Jugendprojekt

Von Mädchen für Mädchen


Filmabend, Tanzkurs oder Graffiti – den Ideen der Projektgruppe des Mädchen*Angebots sind keine Grenzen gesetzt. Doch auch ernstere Themen wie Pubertät und Sexualität wollen die Jugendlichen behandeln. Das Angebot soll Mädchen der 1. Oberstufe ansprechen, ohne zu stark auf Stereotypen zurückzufallen – keine leichte Aufgabe.

Autorin: Larissa Brochella

Jessica (links) und Dana (rechts) sind Teil der Projektgruppe des neuen Mädchen*Angebots in Emmen. In der Mitte Projektleiterin Steffi Boo. (Foto: lbr)

Dana und Jessica sitzen auf Plastikstühlen im Schatten der Bäume hinter dem ehemaligen Schulhaus Kolben, wo das Jugendbüro der Gemeinde Emmen seit einigen Jahren untergebracht ist. Beide sind sie in der 1. Oberstufe und beide Teil der Projektgruppe des neuen Mädchen*Angebots des Jugendbüros. Ein paar Meter daneben im frühsommerlich hellgrünen Gras hat es sich Steffi Boo bequem gemacht. Sie ist seit zwei Jahren Teil des Jugendbüros und hat das neue Angebot im Rahmen eines Praxisprojekts für das Studium in Soziokultureller Animation ins Leben gerufen.

«Bisher hatten wir noch keine grösseren Probleme», meint Dana selbstbewusst, «Steffi hat uns beim Organisieren und Flyer-Machen immer sehr unterstützt», erzählt sie weiter und schenkt Steffi Boo ein dankbares Lächeln. «Wir sind inzwischen richtige Profis im Flyer-Gestalten», pflichtet diese ihr bei. Die Projektgruppe trifft sich ein- bis zweimal monatlich im «Kolben», um die nächsten Mädchen*Abende zu besprechen und vorzubereiten. Bereits sechs Angebote, darunter ein Tanzworkshop, eine Movie Night und Karaoke, haben die vier Mädchen erfolgreich geplant und umgesetzt. Wenn auch nicht ganz ohne Steffi Boos Hilfe.

Tabus durchbrechen und Selbstvertrauen stärken

«Es macht sehr viel Spass, selbst die Initiative zu ergreifen und etwas auf die Beine zu stellen», meint Jessica bestimmt. Nicht nur Erwachsene können das, so viel habe die 14-Jährige im letzten halben Jahr gelernt. «Vor dem ersten Treff hatte ich etwas Angst, dass niemand kommen würde», erzählt sie weiter. Doch das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Zwischen 5 und 15 Mädchen haben bisher jeweils vom Angebot Gebrauch gemacht und Jessica und Dana sind sich sicher, auch für den anstehenden Graffiti-Workshop wird die Nachfrage gross sein.

«Es macht sehr viel Spass, selbst die Initiative zu ergreifen und etwas auf die Beine zu stellen.»


Jessica

Weniger Teilnehmerinnen erwartet Jessica am Mädchen*Workshop, der Themen wie Pubertät und Sexualität behandelt. Vielen sei es unangenehm, über solche Dinge offen zu sprechen. Dennoch hofft Jessica, dass zahlreiche Mädchen vom Workshop profitieren können: «Es sind wichtige Informationen, die möglichst viele Mädchen bekommen sollten.»

Nur Mädchen erlaubt

«Die Jungs haben immer das Gefühl, alles besser zu können», begründet Dana den Bedarf eines Angebots, das nur Mädchen offensteht. Spass und Selbstbewusstsein, davon bräuchten Mädchen ihrer Meinung nach nämlich viel mehr. Das liegt auch Projektleiterin Steffi Boo am Herzen. Das Mädchen*Angebot bietet den Mädchen einen offenen und geschützten Raum. «Alles, was sie während des Mädchen*Angebots machen, können sie aber auch im gemischten, offenen Jugendtreff tun – die Materialien und die Infrastruktur sind vorhanden», führt sie aus. So sollen die Aktivitäten als Anregung dienen und den Mädchen das Selbstvertrauen vermitteln, um an den gemischten Treffs nicht nur teilzunehmen, sondern sich auch verstärkt einzubringen. Die Grundlage dafür sei eine gute Beziehung zum Team des Jugendbüros. «Beziehungen brauchen Zeit, doch wir sind auf einem guten Weg», zeigt sich Boo zuversichtlich.

Entstanden ist die Idee für das Mädchen*Angebot basierend auf einer Situationsanalyse durch informelle Gespräche, Interviews und Umfragen, die gezeigt haben, dass sich Mädchen in Emmen wieder ein Angebot wünschen, bei dem sie ganz unter sich sind. «Das Ziel war es, den Bedarf in der Gemeinde zu erheben und ein entsprechendes Angebot zu schaffen», erklärt Steffi Boo.

So gehts weiter

Im Moment richtet sich der Treff an Mädchen der 1. Oberstufe. «Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir das Mädchen*Angebot auf die 2. oder sogar 3. Oberstufe ausweiten», meint Projektleiterin Boo. Vorerst gelte es jedoch die Evaluation mit der Projektgruppe abzuwarten. Auch Dana und Jessica wünschen sich, dass sie im nächsten Schuljahr wieder Teil einer Projektgruppe sein dürfen. Denn nicht nur habe das gemeinsame Planen viel Spass gemacht, sie haben auch einiges dazugelernt. Das Beste am Mädchen*Angebot seien aber die vielen neuen Freundschaften, die Dana und Jessica geschlossen haben, da sind sich die beiden einig.

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Teilen Sie Ihn mit Freunden: