Unterricht im Meierhöfli

«Die spielen ja nur ...»


Es ist Ende Mai. Eigentlich ist es Zeit für die 6.-Klässler, ins Klassenlager zu fahren. Doch statt ruhigen Gängen und leeren Klassenzimmern trifft man die Abschlussklassen des «Meierhöfli» beim Spielen an. Zeitvertreib? Welche Bedeutung hat das Spiel in den oberen Schulstufen und was lernen Kinder, die einfach «nur spielen»?

Autorin: Annette Rüedi

Die Freude am Spielen zieht sich vom Kinder­ garten bis in die oberen Schulstufen – aus guten Gründen. (Bild: zvg)

Für die 6.­-Klässler von Andrea Glanzmann, Viviane Schmid und Zita Eichhorn sind es die letzten paar Wochen im Schulhaus Meierhöfli. Da wegen Corona das Klassen­ lager frühzeitig abgesagt werden musste, durften sich die Schülerinnen und Schüler ein Spezialprogramm für diese Woche aus­ suchen. In einer Abstimmung erhielt das Thema «Spielen» die meisten Stimmen. Lehrerin Viviane Schmid ist nicht über­ rascht: «Wir merken, dass das gemeinsame Spielen auch in höheren Klassen immer noch extrem geschätzt wird.»

Spielen als Teil des Unterrichts

Die Freude am Spielen zieht sich vom Kin­dergarten bis in die oberen Schulstufen. Die Lernenden Florian, David und Aleksandra lieben die Spiele in ihrem Unterrichtsalltag. So wird zum Beispiel im Sportunterricht besonders viel gespielt. Bewegungsspiele im Schulzimmer lockern den Unterricht auf und heben die Stimmung. Lerninhalte werden mit verschiedenen Spielen auto­matisiert und vertieft. Pantomime, Me­mory, Tabu sind nur einige von vielen Varianten, welche die Lernprozesse auf lustvolle Weise unterstützen. Dabei erleben die Lehrpersonen ihre Schülerinnen und Schü­ler als motiviert und ehrgei­zig. Wer möchte denn nicht gewinnen?

«Es macht grossen Spass, die cleveren Spielzüge von Schülerinnen und Schüler zu beobachten und von ihren Fähigkeiten überrascht zu werden.»


Andrea Glanzmann, Lehrerin im Meierhöfli

Spielen macht schlau

Die 6.­Klässler vom «Meier­höfli» wissen, dass Spielen nicht nur Zeitvertreib ist. Florian erklärt: «Beim Kartenspielen werden wir schlau, weil wir viel nachdenken und Strategien entwickeln müssen.»

Kinder, die viel und intensiv spielen, eig­nen sich unbewusst viele Fähigkeiten an. Bildungsforscher Armin Krenz betont, dass es sich um Fähigkeiten und Fertigkeiten handelt, die für einen Schulbesuch erfor­derlich sind. Dazu gehört zum Beispiel, seine Gefühle zu regulieren sowie Enttäu­schungen und Misserfolge aushalten zu können. Gewinnen und Verlieren müssen gelernt sein. Des Weiteren hören Kinder einander besser zu, sind kooperativer, leis­ten bessere Zusammenarbeit, übernehmen Verantwortung und lernen Regeln zu ver­stehen und einzuhalten. Fairness ist dabei ein grosses Thema.

Aber nicht nur soziale Kompetenzen wer­den gefördert. Spielen bedeutet auch, sich über längere Zeit konzentrieren zu können. Die Kinder müssen geduldig sein, schnell reagieren, logisch denken, krea­tiv sein und sich Dinge merken können. Lehrerin Andrea Glanzmann meint: «Es macht grossen Spass, die cleveren Spielzüge von Schülerinnen und Schülern zu beobachten und von ihren Fähigkeiten überrascht zu werden.»

Die Freude am Miteinander

Damit ein Spiel gelingt, müssen sich alle an die Regeln halten. Indem alle am gleichen Strang ziehen, entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Nun, da Florian, David und Aleksandra das «Meierhöfli» nach sechs Jahren Schulzeit verlassen, löst das Abschied­ nehmen von Bekanntem nebst Freude ein Gefühl von Nervosität und Unsicherheit aus. In einem Punkt sind sich alle einig: «Wir haben viele gute Freunde gefunden und hoffen, sie möglichst oft wiederzuse­hen.»

Das «Meierhöfli» wird ihnen wegen der vielen lustigen Momente, der Ausflüge und der Sport­ und Malstunden in Erinnerung bleiben. Geprägt wurde diese Zeit durch Freunde und Lehrpersonen. An dieser Stelle wünscht das Schulhaus Meierhöfli allen Schulhausabgängerinnen und ­-abgängern einen guten Start in die Oberstufe und viel Erfolg auf dem weiteren Weg.

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