Kopf des Monats

Monika Ballerini


Hundetrainerin und Dogdancerin

Autorin: Larissa Brochella

«Eineinhalb bis zwei Jahre dauert es, bis eine Choreo geplant und engeübt ist.» (Bild: lbr)

Dogdance ist eine in der Schweiz noch eher unbekannte Hundesportart, für die Monika Ballerini vor 15 Jahren lediglich ein unverständliches Kopfschütteln übrighatte. Heute praktiziert die renommierte Hundetrainerin selbst Dogdance und das mit grossem Erfolg.

«I want to break free…» dröhnt es aus den Boxen in der mit Kunstrasen bekleideten Halle in Littau, wo Monika Ballerini ihre 2003 gegründete Hundeschule «Moxe» leitet. Ihre sechsjährige Border-Hündin Jeani flitzt zum berühmten Song von Queen mal in Kreisen, mal in Form einer Acht umher, macht lustige Figuren, räkelt sich auf dem Boden und ist dabei mit der Aufmerksamkeit immer voll bei ihrem Frauchen. Noch sitzt die Choreo nicht ganz, doch bis zur Qualifikation für die nächsten Crufts, ein wichtiges Dogdance-Turnier in England, ist noch etwas Zeit, um sie zu perfektionieren.

«Eineinhalb bis zwei Jahre dauert es, bis eine Choreo geplant und engeübt ist», meint die erfolgreiche Hundetrainerin aus Emmen. Die Tricks bringt sie den Hunden alle einzeln bei, zuerst mit Handzeichen, dann mit Wortsignalen. Ballerini hat sich bereits mit vier ihrer Hunde an Dogdance-Turnieren beteiligt und dabei ansehliche Erfolge feiern dürfen. Als einzige Hundetrainerin in der Schweiz hat sie gleich in drei Kategorien - Dogdance, Obedience und Sanitätshund - bereits mehrere Titel abgeräumt.

«Man lernt den Hund auf unvergleichbare Weise kennen und verstehen und auch das Vertrauen zwischen Mensch und Tier wird gestärkt.»


Monika Ballerini, Hundetrainerin und Dogdancerin

Monika Ballerini, wie sind Sie zum Dogdance gekommen?

Ich bilde bereits seit 2003 in meiner eigenen Schule Hunde in der Disziplin SanH Hunde und Obedience (Gehorsam, Anm. d. Red.) aus. Zu dieser Zeit hätte ich nie gedacht, dass ich jemals Dogdance ausüben, geschweige denn andere Hundehalter und ihre Tiere darin ausbilden würde. Doch dann ist meine Border Collie Hündin Cassy erkrankt und wir konnten das Sanitätstraining nicht weiter fortsetzen. Eine damalige Kundin, die selbst Dogdance praktizierte, hat mir schliesslich vorgeschlagen, ich solle es doch einfach mal ausprobieren.

Worum handelt es sich beim Dogdance?

Dogdance ist in meinen Augen kein allzu glücklicher Name für diese Sportart. Darunter kann man sich nur schlecht vorstellen, was das tatsächlich beinhaltet. Für mich ist es weniger ein Tanz, als eine choreografische Zusammenstellung von einzelnen Kunststücken. Das kann auch in Form von einer Geschichte gemacht werden, wie ich es für die diesjährige Qualifikation für die Crufts mit meiner Hündin Jeani machen werde.

Was fasziniert Sie daran?

Als ich mit Dogdance angefangen habe, durfte ich feststellen, wie viel kreativer man auf den Hund eingehen kann, als dies in anderen Hundesportarten der Fall ist. Auch steckt viel mehr Arbeit dahinter, als man auf den ersten Blick erahnen würde. Es gibt wenige Hundesportarten, in denen der Hund in so kurzer Zeit so viele Kommandos umsetzen muss. Dogdance ist ausserdem sehr abwechslungsreich: Regelmässig lerne ich neue Choreografien und führe zu neuer Musik auf, so kann ich dem Hund die Möglichkeit bieten, sich immer weiter zu entwickeln.

Dogdance basiert auf einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier. Wie verändert das die Beziehung zum Hund?

Man lernt den Hund auf unvergleichbare Weise kennen und verstehen und auch das Vertrauen zwischen Mensch und Tier wird gestärkt. Es ist wichtig, dass man auf den Hund eingeht, seine Reaktionen versteht und seine Stärken und Schwächen kennt. Gewisse Hunde werden auch mit konsistentem Training in ihrer Disziplin nie an die Spitze kommen. Das muss man akzeptieren, sonst überfordert man das Tier.

Sie dürfen schon einige Erfolge im Dogdance zählen. Was sehen Sie für sich noch in Zukunft?

Mit Jeani werde ich hoffentlich noch an einigen Dogdance-Turnieren teilnehmen dürfen. Dass wir zusammen auftreten können, hat jahrelange Arbeit vorausgesetzte, um Jeani überhaupt gesellschaftstüchtig zu machen. Vorher hatte sie grosse Angst und hätte die Zuschauer nur angebellt, was natürlich nicht optimal ist (lacht).

Was macht Sie so erfolgreich?

Ich denke, meine Anpassungsfähigkeit an die Stärken und den Charakter des Hundes ist ein grosser Vorteil. Ich gehe auf den Hund ein, kann seine Signale lesen und entwickle mich mit ihm. Während des Turniers ist es ausserdem sehr wichtig, dass die Hunde die Tricks auf Kommando ausführen, auch dann, wenn du mit dem Rücken zu ihnen gewandt bist. Im Training versuche ich deshalb möglichst früh von Handsignalen zu Wortsignalen überzugehen. Immer alles mit einem Handzeichen orchestrieren zu müssen, ist nämlich ein grosses Hindernis.

Wie hilfreich sind dabei ein gutes Rhythmusgefühl und Tanzerfahrung auf Seiten des Frauchens?

Früher habe ich selbst Tango getanzt und Elemente dieses Tanzes auch in eigenen Choreos eingebaut. Trotzdem hätte ich vor einigen Jahren noch gesagt, dass die tänzerischen Fähigkeiten des Hundehalters für diese Sportart keine grosse Rolle spielen. Doch immer mehr wird in der Bewertung auch die Grazie in den Bewegungen und das Konzept, also die Passung von Choreografie und Musik, beachtet. Heute fokussiere ich mich häufig auf das Erzählen von Geschichten und nutze dafür diverse Requisiten. So habe ich es bisher geschafft, mit der jüngeren Generation mitzuhalten.

Was war bisher ihr grösster Erfolg?

Eindrücklich war sicher, als ich an der WM in Moskau mit Breeze einen Tango aufgeführt habe und damit den 6. Platz erreichte. Von meiner letzten Aufführung an den Crufts haben sich ausserdem viele inspirieren lassen und seither ähnliche Distanz Formen in ihren Choreografien inszeniert. So konnte ich mit einer neuen, kreativen Idee die Dogdance-Welt prägen.

Gab es auch enttäuschende Momente?

Natürlich, aber nie, weil die Performanz des Hundes nicht gut war. Das Können des Hundes ist immer ein Geschenk, das darf man nicht vergessen. An der Schweizermeisterschaft in St. Gallen hatte mein Papillon Amari kurz vor dem Start etwas Schlechtes gegessen und wir konnten nicht teilnehmen, das fand ich wirklich schade. Man muss aber immer aufpassen, dass man die eigenen Gefühle nicht am Hund auslässt.

Haben Sie eine Lieblingschoreo?

Ich habe sogar zwei. Die eine ist ein Walzer, den ich mit meiner verstorbenen Hündin Cassy aufgeführt habe. Es war mein erstes volles Werk und wir sind damit an der Europameisterschaft in Holland ins Finale eingezogen, wo wir sogar den 9. Platz erreicht haben. Wir waren ein tolles Team, gefühlsmässig kommt dem nichts mehr nahe. Meine neuste Choreo mit Jeani ist eine der lustigsten, die ich mir je ausgedacht habe. Ich freue mich bereits auf die Reaktionen der Zuschauer.

Kürzlich haben Sie in einem Interview erwähnt, dass Sie dieses Jahr wohl zum letzten Mal mit Ihrem Hund Breeze antreten. Wie fühlen Sie sich dabei?

Das tut schon etwas weh und macht melancholisch. Diese Hunde besitzen ein riesengrosses Wissen, das einfach in Vergessenheit gerät. Trotzdem ist es notwendig für die Gesundheit des Tieres, den Zeitpunkt zur Pension zu erkennen. Ich freue mich, dass ich mit Jeani noch etwas weitermachen darf, aber sie wird wohl meine letzte Dogdance-Hündin sein.

Hundeschule «Moxe»


Seit 2003 führt Monika Ballerini ihre Hundeschule «Moxe» in Littau. Sie bietet verschiedene Kurse an, so zum Beispiel im Bereich Obedience, Dogdance, Nadac und mehr. Mehr unter www.moxe.ch.

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