motto, das dir Halt gibt?

Freude und Spass am Sport zu haben, ist mir am wichtigsten. Und auch wenn es mal nicht so gut läuft, ist das nicht schlimm, denn aus diesen Erfahrungen kann ich lernen.

Wie vereinbarst du den Leistungssport mit Freundschaft und Schule?

Das geht eigentlich ohne Schwierigkeiten. Ich bin nie lange weg, meistens eine bis zwei Wochen. Überdies bin ich nicht alleine unterwegs und mit meinen Trainingskolleginnen- und Kollegen verstehe ich mich sehr gut. Was die Schule angeht, muss ich Anfang und Ende Schuljahr Stoff vor- oder nacharbeiten und verpasste Prüfungen gilt es jeweils nach Rückkehr nachzuholen. Da ich gute Noten habe, ist das allerdings problemlos möglich und die Schule gibt mir diese Freiheiten.

"Das Gefühl, dass mir eine Abfahrt im Eiskanal gibt, ist unbeschreiblich, und es gibt nichts, was daran herankommt."

Welche sportlichen Ziele hast du?

Mein Ziel ist es an möglichst vielen Rennen mitzufahren und dort mein Bestes zu geben. Es ist viel Potenzial da, das ich in den nächsten Jahren gerne noch mehr ausschöpfen möchte. Im Vordergrund steht für mich aber immer Spass zu haben.

Und neben dem Sport?

Sicher erstmals die Matura zu machen. Ab dem nächsten Schuljahr besuche ich, wenn alles klappt, eine Sportklasse an der Kantonsschule Alpenquai. Dann habe ich etwas mehr Zeit, um mich auf den Sport zu fokussieren. Das ist mir wichtig, denn im Moment bin ich mir sicher, dass ich auch in Zukunft unbedingt damit weitermachen möchte.

Gibt es etwas, dass du als Ausgleich zum Leistungssport machst?

Ich bin zusätzlich im Rollschuhclub Emmen. Das ist eine tolle Abwechslung und zudem hilfreich für die Koordination. Da ich schon relativ lang dabei bin, ist es ausserdem einfach schön mit den anderen Mitgliedern das Zusammensein zu geniessen.

Welche Rolle spielt Sport in deinem Leben?

Eine grosse. Ich bin auch etwas damit aufgewachsen und investiere viel in den Sport, aber es kommt auch viel zurück. Durch den Skeleton durfte ich viele neue Menschen und Orte kennenlernen. Man kommt viel rum, schliesslich gibt es weltweit nur wenige Eiskanäle.

Es gab in letzter Zeit einige Zeitungsberichte bzw. TV-Beiträge über dich. Wie ist es sich selbst in der Zeitung bzw. im Fernsehen zu sehen?

Es ist sehr unwirklich, dass sich die Leute dafür interessieren. Es macht aber auch viel Spass Interviews zu geben. Zudem sehe ich dies auch etwas als ein ausprobieren und üben für die Zukunft.

Autorin: Larissa Brochella

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