Wabenblicke

Imkern: Ein Engagement für die Zukunft


Bienen. Federleicht und klein. Ihre ökologische Bedeutung aber ist gross. Sie zählen zu den wichtigsten Bestäubern und manch einer erfreut sich ab dem flüssigen Gold, sei es auf dem Butterbrot, im Tee oder im Müsliriegel. Severin Elvedi, passionierter Imker, erzählt über sein intensives Hobby.

Autorin: Jeannine Cirinesi

Imker Severin Elvedi beim Kontrollieren einer Bienenwabe. (Bild: jci)

Rothenburg Wahligen. Unweit des weitläufigen Areals der Auto AG Rothenburg führt ein kleiner Weg entlang des Waligenwäldli. Nach ein paar Schritten zeigt sich ein winziges Holzhäuschen. Umgeben von einem einfachen, aber robusten Zaun, verwachsen mit Efeu. Es erinnert in vielerlei Hinsicht an ein Gartenhäuschen. «Das war früher ein Kioskhäuschen», erklärt Imker Severin Elvedi. Er ist der Besitzer der zum Bienenhaus umfunktionierten Hütte. Wo früher ein Verkaufstresen war, herrscht heute das fleissige Treiben der Bienen.

Mehr als nur ein Hobby

«Oft hat man in der Familie jemanden, der imkert», erzählt Elvedi. Bei ihm war das nicht so. Sein grosses Interesse am Organismus Bienenvolk habe ihn zur Imkerei geführt, angefangen 2010 mit einem Grundkurs, bei dem er das Handwerk des Imkers erlernte. «Dieser ist sehr zu empfehlen, da das Imkern doch mehr ist, als ein Volk hinzustellen und Honig zu ernten», erklärt Elvedi.

Gestartet hat er damals mit freistehenden Magazinen im Haslimoos. Bis er dann im Imkerverein angefragt wurde, ob er den Standort in Wahligen weiterführen möchte. Heute betreut Severin Elvedi bis zu 15 Bienenvölker, verteilt auf drei verschiedene Standorte. Zusätzlich hat er sich noch zum Berater weitergebildet und bildet im Lehrbienenstand Riffigweiher Jungimker aus.

«Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn man so einen gefüllten Honigraum mit zirka 20 Kilogramm ernten kann.»


Severin Elvedi, Imker

Ein ausgeklügeltes System

Ein klassisches Bienenhaus hat Schränke, die man von hinten aufmacht, sogenannte Schweizerkasten. Bei Severin Elvedi ist das anders. Er hat Magazine, welche an allen drei Standorten (Schluchenmoos, Wahligen und Sempach Station) eingesetzt werden können. So kann er ein Volk beliebig verschieben. Jedes Magazin besteht aus mehreren Stockwerken, den Zargen. Die unteren zwei Zargen bilden die Wohnung (Brutraum), die obere den Honigraum (Vorratskammer). Je nach Saison kann er den Honigraum aufstocken, damit mehr Honig eingelagert werden kann.

Abgesehen von einem leichten Summen hie und da ist es im Bienenhaus erstaunlich leise. Erstaunlich deshalb, weil in der Hochsaison (Mitte Juni) ein Volk immerhin bis zu 70 000 Bienen und eine Königin umfasst. «Die männlichen Bienen, Drohnen genannt, sind mit 5000 bis 10 000 Stück in der Unterzahl», erläutert Imker Elvedi. «Ihre Aufgabe aber ist ebenso bedeutsam. Sie sorgen für Harmonie im Volk und sind für die Fortpflanzung wichtig.» Elvedi führt aus, dass die Paarung mit der Königin aus­serhalb des Magazins erfolge, auf dem sogenannten Hochzeitsflug der Königin. «So wird die Gefahr von Inzucht vermindert.» Nach dem Hochzeitsflug legt die Königin befruchtete und unbefruchtete Eier. «Im Mai und Juni legt eine Königin täglich bis zu 2000 Eier. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen Weibchen und aus den unbefruchteten Männchen», sagt der Imker.

Hervorragender Orientierungssinn

Bienen haben je nach Lebenslage abgestimmte Aufgaben. Eine frisch geschlüpfte Biene kann zum Beispiel noch nicht fliegen, also übernimmt sie Aufgaben wie die Reinigung des Stocks oder die Pflege der Brut (Maden füttern mit Honig, Pollen und Gelée royal). Als nächste Stufe erfolgt dann die Aufgabe als Baubiene. Kann die Biene fliegen, übernimmt sie die Rolle der Sammlerin.

Bienen können das polarisierte Licht der Sonne wahrnehmen. «Daran orientieren sie sich wie an einer Sternkarte, die am Tag funktioniert», illustriert Severin Elvedi. Damit die Biene ihr Zuhause wiederfindet, fliegt sie sich ein. Dies geschieht, indem die Flugbiene den Stock verlässt, sich gegen das Bienenhaus richtet und auf und ab sowie von links nach rechts fliegt. Zum Schluss führt sie einen Spiralflug bis in fünf Meter Höhe aus. Nach diesem «Einflug» weiss die Biene, wo ihr Zuhause ist und startet mit dem Sammeln von Nektar.

Fein abgestimmter Produktionsbetrieb

«Bienen kennen keine Nachtruhe, sondern schlafen immer wieder bis zu 30 Minuten lang», erzählt Imker Elvedi. Die fleissigen Insekten können bis zu sieben Kilometer weit fliegen, um Nektar zu sammeln. Den Nektar (Zuckerwasser) transportieren sie im Honigmagen nach Hause. Nektar hat einen Wassergehalt von bis zu 90 Prozent. Zu Hause angelangt, übergibt die Sammelbiene den Nektar an eine Arbeiterbiene vom Stock.

Erst durch das abermalige Schlucken des Nektars in den Honigmagen und das Beimischen von Enzymen entsteht Honig. Bis zu 80-mal wird der Nektar ausgegeben und wieder eingenommen, bis schlussendlich Honig entsteht. Dieser Prozess dauert in der Regel eine Woche – je nach Situation. «Wenn gerade ein Apfelbaum oder eine Blumenwiese in voller Pracht blüht, konzentrieren sich Bienen auf das Sammeln von Nektar», bemerkt Severin Elvedi. «Die Verarbeitung zu Honig geschieht dann erst in der Nacht oder am Tag darauf, wenn wegen schlechten Wetters nicht ausgeflogen werden kann.»

Damit der Honig nicht gärt, müssen die Bienen den Wassergehalt auf unter 20 Prozent reduzieren. Dies geschieht einerseits durch die abermalige Ein- und Ausgabe, aber auch durch die kontrollierte Feuchtigkeit im Stock. Bienen schlagen mit ihren Flügeln Luft in oder aus dem Stock. Dafür stehen sie auf der Anflugschneise und wedeln mit den Flügeln. Auch die Temperatur können sie so präzise regulieren. Durch das «Winden» wird es kühler und durch kontrolliertes Zittern der Brustmuskulatur können sie heizen. «Vor allem im Winter ist dies eine wichtige Aufgabe», betont Imker Elvedi und ergänzt: «Bienen überwintern bei konstant 25 Grad Celsius, sonst würde die Königin sterben. Die Wärmebildung wird auch als Verteidigung eingesetzt. Hornissen beispielsweise werden so lange umringt, bis sie einen Hitzetod erleiden.»

Imker Severin Elvedi beim Kontrollieren einer Bienenwabe. (Bild: jci)

Severin Elvedi in seinem Bienenhaus in Wahligen. (Bild: jci)

Schwarmfänger im Kanton Luzern

Sie haben einen Bienenschwarm gefunden und suchen einen Imker, um diesen einzufangen? Unter diesem Link finden Sie eine Liste von Schwarmfängern nach Gemeinden geordnet.

Die Natur als Wegweiser

Severin Elvedis Hobby orientiert sich nicht an einem Terminplan, sondern an der Natur. Wenn im Februar der Hasel blüht, startet die Königin mit dem Eierlegen. Für den Imker heisst das, jedes Volk wird kontrolliert. Hat es den Winter gut überstanden? Sind die Bienen noch da und sind sie gesund?

Ende Mai / Anfang Juni kann der Imker den Blütenhonig ernten. Von Mitte Juni bis Ende Juli gibt es für die Imker weniger zu tun. Die Bienen sind mit dem Sammeln von Nektar beschäftigt. Erst Ende Juli wird dann der Waldhonig geerntet. Im August werden die Bienen mit Ameisensäure gegen Milben behandelt. Und ab Oktober startet die Winterruhe. Die Klappen der Fluglöcher bleiben das ganze Jahr offen. Nur im Winter werden sie verkleinert, damit natürliche Feinde wie die Spitzmaus nicht reingehen.

Severin Elvedis Lieblingsaufgabe ist die Betreuung der Völker. Magazine öffnen, anschauen, kontrollieren. «Honig ernten ist auch schön, aber es ist sehr viel Fleissarbeit», erzählt er und führt aus: «Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn man so einen gefüllten Honigraum mit ca. 20 Kilogramm ernten kann.»

Severin Elvedi ist übrigens Siegelimker. Er wird alle vier Jahre zusätzlich kontrolliert, damit er das Goldsiegel am Honigglas anbringen darf. Wer Severin Elvedi in persona treffen möchte, kann das am jährlich stattfindenden Emmer Weihnachtsmarkt bei der Kirche Gerliswil machen.

Wissenswertes von der Biene

Nichts für Kleinkinder

Honig besteht hauptsächlich aus Zucker und ist ein sehr reines Produkt mit vielen Spurenelementen. Es enthält gute Bakterien, womit Säuglinge und Kleinkinder allerdings nicht umgehen können, weil deren Immunsystem noch zu wenig ausgereift ist. Honig ist unter zwei Jahren deshalb nicht zu empfehlen.

Verhängnisvoller Stich

Bienen sind in der Regel nicht aggressiv und stechen nur, um sich zu verteidigen. Sticht die Biene einen Menschen oder ein Säugetier, bleiben Stachel samt Giftblase wegen des Wiederhakens in der vergleichsweise dicken Haut stecken. Durch den Verlust des Körperteils stirbt die Biene in der Regel nach wenigen Tagen. Sticht die Biene ein anderes Insekt, kann sie den Stachel wieder herausziehen und bleibt am Leben.

Bienensterben

Es ist bis heute nicht vollständig geklärt, was für das Bienensterben verantwortlich ist. Imker Severin Elvedi vermutet als Ursache eine Kombination verschiedener Faktoren: Milben, der Einsatz von Pestiziden und Fungiziden in der Landwirtschaft und die Überzüchtung der Bienen.

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