Emmen Schule

Jugendkultur 2020: Schule, Freizeit und neue Medien in Corona-Zeiten


Es war einer der sonnigsten Frühlinge seit langem. Viel Zeit, um raus zu gehen und etwas zu erleben. Doch die Massnahmen des Bundesrates haben Priorität. Wie erleben Emmer Jugendliche den Lockdown? Was machen sie in ihrer Freizeit, während die Schule geschlossen ist, und welche Rolle übernehmen die neuen Medien?

Autor: Christian Krattiger

Mit WhatsApp, Netflix und Co. durch den Lockdown: Emmer Jugendliche berichten über ihre Erfahrungen in Zeiten der Corona-Krise. (Bild: zvg)

Vom 16. März bis 11. Mai 2020 waren die Volksschulen der Gemeinde Emmen geschlossen. Dies bedeutete auch, dass die Schuldienste nicht mehr im selben Rahmen wie bisher arbeiten konnten. Die vier Fachbereiche der Schuldienste – Schulpsychologischer Dienst (SPD), Psychomotorik Therapie (PMT), Logopädischer Dienst (LPD), Schulsozialarbeit (SSA) – mussten flexibel agieren und ihr Angebot den Umständen entsprechend anpassen.

Für die Schulsozialarbeit bedeutete dies die Verlegung ihres Angebots auf Telefon-­ und WhatsApp-Beratungen. Dabei sind spannende Realitäten zum Vorschein gekommen. Einige dieser Realitäten möchte dieser Artikel darstellen. Dabei steht die Auswirkung der Schulschliessung im Vordergrund. Gleichzeitig interessiert aber auch die Frage nach dem Umgang mit den neuen Medien.

Neue Medien, neuer Alltag

Denn die neuen Medien waren schon vor der Corona­krise ein wichtiges Thema für die Schulsozialarbeit. Die Apps haben unser aller Alltag sehr verändert. Auch in den Beratungen der Schulsozialarbeit merkt man den immer stärkeren Einfluss der neuen Medien auf den Alltag der Jugendlichen. Doch was sind diese neuen Medien genau?

Man kann drei wichtige Arten unterscheiden. Zum einen haben wir die sozialen Medien, zum anderen die Spiele und zu guter Letzt die Streamingdienste. Dieser Artikel wird eine Handvoll der wichtigsten Softwares vorstellen und auch deren Einfluss auf die Emmer Jugend etwas umreissen. Die Aussagen der Jugendlichen sind sinngemäss dargestellt und ihre Namen wurden geändert.

Tücken im Homeschooling

Die Schulsozialarbeit hatte viel Kontakt mit Jugendlichen, denen der Fernunterricht nicht so leichtfiel. Maria sagt dazu: «Die Zeit ohne Unterricht war nicht so einfach. Ich habe ein paar Mal die Sachen nicht verstanden. Ich konnte mich aber bei meiner Lehrerin melden, das hat geholfen. Schwierig war es auch, in dieser Zeit zu schnuppern. Zum Glück durfte ich noch bei einem Arbeitgeber vorbeigehen.»

Bei Veronica sieht die Situation noch schwieriger aus. Auf anschauliche Weise beschreibt sie den unterschiedlichen Umgang der Schülerinnen und Schüler mit dem Fernunterricht: «Am Anfang war es sehr anstrengend. Vor allem das Homeschooling. Irgendwie kommen alle damit klar und finden das sogar besser als Schule, aber man muss sich selbst zwingen zu arbeiten, und das kann ich einfach nicht.»

Einer, bei dem es besser lief, ist Alexander: «Für mich war es am Anfang ohne Lehrerin sehr kompliziert. Aber mit der Zeit wurde mir einiges klar und es wurde interessant.» Und dies, obwohl Alexander sonst Probleme mit dem Schulunterricht hat. Doch diese Krise hat einiges ausgelöst, was vorher undenkbar gewesen wäre. Schon nach kurzer Zeit klagte Maria, dass sie die Schule vermisse. Eine Aussage, die man von ihr nie hätte erwarten können. Der Grund dafür liegt in den von Veronica beschriebenen Schwierigkeiten mit dem Fernunterricht. Noch zentraler allerdings sei der fehlende soziale Kontakt.

Kontaktpflege im Lockdown

Die sozialen Medien sind in erster Linie dazu da, die sozialen Kontakte zu pflegen und im Falle des Lockdowns auch zu ersetzen. Während Facebook von den Jugendlichen kaum genutzt wird, steht WhatsApp bei ihnen deutlich höher im Kurs. WhatsApp, ebenfalls dem Facebook-­Konzern zugehörig, ist nämlich die wichtigste Kommunikationsplattform in unseren Breitengraden. Gerade auch Jugendliche, die schon vor Corona ein grosses Netzwerk hatten, nutzen während des Lockdowns vor allem WhatsApp.

«In der Freizeit nutze ich vor allem WhatsApp, um mich auszutauschen und mit Freunden zu verabreden. Ich war ein paar Mal mit ihnen draussen», erzählt Alexander. Auch für Karim sah die Welt ähnlich aus: «Mit der Schule lief es sehr gut. Ich habe mich dann viel mit Freunden getroffen und war viel draussen. Und verabredet haben wir uns über WhatsApp.» Die Schulsozialarbeit nutzte die WhatsApp-Statusmeldungen, um jeden Tag wertvolle Tipps zu geben.

Zeitvertreib auf sozialen Plattformen

Zu den weiteren sozialen Medien gehören TikTok, Instagram und Snapchat. Dies sind alles Plattformen, auf welchen man sich viele Inhalte anschauen kann, ohne eigene Inhalte generieren zu müssen. Für einige Jugendliche waren diese Plattformen also ein willkommener Zeitvertreib. Marias Aussage verdeutlicht dies: «Meistens bin ich mit meiner Familie raus. Ein paar Mal war ich auch allein draussen. Am meisten Zeit verbrachte ich auf Instagram, TikTok und Snapchat.»

Auch Veronica, Miguel und Jeton verbrachten viel Zeit auf diesen drei Plattformen. Dabei hat sich TikTok innert kürzester Zeit nach vorne katapultiert. Der Dienst ist erst 2016 entstanden und hat mittlerweile schon eine Milliarde Nutzer. Bei TikTok kann man kurze Videos hochladen, welche mit Musik hinterlegt werden. So werden auch viele Lippensynchronisationen (LipSync) hochgeladen. Veronica gehört aber zu den Jugendlichen, welche ihre eigenen Videos privat hält. Sie sagt: «Ich schaue mir die Videos der anderen an und speichere meine so, dass nur ich sie sehe.»

Der noch etwas jüngere Jeton ist auch auf TikTok. Er drückt seine Situation so aus: «Also die Zeit ohne Schule ist nicht leicht, um ehrlich zu sein. Aber ich habe es geschafft, mit Hilfe etwas Ordnung in meinen Tag zu bringen. Ich ging nur im Notfall raus. Zum Beispiel um etwas einzukaufen. Am meisten nutze ich TikTok und Roblox, um mir die Zeit zu vertreiben.»

«Zocken» im sozialen Netzwerk

Roblox ist ein Online­-Spiel, welches monatlich von 100 Millionen Nutzern gespielt wird. Es ist eine Art Lego im Internet, wo man auch eigene Spiele kreieren kann, welche dann von allen Nutzern gespielt werden können. Jeton hat auch das Ziel, dies einmal zu schaffen und investiert einiges an Zeit in dieses Spiel. Nennenswerte weitere Spiele sind Fortnite oder Minecraft. «Ich bin nie wirklich raus. Ich habe sehr viel Fortnite gezockt», meint Miguel. Kurz gesagt gibt es bei Fortnite verschiedene Spielvarianten, aber im Endeffekt handelt es sich um ein Survival­-Shooter­-Game.

Online­-Spiele sind aber mehr als nur Spiel-Plattformen. Durch die Chatfunktionen oder das Spielen mit Kopfhörern und Mikrofon (dem Headset) ist man mit anderen Nutzern in Kontakt. Sie sind also auch sozi­ale Netzwerke. Gerade Fortnite ist ein sol­ches Spiel. Karims Aussage zeigt dies auf: «Ich spiele auch viel Fortnite mit meinen Freunden und später sehen wir uns dann draussen.» Die Erfahrungen der Schul­sozialarbeit bestätigen dies.

Einen klaren Anstieg der Nutzerzahlen dürften wohl auch die Streamingdienste verzeichnet haben. Hier sind YouTube und Netflix sicherlich hervorzuheben. Maria und Karim verbrachten viel Zeit auf Youtube. Alexander sagte, er schaue am Abend viel Netflix. Dies bestätigen auch andere Ju­gendliche. Zum Beispiel sagt Veronica: «Ich bin sehr wenig nach draussen gegangen. Ich habe dafür viel Netflix geschaut.»

Reiz der analogen Welt

Bei Veronica war dies sicher nicht nur am Abend so. Doch auch sie vertrieb sich die Zeit mit anderen Dingen ausser den neuen Medien. Sie zeichnete zum Beispiel viel. Viele Jugendliche waren nicht nur am Handy oder einem anderen Bildschirm. Sie machten auch Dinge, die es schon zu Zeiten der alten Medien gab. «Langweilig war es mir nie. Ich machte viel Sport drinnen sowie draussen», sagt Alexander. Auch Miguel bestätigt, dass es ihm nie langweilig gewesen sei und er viel gelesen habe. Karim ging gerne in den Wald, um die Ruhe dort zu geniessen.

So zeigt sich, wie unterschiedlich mit der Krise umgegangen wird und welch zentrale Rolle die neuen Medien einnehmen. Für die Schulsozialarbeit heisst dies, am Ball zu bleiben und trotzdem die sportlichen, naturverbundenen und kreativen Aktivitäten zu fördern, welche so förderlich sein können für den Selbstwert.

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