Kopf des Monats

Ernst Schranz


Senior im Klassenzimmer

Autorin: Riccarda Rauter

Seine Karriere hat Ernst Schranz als Primarlehrer im Schulhaus Hübeli gemacht. Jetzt ist er immer noch im Hübeli anzutreffen, aber als Senior im Klassenzimmer. (Bild: rra)

Über 40 Jahre hat er in den Schulzimmern vom Schulhaus Hübeli unterrichtet. Mittlerweile ist Ernst Schranz pensioniert, doch seine Leidenschaft als Lehrer schlummert immer noch in ihm. Durch das Projekt «Senioren und Seniorinnen im Klassenzimmer», initiiert durch die Pro Senectute, kann er als Pensionär seine Lebenserfahrung an die jüngeren Generationen weitergeben.

Ernst Schranz, was war Ihre Beschäftigung vor der Pension?

Ich war 41 Jahre lang Primarlehrer, hier im Schulhaus Hübeli. Anfangs habe ich 1. und 2. Klassen unterrichtet und nach 12 Jahren habe ich dann zur 3. und 4. Klasse gewechselt. Und seit meiner Pension vor vier Jahren bin ich nun als Senior im Klassenzimmer aktiv.

Was spornt Sie an, am Projekt Senioren im Klassenzimmer dabei zu sein?

Ich stelle gerne einen Teil meiner Freizeit den Kindern zur Verfügung. Die Begegnung zwischen verschiedenen Generationen und die Beziehung, welche man aufbauen kann, freuen mich sehr. Ich kann so weiterhin das machen, was ich schon mein ganzes Leben gerne getan habe. Zwar nicht mehr als Lehrer, aber als Pensionär. Ich freue mich auch jedes Mal, wenn ich wieder in die Schule kann. Und das kann man auch von den Schülern und Schülerinnen behaupten, dass sie sich immer freuen, wenn wir Senioren und Seniorinnen wieder im Unterricht dabei sind.

Was ist das Schönste an Ihrem freiwilligen Engagement?

Es gibt so viele schöne und interessante Momente. Ich höre den Kindern gerne zu, wenn sie von ihren Hobbies erzählen, was sie gerne machen und erlebt haben. Die Schüler und Schülerinnen schätzen es sehr, eine weitere Bezugsperson zu haben neben ihren «Gspändli» und Lehrpersonen. Aber auch gemeinsame Verbindungen, welche man im Gespräch mit den Kindern feststellt, sind tolle Erfahrungen. Dass zum Beispiel die Eltern von Schulkindern schon bei mir im Unterricht waren. Oder dass ich die Grosseltern der Kinder kenne.

«Ich finde es toll, dass die Kinder in einem Raum drei Generationen erleben können.»


Ernst Schranz

Gibt es auch herausfordernde Momente im Klassenzimmer?

Ja, es gibt natürlich auch schwierige Situationen. Doch die kommen eher selten vor. Aber gerade in solchen Momenten sind wir als Unterstützung für die Lehrperson da und können helfen.

Was möchten Sie mit ihrem Engagement den Schülern und Schülerinnen mit auf den Weg geben?

Ich finde es toll, dass die Kinder in einem Raum drei Generationen erleben können. Also die Schüler und Schülerinnen, die Lehrperson und ich als Senior. Das Zusammenspiel dieser drei Generationen im Selben Raum finde ich eine wunderbare Sache.

Wie ist es, als ehemaliger Lehrer in einer anderen Rolle im Klassenzimmer zu stehen? Können Sie die verschiedenen Rollen gut voneinander trennen?

Das ist für mich kein Problem, ich fühle mich in meiner neuen Rolle sehr wohl. Ich war bereit, diese Verantwortung als Lehrer abzugeben, und ich geniesse es im Klassenzimmer zu sein, ohne die Hauptverantwortung zu haben. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, meine Karriere als Lehrperson zu beenden. Ich hatte eine sehr gute Zeit als Lehrer und wollte mit diesem Gefühl in die Pension starten. Als ich dann auf das Angebot der Pro Senectute gestossen bin, hat mich das sehr interessiert. Und so konnte ich mir auch vorstellen, wieder Zeit im Schulzimmer zu verbringen.

Wie hat sich der Schulunterricht über die Jahre verändert?

Als ich noch zur Schule ging, waren die Klassen viel grösser. Die grösste Klasse hatte 46 Schüler und Schülerinnen. Heute ist das Ganze viel individueller und es wird mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder eingegangen. Das finde ich einen sehr guten Wandel, dass heute mehr auf die Schüler und Schülerinnen als Individuum eingegangen wird.

«Das Interesse der Eltern für ihre Kinder ist massiv grösser geworden.»


Ernst Schranz

Wie hat sich das Unterrichten für Lehrpersonen in all den Jahren verändert?

Seit meinen Anfängen als Lehrer hat sich extrem viel verändert. Früher war die Lehrperson ein Einzelkämpfer, der für seine eigene Klasse verantwortlich war. Die Verantwortung für die Kinder lag mehr oder weniger ausschliesslich bei der Lehrperson und die Eltern haben sich in das Geschehen der Schule nicht eingemischt. Heute steht die Zusammenarbeit immer mehr im Zentrum. Als Schule muss man sich auch dem Wandel der Gesellschaft anpassen und mit der Zeit gehen. So ist das Interesse der Eltern für ihre Kinder massiv grösser geworden.

Natürlich hat auch die Digitalisierung riesige Veränderungen mit sich gebracht. Sie hat den Unterricht massgebend verändert und auch vereinfacht. Man gelangt in kürzester Zeit an eine Fülle von Informationen, die man für den Unterricht brauchen kann. All diese Veränderungen waren auch für mich persönlich wichtig. Ich habe mich immer für den Wandel interessiert und war offen für die Veränderungen, die ein Wandel mit sich bringt. Aber auch das Interesse für die Vielfalt war für mich immer wichtig. Dass man auf die einzelnen Individuen eingehen kann.

Seniorinnen und Senioren im Klassenzimmer

Als Senior oder Seniorin im Klassenzimmer ist man zur Unterstützung der Lehrperson da. Man betreut kleinere Gruppen in der Klasse oder einzelne Schüler und Schülerinnen. Sei es zum Beispiel als Hilfestellung zum Lesen oder Rechnen. Die Senioren und Seniorinnen bringen Abwechslung in den lebhaften Schulalltag und ergänzen den Unterricht mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen. So werden Brücken zwischen den verschiedenen Generationen gebaut. Besondere Voraussetzungen um dabei zu sein braucht es nicht. Senioren und Seniorinnen fördern den Dialog und das Verständnis, was zu gegenseitigem Verständnis der Generationen führt.

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