Nachhaltige Versorgung

Das Fernwärmenetz in Emmen wird ausgebaut


Die Fernwärme Luzern AG blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2020 zurück. Im Fokus des laufenden Jahres steht der Fernwärmeausbau in Emmen Dorf. 31 Millionen Franken werden hierfür investiert – die Ausbaupläne in der Gemeinde gehen aber noch weiter.

Autorin: Jeannine Cirinesi

Geplanter Ausbau der Fernwärmeversorgung für Emmen Dorf und Armasuisse. (Bilder: ewl energie wasser luzern)

1998 gründete die Gemeinde Emmen zusammen mit dem Gemeindeverband REAL Recycling Entsorgung Abwasser Luzern die Gesellschaft Fernwärme Emmen AG und nutzte die Abwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage Ibach für die Wärmeversorgung in Emmen.

Verschiedene Liegenschaften, darunter das Schulhaus Meierhöfli, das Schwimmbad Mooshüsli, diverse Liegenschaften in der Feldbreite oder auch das Emmen Center und das Wohncenter, wurden an das Fernwärmenetz angeschlossen. Bereits seit 2003 ist der Werkhof an der Sedelstrasse am Netz, seit 2012 das Verwaltungsgebäude an der Rüeggisingerstrasse.

Win-win-Situation

«Mit dem Umzug der Kehrichtverbrennungsanlage nach Perlen ergab sich eine Situation der Neuorientierung», erklärt Rolf Samer, Geschäftsführer der Fernwärme Luzern AG. «Emmen hatte ein Fernwärmenetz, jedoch keine Fernwärmequelle mehr, und bei Perlen gab es eine Wärmequelle, jedoch kein Wärmenetz.» Mit einer Beteiligung von 50 Prozent wurde ewl energie wasser luzern 2012 Aktionär, es entstanden neue Ausbaupläne und schlussendlich anerbot sich ein Namenswechsel zu Fernwärme Luzern AG mit neuem Domizil in Luzern.

«Bis 2025 sind weitere Fernwärmenetz-Verdichtungen in Emmen geplant. Unter anderem in den Gebieten Unterdorf inklusive RUAG-Areal, Rüeggisingen West und Ost.»


Rolf Samer, Geschäftsführer Fernwärme Luzern AG

Aktuell werden 31 Millionen Franken in den Ausbau des Fernwärmenetzes in Emmen Dorf investiert. Das notwendige Fremdkapital wird durch ewl zugesichert. «In einer ersten Etappe vom Sommer 2021 bis Herbst 2022 erfolgt der Netzausbau via Kirchfeldstrasse für das Armasuisse-Areal und für das Gebiet um die Kasernenstras­se. Die erste Wärmelieferung ist auf den Herbst 2022 geplant», erklärt Rolf Samer. «Bis 2025 sind weitere Fernwärmenetz-Verdichtungen in Emmen geplant. Unter anderem in den Gebieten Unterdorf inklusive RUAG-Areal, Rüeggisingen West und Ost.»

Eine nachhaltige Lösung

Mit dem Einsatz von industrieller Abwärme für die Wärmeversorgung lassen sich fossile Energieträger reduzieren und die CO2- und Schadstoffemissionen werden minimiert. «Ein weiterer Vorteil ist die Unabhängigkeit vom Ausland», erklärt Samer. «Da Fernwärme regional produziert wird, entfallen Transportwege und die Wertschöpfung bleibt in der Region. Dadurch wird nicht nur umweltschonend Energie gefördert, sondern auch die regionale Ökonomie gestärkt.»

Und sollten die aktuell genutzten Wärmequellen wegfallen, was dann? «Es besteht die Option, Holz oder Umweltwärme zu nutzen, wie zum Beispiel die Abwärme der ARA oder Geothermie», antwortet Rolf Samer. Könnte Fernwärme also die Lösung für all unsere Energieprobleme sein? Samer relativiert: «Fernwärme ist ein leitungsgebundenes Versorgungssystem und steht nicht überall zur Verfügung. Entscheidend ist der Standort im Versorgungsgebiet.»

Die Fernwärme Luzern AG hat grosse Zukunftspläne. Rund 170 Millionen Franken sollen insgesamt investiert werden, damit das Netz in den Gemeinden Buchrain, Dierikon, Emmen und Root sowie in den Luzerner Stadtteilen Littau und Reussbühl weiter ausgebaut und verdichtet werden kann.

Was ist Fernwärme?

Fernwärme bedeutet, dass die Wärmeerzeugung nicht unmittelbar am Ort des Verbrauchs geschieht. Die Funktionsweise kann mit der einer riesigen Zentralheizung verglichen werden. Statt in einzelnen Gebäuden wird für eine ganze Region zentral Wärme erzeugt. Und so funktioniert es: Bei der zentralen Wärmeproduktion wird Wasser für das Fernwärmenetz aufgeheizt. Das heisse Wasser wird über ein gut isoliertes Rohrleitungsnetz zu den Wärmeempfängern transportiert, wo dem Wasser die Wärme entzogen und diese an das Heizungsnetz des Gebäudes übergeben wird. Das abgekühlte Wasser fliesst zurück zur Wärmequelle und wird dort wieder aufgeheizt.

Fernwärme im Haushalt nutzen?

Auch private Haushalte können Fernwärme beziehen. Entscheidend ist der Standort der Liegenschaft im Einzugsgebiet des Fernwärmenetzes. Als weiteres Kriterium gilt eine hydraulische Heizverteilung im Gebäude. Interessierte finden über folgenden Link Informationen zur Fernwärme und Kontakt zur Beratung:

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