Rechnung 2020

Emmen mit bestem Ergebnis seit über 30 Jahren


Die Gemeinde Emmen schliesst das Rechnungsjahr 2020 mit einem Gewinn von rund 7,4 Millionen Franken ab und präsentiert damit den erfolgreichsten Abschluss seit über 30 Jahren. Neben der hohen Ausgabendisziplin haben insbesondere Mehrerträge bei den Steuern zur positiven Jahresrechnung beigetragen.

Autor: Philipp Bucher

Ebenso unerwartet wie erfreulich: Die Gemeinde Emmen blickt auf ein positives Rechnungsjahr 2020 zurück. (Bild: Gemeinde Emmen)

Die Jahresrechnung 2020 der Gemeinde Emmen schliesst bei einem Gesamtertrag von rund 215 Millionen Franken und einem Gesamtaufwand von rund 208 Millionen Franken mit einem Jahresgewinn von 7,4 Millionen Franken ab. Budgetiert war ein Jahresgewinn von 431 000 Franken. «Ich freue mich sehr über den erzielten Gewinn und das beste Jahresergebnis der Gemeinde Emmen seit über drei Jahrzehnten», sagt Patrick Schnellmann, Direktor Finanzen, Immobilien und Sport. «Allerdings muss zugleich betont werden, dass der Jahresabschluss 2020 vordringlich auf nicht nachhaltig positiven Effekten beruht», fügt der Gemeinderat an.

Steuererträge deutlich über Budget

Die Hauptgründe für den ebenso erfreulichen wie unerwartet hohen Ertragsüberschuss sind markante Mehrerträge bei den Steuern. Bei den natürlichen Personen sind vor allem die Nachträge früherer Jahre (2,1 Millionen Franken), die Quellensteuern (295 000 Franken) sowie die Nach- und Strafsteuern (375 000 Franken) massgeblich für die positiven Abweichungen gegenüber dem Budget verantwortlich.

Bei den juristischen Personen konnten die ebenfalls deutlich höheren Nachträge aus früheren Jahren (1,6 Millionen Franken) die Mindererträge bei den laufenden Steuern (–1,7 Millionen Franken) fast vollständig kompensieren. Bei den Sondersteuern haben die Grundstückgewinnsteuern (1,3 Millionen Franken), die Handänderungssteuern (133 000 Franken) wie auch die Erbschaftssteuern zu den Mehreinnahmen geführt.

«Die grosse Budget- und Ausgabendisziplin hat elementar dazu beigetragen, dass die Mehrbelastung durch die Corona-Pandemie mehr als kompensiert werden konnte.»


Patrick Schnellmann, Direktor Finanzen, Immobilien und Sport

Bei den Besitz- und Aufwandsteuern andererseits konnten die budgetierten Ziele nicht erreicht werden. Vor allem die Billettsteuern fielen um 347 000 Franken bzw. 63,1 Prozent tiefer als budgetiert aus, was hauptsächlich auf die Corona-Pandemie mit dem Lockdown im Frühling 2020 und dem zeitweisen Veranstaltungsverbot zurückzuführen ist.

Die Entgelte schlossen demgegenüber insgesamt 2,9 Millionen Franken bzw. 11,9 Prozent besser ab als budgetiert. Dies ist insbesondere auf die generell höheren Rückerstattungen im Sozialbereich zurückzuführen, namentlich auf die Rückerstattungen, Verwandtenbeiträge und die Rentenbeiträge in der Wirtschaftlichen Sozialhilfe (2,4 Millionen Franken). Auch die Gebühren für Amtshandlungen haben in fast allen Aufgabenbereichen besser als budgetiert abgeschlossen.

Hohe Ausgabendisziplin

Im Zuge der Corona-Pandemie hat der Gemeinderat zwar keinen eigentlichen Ausgabenstopp beschlossen, jedoch zu einer Zurückhaltung bei den Ausgaben gemahnt. Diese Zurückhaltung zeigt sich nun auch im Ergebnis wieder: Von 26 Aufgabenbereichen haben 21 Aufgabenbereiche positiv abgeschlossen, lediglich deren fünf konnten das Budget nicht einhalten. «Die grosse Budget- und Ausgabendisziplin der verantwortlichen Personen hat elementar dazu beigetragen, dass die Mehrbelastung durch die Corona-Pandemie mehr als kompensiert werden konnte», betont Gemeinderat Schnellmann und fügt an: «Der positive Abschluss 2020 wird mithelfen, auch die künftigen Zusatzbelastungen durch Covid-19 besser bewältigen zu können.»

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in der Jahresrechnung 2020 berücksichtigt. Die finanziellen Folgen der Pandemie sind nach wie vor schwierig abzuschätzen und basieren auf Annahmen, Schätzungen und Berechnungen. Für das Berichtsjahr 2020 werden die durch Covid-19 verursachten Nettokosten auf 2,35 Millionen Franken geschätzt.

Auswirkungen AFR18

Die kantonale Aufgaben- und Finanzreform 2018 (AFR18) wurde per 1. Januar 2020 in Kraft gesetzt und in der Zwischenzeit auch durch das Bundesgericht bestätigt. In einzelnen Aufgabenbereichen wird sich die AFR18 erst mit einer zeitlichen Verzögerung vollständig auf die entsprechenden Globalbudgets auswirken. Bei der Jahresrechnung 2020 wurden die konkreten finanziellen Auswirkungen nach heutigem Wissensstand mit bestmöglichen Schätzungen und Berechnungen ausgewiesen. Für das Berichtsjahr 2020 hatten die mit der AFR18 zusammenhängenden Massnahmen positive Auswirkungen von zirka 2,7 Millionen Franken.

Schuldenreduktion trotz hohen Investitions­volumens

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 2020 Nettoinvestitionen in Höhe von rund 16 Millionen Franken getätigt, unter anderem für den Neubau des vierten Trakts im Schulhaus Erlen (7 Millionen Franken), für die Umsetzung des 1. bis 3. Zyklus im Bereich Medien und Informatik im Rahmen des Lehrplans 21 (2,8 Millionen Franken), für Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten an den gemeindeeigenen Wasserleitungen (1,5 Millionen Franken) und für die Aufstockung des Pavillons der Schulanlage Hübeli (1,4 Millionen Franken). Budgetiert waren Nettoinvestitionen von total rund 17 Mil­lionen Franken.

Aus der betrieblichen Tätigkeit resultiert ein positiver Geldfluss von 17,8 Millionen Franken (Vorjahr 10 Millionen Franken). Durch den Mittelzufluss konnten die im Berichtsjahr 2020 getätigten Investitionen vollständig eigenfinanziert werden, was zu einer Reduktion der Verschuldung führte und sich auch in den Finanzkennzahlen widerspiegelt. Bei den wichtigen Finanzkennzahlen wie Selbstfinanzierungsgrad oder Nettoschuld pro Einwohner werden die kantonalen Vorgaben allerdings nach wie vor deutlich überschritten.

«Die Entwicklungen in der Viscosistadt oder am Seetalplatz dürften in den kommenden Jahren zu einer positiven Dynamik für den Wirtschaftsstandort Emmen führen und für eine gute Ausgangslage nach der Coronakrise sorgen.»


Patrick Schnellmann, Direktor Finanzen, Immobilien und Sport

Herausforderungen und Lichtblicke

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden das aktuelle wie auch die kommenden Jahre weiterhin stark beeinflussen. Zwar zeigen die Hilfsmassnahmen von Bund und Kantonen bereits eine gewisse Wirkung und deuten auf eine mögliche schnellere Erholung der Konjunktur hin. Jedoch: «Die mittel- bis langfristigen Auswirkungen von Covid-19, vor allem im sozialen Bereich, könnten zu deutlichen Mehrausgaben führen und den Finanzhaushalt zusätzlich belasten», konstatiert Finanzdirektor Patrick Schnellmann. Angesichts dessen sei es unabdingbar, die Ausgabendisziplin weiterhin hochzuhalten, um damit ein stabiles Haushaltsgleichgewicht zu gewährleisten. Schliesslich sind für die kommenden Jahre einige Herausforderungen zu bewältigen.

So wurde etwa der Masterplan «Schulraumplanungsbericht» vom Einwohnerrat inzwischen zur Kenntnis genommen und geht nun in die weitere Planungs- und Umsetzungsphase. Zu den grossen Investitionen in die Schulinfrastruktur gesellen sich weitere wichtige Investitionen dazu, unter anderem solche in die Verkehrs- und Sportinfrastruktur oder generell werterhaltende Investitionen. «Diese sind notwendig, damit die Gemeinde Emmen ihre Leistungsaufträge erfüllen und beste Rahmenbedingungen für die Bevölkerung, die Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe sowie die Industrie schaffen kann», erklärt Schnellmann.

Der in den vergangenen Jahren eingeschlagene Weg in Richtung nachhaltige Ergebnisverbesserung müsse deshalb konsequent weitergegangen werden, bekräftigt der Finanzdirektor und streut dabei Zuversicht: «Die Entwicklungen in der Viscosistadt oder am Seetalplatz dürften in den kommenden Jahren zu einer positiven Dynamik für den Wirtschaftsstandort Emmen führen und für eine gute Ausgangslage nach der Coronakrise sorgen.»

Informationen zur Jahresrechnung

Die komplette Jahresrechnung 2020 finden Sie hier.

Der Jahresbericht 2020 fasst kurz und kompakt die wichtigsten Ergebnisse des Rechnungsjahres 2020 zusammen und gibt einen anschaulichen Überblick über die geleistete Arbeit in den verschiedenen Direktionen. Der Jahresbericht 2020 kann hier unter eingesehen werden.

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