Coronavirus in Emmen

Puls fühlen beim Emmer Gewerbe


Die Lage normalisiert sich. Erst durften Coiffeure, Blumenläden, Gartencenter, Praxen und eine Reihe weiterer Geschäfte unter Auflagen wieder eröffnen. Seit dem 11. Mai 2020 darf nun auch die Gastronomie eingeschränkt nach vorne blicken. Drei Emmer Unternehmer äussern sich zur erlebten Situation und ihren Vorstellungen der Zukunft.

Autor: André Gassmann

Engagiert für ihre Kunden da – Denise Suter hat im Blumengeschäft bewegte Tage hinter sich. (Bild: aga)

Sechs Wochen sind vergangen, seit der Schweizer Lockdown Ruth Heer erreicht hat. Von einem Tag auf den anderen hat sie ihre Kleiderboutique an der Gerliswilstrasse schliessen müssen, wie hunderte andere Geschäfte in Emmen. Es drohen hohe Umsatzeinbussen und Lohnausfall. Heer reagiert rasch und nutzt ihre guten Kundenbeziehungen, denn Sie kennt nicht nur den Geschmack ihrer Kunden, sondern auch deren Masse. Und so liefert sie Auswahlpakete in die ganze Region aus, anstatt im Laden zu bedienen – manchmal sogar per Velo: «Dann haben mein Mann und ich aus der Auslieferung eine dreistündige Velotour gemacht.»

Der humorvolle Umgang täuscht nicht über den gestiegenen Mehraufwand und die happigen Umsatzeinbussen zur besten Saison hinweg. Für Ruth Heer, die auch Eigentümerin des Ladenlokals ist, reichen die Einnahmen gerade aus, um die laufenden Rechnungen zu bezahlen. Was sie hin­gegen besonders gefreut hat, waren die unzähligen Kundenreaktionen, von besorgten Telefonanrufen bis zu Gutscheinkäufen neuer Kunden. «Die Solidarität der Kunden ist grossartig», sagt sie.

Höherer Aufwand, tiefere Umsätze

Die Blumen von Denise Suter, Inhaberin von Blumen Suter, locken duftend aufgereiht vor dem Geschäft. Die Situation hat auch sie überrascht, jedoch anders als man denken mag. Sie hat sich vorgestellt, die Zeit für längst aufgeschobene Tätigkeiten im Laden oder für einen neuen Webauftritt nutzen zu können. Die Kunden haben aber Anderes im Sinn und die Telefone laufen heiss. Alle möchten nun ihren Kindern, Eltern und Grosseltern einen Aufsteller senden und sich bedanken oder ihren Garten bestücken. Dabei weiss Denise Suter nicht, wie sie die vielen Bestellungen verarbeiten oder woher sie die Blumen nehmen soll. Es kommt zu Lieferengpässen, weil der Nachschub fehlt oder die Preise wegen unterbrochener Lieferketten in die Höhe schiessen.

Sie muss mit ihrem Team jonglieren, um die Schutzmassnahmen einzuhalten und die Kundenanfragen zu bedienen. Während grosse Gartencenter in ihren Online-Shops Lieferzeiten von bis zwei Wochen angeben, schafft es Suter, beinahe jede Bestellung gleichentags fertigzustellen. Auch für sie steigt der Aufwand bei sinkenden Umsätzen. «Uns fehlen sowohl die Einnahmen am Luzerner Wochenmärt, als auch die Aufträge der Unternehmen und Events.» Doch die durchwegs aufmunternden und verständnisvollen Kundenreaktionen stimmen sie zuversichtlich, dass Kunden auch nach der Krise an die lokalen KMU denken.

Mit Ungewissheit und Vorfreude in die Zukunft

Philipp Giesser, Geschäftsführer der Sinnvoll Gastro GmbH, die schweizweit tätig ist und unter anderem das «Ferus» und die Eventlocation Startklar in Emmen betreibt, macht einen vergleichsweise entspannten Eindruck. Weil sie mit ihren Betrieben auch im Eventgeschäft mitmischen, haben sie sich mit etwas Vorlauf auf die Schliessung vorbereiten können.

Mit seinem Food-Truck auf dem Parkplatz vis-à-vis des «Ferus» hat Giesser rasch reagiert. Sein Betrieb stellte über Ostern sogar einen neuen Rekord auf. «Unser grösstes Bankett war das Ostermenü für über 430 Personen – geliefert selbstverständlich.» Trotz dieses Highlights und positiven Reaktionen auf die Anstrengungen seiner Mitarbeitenden macht auch er deutlich, dass die Schliessungen am finanziellen Polster zehren. Da die Gäste ein Bedürfnis haben, vieles nachzuholen, freut er sich wieder auf volle Häuser. Allerdings macht er sich auch Gedanken, wie eine Wiedereröffnung unter bestehenden Schutzauflagen umgesetzt werden kann. Dies auch im Interesse seiner Kunden, denn ob eine genussvolle Gastronomie mit auferlegten Schutzmassnahmen akzeptiert wird, entscheidet nicht der Gastronom, sondern hauptsächlich der Gast.

Für Giesser ist es denkbar, vorerst einen Teil seiner Restaurants an bestimmten Tagen zu öffnen. Bis die Normalität wieder erreicht ist, bleiben wohl noch einige Stühle und Tische leer.

ONLINE-MARKTPLATZ EMMER GEWERBE


Die Situation hat vielen Geschäften und Kunden den digitalen Weg noch näher gebracht. Das Emmer Gewerbe hat reagiert. Viele Betriebe haben einen kontaktlosen Bring- oder Abholservice angeboten. Der Vorteil von lokalen Dienstleistungen und Einkäufen wird deutlich. Unterstützen Sie Ihre lokalen Geschäfte in Emmen weiterhin, nutzen Sie den Online-Marktplatz und informieren Sie sich über das Angebot. Sie vermissen Ihr Lieblingsgeschäft auf der Plattform? Informieren Sie sie über den kostenlosen Eintrag auf dem «Emmer-Online-Marktplatz».

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