Jugend- und Familienberatung

Social Media und Co.: Chance oder Risiko?


Viele Eltern können ein Lied davon singen: Es ist Wochenende und die Jugendlichen im Haushalt haben nur eines im Kopf – stundenlang vor dem Bildschirm zu sitzen und sich dabei höchstens in den allerdringendsten Fällen von Ort und Stelle zu bewegen. Doch ist die Welt von Social Media und Co. wirklich nur schlecht? Und wie kann den ­Jugendlichen ein guter Umgang mit ebendiesen vermittelt werden?

Autorin: Larissa Brochella

«Die Vorbildfunktion der Eltern ist zentral. Man kann nicht etwas von den Kindern verlangen und das Gegenteil vorleben» – Alexie Burri, Sozialarbeiterin. (Bild: zvg)

Spätestens seit die Millennials ihre Schulbänke verlassen und durch die Generation Z ersetzt wurden, ist der Umgang mit Internet, Social Media und Videogames für viele Eltern eine zentrale Erziehungsfrage geworden. Das unlimitierte Angebot an virtuellen Unterhaltungsmöglichkeiten ist heute nicht mehr wegzudenken, umso wichtiger ist es, ein gesundes Verhältnis dazu zu entwickeln.

Eine gute Vorbildfunktion ist zentral

Doch wer jetzt denkt, die Eltern könnten sich regelmässig dem Sog von Candy Crush hingeben und ständig die E-Mails auf dem Smartphone checken, aber gleichzeitig dasselbe Verhalten beim Kind missbilligen, irrt: «Die Vorbildfunktion der Eltern ist zentral. Man kann nicht etwas von den Kindern verlangen und das Gegenteil vorleben», betont Alexie Burri, Sozialarbeiterin bei der Regionalen Jugend- und Familienberatung Emmen, Rain und Rothenburg. Zudem sollte bereits im Kindesalter eine klare Regulierung der Bildschirmzeit eingeführt werden, denn nur so ist diese später im Jugendalter überhaupt noch durchsetzbar. Vor allem Videospiele werden häufig bereits von jüngeren Kindern gespielt und bieten somit einen tollen Ausgangspunkt, um früh auf potenzielle Gefahren und Chancen aufmerksam zu machen.

Neben den Gefahren bieten Videospiele auch viele Chancen – so wird zum Beispiel bei Onlinespielen vielfach auf Englisch kommuniziert, sodass Jugendliche während des Spielens ihre Sprachkenntnisse verbessern können. Videospiele können zudem einen sehr sinnvollen Zeitvertreib darstellen, da nicht nur die Geschicklichkeit und das logische Denken gefördert, sondern häufig auch Wissens­inhalte vermittelt werden. Letztendlich entwickeln Kinder beim gemeinsamen Spielen zudem wichtige Sozialkompetenzen.

Realitätsflucht in virtuelle Welten

Es kommt öfters vor, dass Videospiele den Jugendlichen als Realitätsflucht dienen. Sollte also die Befürchtung bestehen, dass die oder der Jugendliche zu viel Zeit mit der Konsole verbringt, kann ein Gespräch unter vier Augen hilfreiche Einblicke bieten. Konflikte innerhalb der Familie, Stress in der Schule, Zukunftsängste oder Mobbing können sich gegebenenfalls in einem ungesunden Videospielkonsum widerspiegeln.

Trotzdem gibt es natürlich Situationen, in denen ein ernstzunehmendes Problem besteht. Die Jugend- und Familienberatung Emmen steht den Eltern mit Rat zur Seite und kann bei Verdacht auf eine Sucht mögliche weitere Schritte aufzeigen. Anzeichen für eine Sucht können sein: Die Vernachlässigung von Hobbys, Freunden und Familie, gewalttätiges Verhalten, eine gedankliche Fixierung auf Games oder Social Media oder auch die Verheimlichung des Social-Media- oder Videospielkonsums.

Begleitung ohne Kontrolle

«Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen begleitet werden, vor allem am Anfang», betont Burri, sei es beim Einrichten eines Social-Media-Kontos, beim Surfen im Internet oder beim Spielen eines Videogames. Dabei sollte kein Kontrollgefühl vermittelt werden, denn gerade im Jugendalter führe dies lediglich dazu, dass die Jugendlichen sich verschliess­en. Es gilt also: das Gespräch suchen und genuines Interesse zeigen. So können Sie gemeinsam mit Ihrem Kind in eine Ihnen noch unbekannte Welt eintauchen und dabei Ihre Beziehung stärken. Wer weiss, vielleicht entdecken Sie sogar, dass in Ihnen eine leidenschaftliche Gamerin oder ein leidenschaftlicher Gamer steckt.

Informationen

Die Regionale Jugend- und Familienberatung Emmen, Rain und Rothenburg berät Sie in den Bereichen Familie, Scheidung/Trennung, Erziehung, Pubertät, Schule, Freizeit, Konflikte, soziales Umfeld und neue Medien. Mehr unter www.jugendundfamilienberatung.ch.

Für weitere Tipps zum Umgang mit Social Media und Videospielen sowie eine Übersicht zu sinnvollen Bildschirmzeiten nach Alterskategorie besuchen Sie www.no-zoff.ch.

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