Betagtenzentren Emmen

Bestens aufgehoben auch in Zeiten von Corona


Rund um das Alp Betagtenzentrum und das Emmenfeld Betagtenzentrum steht die Natur in voller Blüte. Im Innenhof und auf den Terrassen geniessen Bewohnende die Frühlingssonne. Ein idyllisches Bild, gäbe es da nicht noch das andere: leere Parkplätze, geschlossene Restaurants, das Fehlen des üblichen lebhaften Betriebs. Und alle Mitarbeitenden der BZE AG tragen Hygienemasken. Wir blicken zurück auf die ersten sechs Wochen Lockdown.

Autor: BZE AG

Die «Besucherbox» im Hof des Alp Betagtenzentrums. (Bild: BZE AG)

Die aussergewöhnliche Lage

Aufgrund der Corona­-Pandemie musste die BZE AG am 28. Februar 2020 den Zutritt für Angehörige einschränken und am 17. März 2020 zum Schutze aller ein striktes Be­suchsverbot erlassen. Das Zutrittsverbot betrifft auch die über 100 Freiwilligen. Für spezielle Situationen gab und gibt es Ausnahmen. «Das Abschiednehmen in Würde mit den Angehörigen ist ein Gebot der Menschlichkeit für uns», betont CEO Nadja Rohrer.

Arztvisiten, das interne Aktivierungspro­gramm und seelsorgerische Einzelbesuche finden in den Häusern der BZG AG unter Einhaltung der gebotenen Schutzmassnah­men weiterhin statt. Auch die Kinderta­gesstätte LUUSZAPFE bleibt geöffnet und der Mahlzeitendienst versorgt die externen Mahlzeitenbezüger im gewohnten Rahmen.

Die Voraussicht

Virenschutz ist für Langzeitinstitutionen ein Dauerthema. Letzthin virulent wurde es bei der BZE AG im Dezember, als im Alp Be­tagtenzentrum der Norovirus ausbrach. Im Nachhinein kann man sagen «zum Glück», denn aufgrund dieser hochansteckenden Magen­-Darm­-Krankheit wurde das Personal trainiert und der Vorrat an Schutz­- und Desinfektionsmitteln, Inkontinenzmaterial und Medikamenten massiv aufgestockt.

Auch als die Noro­-Geschichte beendet und Corona in Schweizer Ohren noch eine weit entfernte Seuche in China war, blieb man in Emmen wachsam. «Aufgrund früherer Erfahrungen mit Sars oder der Vogelgrippe wussten wir, dass es im Hygiene­- und Me­dikamentenbereich zu Lieferengpässen kommen kann», erklärt Sabine Felber, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiterin des Bereichs Pflege und Betreuung. Deshalb stockte die BZE AG im Januar die Lager nochmals auf.

Dank dieser umsichtigen Vorbereitung und dem sorgsamen Einsatz der Mittel verfügt die BZE aktuell über genügend Schutz­- und Hygienematerial und kann den Personal­bedarf aus eigener Kraft stemmen. Der interne Krisenstab konnte seine Funktion Anfang 2020 proaktiv aufnehmen und darf heute feststellen, dass die BZE auch in Kri­sensituationen von der guten Aufstellung und den festgelegten Prozessen und Ab­läufen profitieren kann.

Der etwas andere Ostergottesdienst

Die besuchslosen Ostertage wurden den Bewohnenden mit Blumen und kulinari­schen Überraschungen verschönert. Im Emmenfeld Betagtenzentrum konnten sie vom Balkon oder Zimmer aus einen Ostergottesdienst erleben, den Pater Uwe Vielhaber (Pfarrei St. Mauritius / St. Maria) im Garten abhielt. Im Alp Betagtenzen­trum spielte Betagtenseelsorger Walter Amstad mit dem gebotenen Abstand die Jodlermesse von Jost Marty ab CD ab. Das Osterlicht fand mittels elektrischer Kerzen, gespendet von der Pfarrei Gerliswil, den Weg in die Bewohnerzimmer.

Gottesdienste werden aktuell vermehrt im Fernsehen verfolgt, doch der persön­liche Kontakt zu den Seelsorgern ist für die Bewohnenden weiterhin möglich. «Ein Bewohnergespräch mit Mundschutz zu führen, ist zwar ungewohnt, aber nicht hinderlich», sagt Walter Amstad, «denn durch die Arbeit mit älteren Personen sind wir es gewohnt, lauter zu sprechen als normal.» In anderen Zentren haben nicht einmal die Seelsorger mehr Zutritt. Bei der BZE AG basiert dies auf eingespielter Zusammenarbeit. Zum Schutz der Bewoh­nenden hat sich Walter Amstad gar selbst isoliert. Wobei auch die allgemeine Seelsorge durch Corona ins digitale Zeitalter katapultiert wurde: Trauergespräche mit Angehörigen werden nun vom Home­office aus per Telefon oder Chat geführt.

Das vermeintliche Alleinsein

Für die meisten Bewohnenden sind die Aktivierungsprogramme, das gemeinsame Kochen, Werken oder Diskutieren der Zei­tungen und Heftli wichtig für ihre Tages­struktur. Etliches davon ist derzeit nicht möglich. Trotzdem mangelt es niemandem an Gesellschaft und Kommunikation. Dank dem Skill&Grade­Mix und den frei gewor­denen Kapazitäten der Gastronomie kann die BZE AG zusätzliche Kräfte für die Ta­gesgestaltung einsetzen. Gastronomiemit­arbeitende unterstützen die Pflege bei der Begleitung und Betreuung der Bewohnen­den. Und diese geniessen es: Sie haben jemanden für sich allein zum Reden, Vorle­sen, Gedächtnistraining oder zum Spazie­ren im Garten.

Kleinere Alltagsprobleme wie ausfallende Coiffeurbesuche werden von den interdis­ziplinären Teams pragmatisch gelöst. «Viele dieser Tätigkeiten entsprechen bereits dem neuen Konzept ‹Lebensqualität Bewoh­nende›», erklärt Dana Wichert, Geschäfts­leitungsmitglied und Leiterin Hotellerie, «unter Corona wird es nun früher als ge­plant und teilweise unbewusst umgesetzt.»

Die Dankbarkeit

Wohl noch nie in ihrer Geschichte hat die BZE AG so viel Wertschätzung erlebt wie jetzt. Diese zeigt sich in verschiedensten Formen bis hin zu musikalischen Ständchen oder einer Riesenlieferung von Schokolade aus dem Ostergeschäft. Der Applaus fürs Pflegepersonal freut auch die BZE AG. Stefanie Fontana, stellvertretende Leiterin Team Pflege und Betreuung 3.OG Emmen­feld, meint: «Ich mache diesen Beruf, weil ich ihn liebe und Menschen helfen will. Vor Corona gab es im Umfeld ab und zu saloppe Sprüche darüber. Die ganze Situation hat nun allen aufgezeigt, dass wir einiges mehr leisten als dies der Allgemeinheit bis­her bewusst war. Schade nur, dass es dafür die Krise gebraucht hat.» Sie windet ihrem Team ein grosses Kränzchen. Alle seien sehr flexibel gewesen, leisteten grossen Einsatz und unterstützten sich, wo sie nur konnten.

Der Kontakt

«Wichtig ist für uns, die Bewohnenden bestmöglich zu schützen und ihnen trotz Einschränkungen den Kontakt zu ihren Angehörigen zu ermöglichen», erklärt CEO Nadja Rohrer. In einer ersten Phase wurden Tablets für Videogespräche or­ganisiert, wobei die Technik des Öfteren für Heiterkeit sorgt. Die meisten Bewoh­nenden halten sich da lieber ans vertraute Telefon. Dies ist nur ein schwacher Trost für den direkten Kontakt mit den Kindern und Enkelkindern, den die Bewohnenden am meisten vermissen. Entsprechend ge­fragt ist deshalb die von der BZE AG am 20. April 2020 an beiden Standorten in Betrieb genommene «Besucherbox». Hier können sich Bewohnende und Angehörige, durch eine Plexiglasscheibe geschützt, während einer bestimmten Zeit wiedersehen.

Die Wiedersehensfreude beim Treffen in der «Besucherbox» ist gross. Dabei fallen auch bewegende Worte. «Es ist unglaub­lich, was ihr auf euch nehmt, um unser Leben zu schützen», sagt ein Bewohner mit Tränen in den Augen zu seiner Tochter. Die betagten Menschen spüren sehr wohl, was draussen vorgeht, und fühlen mit der Gesellschaft. Aufgrund ihrer Lebenser­fahrung wissen sie aber auch, dass man sich am besten dreinschickt und darauf vertraut, dass es wieder gut kommt. «Das Wichtigste ist: Du darfst die Zuversicht und den Humor nicht verlieren», sagt eine Be­wohnerin zu ihrem Sohn, nachdem sie ihm den neusten Blondinenwitz erzählt hat.

Über Veränderungen der Situation und allfällige Lockerungen wird auf der Webseite www.bzeag.ch laufend informiert.

Applaus und Solidarität

Im Angesicht der Corona-Krise zeigt sich weltweit eine hohe Solidarität mit den Menschen im hohen Alter, die durch das neue Virus am stärksten gefährdet sind. Ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft unserer Gesellschaft. Es gibt viel Applaus für jene, die dazu beitragen, das Leben von Kranken und Betagten zu schützen, sowie für jene, die das tägliche Leben am Laufen halten.

Wir klatschen als BZE AG in dieser Situation aber auch für die Angehörigen unserer Bewohnenden, für all die Eltern und Kinder da draussen, für die Wirtschaft und Politik, für die Vereine und den Sport, die sich zum Schutz unserer verletzlichsten Bevölkerungsgruppe enorme Beschränkungen auferlegt haben.

Danke für eure Solidarität!

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