Kopf des Monats

Alex Granja


Fotografin

Autorin: Larissa Brochella

«Alles, was man gibt, kommt auch wieder zu einem zurück: In Form eines strahlenden Lächelns, Dankbarkeit und Freude.» - Alex Granja, Fotografin (Bild: zvg)

Als selbsterlernte Fotografin hat Alex Granja ihre Leidenschaft vor 13 Jahren mit ihrem Fotostudio «photoandmore.ch» zum Beruf gemacht und setzt heute gekonnt Familien, Schwangere und Neugeborene in Szene. Das macht sie nicht nur mit Talent, sondern ausserdem mit viel Herz. Mit ihrer Fotografie möchte Granja auch Menschen in schweren Lebenssituationen Momente der Freude schenken.

«Ich wünschte mir, dass die Menschen sich selbst öfters etwas zurücknehmen und mehr geben.» Eine soziale Ader besitzt die 40-jährige Fotografin aus Emmenbrücke fraglos. So bot sie einige Jahre im Rahmen des Projekts «Sternentaler» kostenlose Shootings für Familien mit kranken Kindern und Kindern mit Beeinträchtigung an. Zusätzlich stellt sie jedes Jahr ein eigenes Projekt mit wohltätigem Zweck auf die Beine. Das diesjährige heisst «Fighting Beauties» und gibt krebskranken Frauen mit Glatze die Möglichkeit von einem kostenlosen Fotoshooting zu profitieren.

«Seit das Projekt existiert, durfte ich bereits mehrere Frauen aus der ganzen Schweiz fotografieren. Zudem haben sich Visagistinnen bei mir gemeldet und angeboten, die Frauen gratis zu schminken.» Die grosszügige Unterstützung für ihr Projekt erfreut Granja sehr und sie hofft, dass sie auch andere Fotografinnen und Fotografen von ihrem Projekt begeistern kann: «Es wäre schön, wenn krebskranke Frauen in der ganzen Schweiz die Möglichkeit bekämen, ihre Glatze fotografieren zu lassen und zu sehen, wie schön sie auch ohne Haare sind.»

Alex Granja, wie haben Sie zur Fotografie gefunden?

Bereits als Kind liebte ich es Menschen zu fotografieren. Später durfte ich für eine Informatik-Firma Mitarbeitende und Events fotografieren, was schliesslich den Ball ins Rollen gebracht hat. Ich habe all mein Wissen und Können autodidaktisch erworben und vor dreizehn Jahren dann mein eigenes Fotostudio «photoandmore.ch» in Rain eröffnet.

War es schwierig in der Eigenständigkeit Fuss zu fassen?

Überhaupt ein Fotostudio zu finden war anfangs gar nicht so leicht. Die Räumlichkeiten müssen genügend hoch, Rollstuhlgängig und dann noch bezahlbar sein. Mit dem Studio in Rain habe ich wirklich einen Glückstreffer gelandet. Werbung habe ich nach der Eröffnung des Studios eigentlich nie gross gemacht. Meistens teilen zufriedene Kundinnen und Kunden meine Arbeit auf Facebook und erzählen ihren Freunden und Bekannten davon. Mund-zu-Mund Propaganda hat sich für mich als gewinnbringend erwiesen.

Was fasziniert Sie am Fotografieren?

Das Festhalten von Momenten. Oftmals auch solche, die nicht wiederkehren. im Rahmen des Projekts «Sternentaler» durfte ich zum Beispiel eine Familie fotografieren, deren Kind später verstarb. Es ist mir wichtig, für diese Familien die vergänglichen Momente festzuhalten.

Wie Sind Sie zum Projekt «Sternentaler» gekommen?

Auf das Projekt «Sternentaler» bin ich erstmals über eine Freundin aufmerksam geworden. Ich habe mich schliesslich dazu entschieden, im Rahmen des Projekts einmal monatlich ein kostenloses Shooting anzubieten. Es ist schön, etwas so fassbares wie ein Shooting spenden zu können und damit Familien, die es oft sehr schwer haben, etwas Freude zu schenken. Denn darum geht es im Leben. Alles, was man gibt, kommt auch wieder zu einem zurück: In Form eines strahlenden Lächelns, Dankbarkeit und Freude.

Ihr aktuelles Projekt heisst «Fighting Beauties». Wie ist es entstanden?

Eine Bekannte von mir ist an Brustkrebs erkrankt. Als ich sie fragte, was ich ihr Gutes tun könne, meinte sie, ich solle ihre Glatze fotografieren. Das hat mich auf die Idee gebracht, auch für andere krebskranke Frauen mit Glatze Shootings anzubieten. Da ich für das Jahr 2020 noch kein Projekt hatte, wurde «Fighting Beauties» ins Leben gerufen. Ich durfte bereits sechs Frauen mit Glatze aus der ganzen Schweiz fotografieren.

Was berührt Sie an diesen Shootings besonders?

Die Geschichten dieser Frauen und die Kraft und Zuversicht, mit der sie kämpfen, sind sehr berührend. Ich sage immer: Der Krebs ist ein Riesenarschloch. Ihn interessiert es nicht wer du bist, woher du kommst oder was du machst. Diese Frauen zeigen dem Krebs den Mittelfinger. Ihre Haltung und Stärke finde ich unglaublich beeindruckend, und nach den «Figthing Beauties»-Shootings bin ich immer sehr glücklich. Mit diesem Projekt darf ich den Frauen etwas schenken, das sie vielleicht sonst nie gemacht hätten.

Welche Shootings machen Ihnen am meisten Spass?

Das ist schwierig zu sagen, denn sie machen mir alle Spass. Jedes ist anders und auf seine Weise einzigartig. Die Neugeborenen sind reizend und erinnern mich an die Zeit, als meine eigenen Kinder noch so klein waren. Auch mit den schwangeren Frauen fühle ich mich immer sehr verbunden. Gewisse Familien darf ich zudem Jahr für Jahr wieder fotografieren und kann den Kindern so beim Wachsen zusehen. Derzeit sehr beliebt sind die Generationenshootings: Von den Jüngsten, die noch ihr ganzes Leben vor sich haben, bis zu den Ältesten, die so viel Weisheit und Erfahrung in sich tragen, alle auf einem Bild.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Meine Bilder sind sehr schlicht. Ich entziehe ihnen einen grossen Teil der Farbe und lasse lediglich etwas Wärme zurück. Auch der Hintergrund ist meistens minimalistisch gehalten. Die Person ist mir wichtig, sie soll zur Geltung kommen. Deshalb fotografiere ich auch meine eigene Familie lieber im Studio. Zuhause stört mich häufig der unruhige Hintergrund. Eine farbige Vase, ein Vorhang der nicht ins Bild passt... für mich als Perfektionistin ist das schrecklich.

«Fighting Beauties»

Alex Granja bietet kostenlose Shootings an für krebskranke Frauen mit Glatze. Bei Interesse kann man sich unter der E-Mail alex@photoandmore.ch bei ihr melden.

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