Kopf des Monats

Rita Pasquale


Projektleiterin Verein Munterwegs

Autorin: Larissa Brochella

«Zu sehen, was die Kinder Tolles erleben dürfen, und wahrzunehmen, wie sie sich verändern und weiterentwickeln, ist unglaublich schön.» – Rita Pasquale, Projektleiterin Verein Munterwegs Emmen. (Bild: lbr)

Seit 2013 ist Rita Pasquale Projektleiterin des Vereins Munterwegs in Emmen. Dieses Jahr heisst es Abschied nehmen – von den Kindern, den Mentorinnen und Mentoren und damit von einer Tätigkeit, die Pasquale sehr erfüllt hat. Doch was ihr bleiben wird, ist eine Fülle an schönen Erinnerungen und Erlebnissen.

Rita Pasquale erinnert sich noch ganz genau die Anfangszeit bei Munterwegs. Als neue Projektleiterin übernahm sie auch das Mentoring eines Jungen. «Bei unserem ersten Treffen hatte er eine lange Liste dabei, mit allem, was er mit mir unternehmen wollte», erzählt Pasquale lachend. Seine Mutter habe sich nur eines gewünscht: Dass ihr Sohn Radfahren lernt und den weiten Weg zur Schule nicht mehr zu Fuss zurücklegen muss. «Wir konnten aber schon bald damit anfangen, seine Wunschliste abzuarbeiten», besinnt sich Pasquale schmunzelnd, «Radfahren konnte er in Rekordzeit.»

Dieser Junge ist nur eines von vielen Kindern, die während den letzten acht Jahren und unter Pasquales Leitung im Verein Munterwegs unterstützt und ermutigt wurden. Über 90 Kinder und 80 Mentorinnen und Mentoren durfte Rita Pasquale in ihrer Zeit als Projektleiterin begleiten.

Rita Pasquale, was macht der Verein Munterwegs?

Der Verein Munterwegs baut Brücken zwischen Generationen und Kulturen. Er vermittelt freiwillige Mentorinnen und Mentoren mit Kindern, die Unterstützung und Anregung in ihrer Freizeitgestaltung brauchen. Während acht Monaten treffen sich die Freiwilligen zwei Mal monatlich mit den Kindern, wobei sie in ihren Aktivitäten sehr frei sind. Wichtig ist: Es soll Spass machen und das Munterwegs-Kind stärken. Auch nachdem das offizielle Mentoring abgeschlossen ist, halten viele unserer Freiwilligen den Kontakt zu den Kindern aufrecht.

Wieso braucht es den Verein Munterwegs?

Es gibt das Sprichwort «It takes a whole village to raise a child». Den Migrantinnen und Migranten fehlen hier in der Schweiz jedoch häufig die Verwandtschaft und der Freundeskreis, der sie unterstützt. Zudem sind sie beschäftigt damit zu arbeiten, eine neue Sprache zu lernen und sich in einer neuen Heimat und Kultur zurechtzufinden. Den Kindern wollen wir Unterstützung bieten und sie spielerisch und leicht in unsere Kultur und Bräuche einführen. Durch unsere Mentoringtätigkeit können wir den Eltern der Kinder ausserdem die Angst davor nehmen, von anderen Angeboten Gebrauch zu machen, zum Beispiel von Deutschsprachkursen.

Wie sind Sie Projektleiterin des Vereins geworden?

Die damalige Projektleiterin, Karin Lindner, hatte mich angefragt, ob ich die Projektleitung in Emmen übernehmen würde. Als gelernte Erwachsenbildnerin mit Erfahrung im Asylwesen passte die Stelle gut zu mir. Ausserdem bereitet mir die Arbeit mit Menschen grosse Freude.

Sie sind also direkt als Projektleiterin eingestiegen?

Ja, aber für die ersten zwei Jahre übernahm ich selbst ein Mentoring. Auch um zu sehen, wo die Mentorinnen und Mentoren Herausforderungen begegnen und wie ich sie in ihrer Tätigkeit bestmöglich unterstützen kann. Als Projektleiterin war ich neben der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit hauptsächlich für die Rekrutierung und Betreuung der Freiwilligen und Kinder zuständig.

«Es ist schön, dass wir mit dieser Arbeit so viel bewirken können.»


Rita Pasquale

Was gefällt Ihnen besonders an dieser Arbeit?

Menschen zu vermitteln, die sich sonst nicht begegnen würden. Vor allem sehr kleine Kinder haben vorwiegend Kontakt zu ihrer eigenen Familie. Ich möchte ihnen den Anschluss an andere Kinder in der Schule und der Gemeinde erleichtern. Deshalb suchen wir nach Abschluss des Mentorings jeweils nach Übergangslösungen. Das können zum Beispiel Vereine oder andere Freizeitangebote sein, wo die Kinder Kontakte knüpfen können.

Wie wird man Mentorin oder Mentor bei Munterwegs?

Wir suchen im Frühling jeweils aktiv nach Freiwilligen für das nächste Schuljahr. Häufig sind unsere Mentorinnen und Mentoren entweder Studentinnen und Studenten oder bereits im Rentenalter. Dann folgen erste Infoabende und ein persönliches Kennenlernen. Man braucht keine Qualifikationen, um bei uns ein Mentoring zu übernehmen - bloss ein grosses Herz für Kinder. Natürlich überprüfen wir unsere Freiwilligen gründlich: Wir holen Referenzen ein und sie müssen einen Strafregisterauszug abgeben. Ausserdem haben wir klare Regeln für den Umgang mit den Kindern und kommunizieren diese von Anfang an deutlich.

Mitmachen

Du möchtest beim Verein Munterwegs Mentor oder Mentorin werden? Im Herbst 2021 startet ein neues Mentoringprogramm mit einer neuen Gruppe. Interessierte können am nächsten Informationsabend am 25. August 2021 von 19 bis 20 Uhr teilnehmen.

Schuldienste Emmen

Gerliswilstrasse 21

6020 Emmenbrücke

Was waren für Sie die schönsten Momente als Projektleiterin?

Die Auswertung am Ende des Mentorings ist immer sehr berührend. Während des Jahres führen unsere Freiwilligen Tagebuch, in dem sie und die Kinder mit Zeichnungen, Fotos und Text festhalten, was sie gemeinsam unternommen haben. Zu sehen, was die Kinder Tolles erleben durften, und wahrzunehmen, wie sie sich verändern und weiterentwickeln, ist unglaublich schön.

Und welche Erfahrung hat Sie besonders geprägt?

Eine Frau konnte sich mit Hilfe der Mentorin ihres Kindes aus einer gewalttätigen Beziehung lösen. Es ist schön, dass wir mit dieser Arbeit so viel bewirken können, doch für die Freiwilligen sind solche Situationen sehr belastend. Deshalb ist eine enge Begleitung, inklusive Coachings und Weiterbildungen, auch so wichtig.

Warum treten Sie als Projektleiterin zurück?

Bei mir steht schon bald die Pension an. Ausserdem wird es Zeit für etwas frischen Wind im Verein. Wir haben zwei tolle Frauen am Start, welche die Projektleitung übernehmen und mit ihren Erfahrungen spannende neue Möglichkeiten für den Verein schaffen werden.

«Es war eine erfüllende Tätigkeit, die sehr nahe am Leben ist.»


Rita Pasquale

Wie blicken Sie auf Ihre Zeit beim Verein Munterwegs zurück?

Es war eine erfüllende Tätigkeit, die sehr nahe am Leben ist. Die vielen engagierten Mentorinnen und Mentoren kennenzulernen und die Kinder aufblühen zu sehen, war wundervoll. Ich werde gerne und mit viel Freude auf diese Zeit zurückblicken.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Vereins?

Dass sich noch viel mehr Menschen aus Emmen beim Verein Munterwegs engagieren und wir weiterhin auf die Unterstützung der Gemeinde zählen können. Dass es Angebote wie dieses gibt – und das kostenlos – ist unglaublich wichtig.

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