Emmen Schule

Das 100-Jährige, das sein 100-Jähriges nicht feierte ...


Die Vorfreude war riesig. Die Enttäuschung ebenfalls. Im Mai dieses Jahres hätte das 100-jährige Bestehen des Schulhauses Emmen Dorf mit einer grossen Feier zelebriert werden sollen. Corona machte der akribischen Vorbereitung allerdings einen Strich durch die Rechnung. Dennoch: Nicht alles war umsonst. Und die Feierlaune steigt bereits wieder.

Autorin: Liliane Wiler

Elf Kinder und ein Schulhaus: zweimal 100 Jahre alt. (Bilder: zvg)

«Eigentlich würdest du heute nicht zu Hause sitzen und diese Zeilen lesen. Eigentlich wärst du seit Anfang der Woche voll beschäftigt und könntest jetzt ‹Jubiläum› oder ‹100› schon fast nicht mehr hören. Eigentlich würdest du dich gerade jetzt wieder über das Wetter aufregen und denken, dass es nach dieser langen Schönwetterphase auch an diesem Wochenende hätte schön und warm sein können. So gemein! Aber: Jetzt ist alles anders, und du kannst das Wochenende ganz stressfrei geniessen, in Ruhe an all die tollen Aktivitäten, die Bratwürste oder El Ritschi denken. Aber: Wir werden im kleinen Rahmen feiern. Die Kinder sollen ihre Bühne für ihre möglichen Produktionen, Videovorführungen, eine Disco und vieles andere haben, dazu ein grosses Zvieri-Buffet.»

Post mit etwa diesen Worten lag am 1. Mai 2020 in den Briefkästen der Lehrpersonen und Mitarbeitenden des Teams «Emmen Dorf». Wohl mit etwas Wehmut verbunden, Enttäuschung oder vielleicht einer kleinen Träne in den Augen, denn das grosse Jubiläumsfest wurde aufgrund der Coronakrise abgesagt.

Die Vorbereitung

Am 2. Mai 2019 begannen die Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr. An einem Denktag in den Osterferien wurden im Team Ideen gesammelt und ein Grobprogramm entworfen. Ab dann liefen die Abklärungen, die Vorbereitungen, die Reservationen – die unglaublich vielen kleinen Dinge, welche es für ein gebührendes Fest ebenso braucht.

Als am 19. August das Jubiläumsschuljahr eröffnet wurde, versprachen wir den Kindern ein Jahr mit vielen Highlights: «In diesem Schuljahr werden wir verschiedene tolle Sachen mit euch machen. In euren Klassen, aber auch mit allen im ganzen Schulhaus. Und am 1. und 2. Mai 2020 wird es dann ein sehr grosses Fest geben. Da laden wir viele Leute ein und werden ihnen unser Schulhaus vorstellen, ihnen zeigen, was wir gelernt oder geübt haben, wir werden spielen und essen und einfach feiern, dass wir soooo alt sind.»

«All die Arbeit, welche in diesen Anlass investiert wurde, war einfach umsonst.»

Der Rückbau

Nachdem Anfang März 2020 klar wurde, dass das 100-Jahr-Jubiläum der Schule Emmen Dorf nicht so gefeiert werden konnte, wie es seit einem Jahr geplant wurde, begann der Rückbau des Festes: Zelte, Künstler, Helferinnen und Helfer, Catering, Marktstände, Bratwurstbestellung – alles wurde wieder abgesagt. Und all die Arbeit, welche in diesen Anlass investiert wurde, war einfach umsonst. Oder fast – denn die Vorfreude und das bereits Erlebte bleiben uns erhalten.

Die Enttäuschung – aus Sicht unserer Lernenden

Die Schülerinnen und Schüler bekamen die Aufgabe, auf eine Karte zu schreiben oder zu zeichnen, worauf sie sich denn am meisten gefreut hätten. Da sah man, dass die Freude auf das Festwochenende riesig gewesen war – und die Enttäuschung ebenfalls. Nicht nur die Absage der Projektwoche war oft zu lesen, sondern auch immer wieder die verpassten Aufführungen und Produktionen oder ganz einfach das gemeinsame Feiern.

Das Jubiläumsjahr

Während des ganzen Jahres fanden immer wieder Anlässe statt, an denen das Jubiläum im Zentrum stand. So auch die Foto-Aktion (am ebenfalls abgesagten Tag der Volksschule), an dem sich immer eine Gruppe von Menschen mit dem zusammengezählten Alter von 100 Jahren in einem goldenen Rahmen fotografieren liess. Trotz fehlender Gäste entstanden eindrückliche Bilder: Überraschend, wie viele Kinder in einen Rahmen passen, um dasselbe Alter wie unser Schulhaus zu bekommen.

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Das 100-Jahr-Jubiläum wird nun halt in einem kleineren Rahmen gefeiert.

Das Festprogramm

Unsere Lernenden und ihre Lehrpersonen waren seit Monaten am Ideensammeln, am Tanzen, Filmen, Planen und Basteln. Vor dem eigentlichen Jubiläum hätte die Projektwoche stattgefunden. Es war uns wichtig, dass alle Kinder ihren Interessen entsprechend ein paar Tage in einer Gruppe verbringen durften. Dabei war nicht nur eine Produktion für die Bühne das Ziel gewesen, auch andere Möglichkeiten sollten zur Auswahl stehen. Es gab Angebote im Wald, ein Kunstatelier in Zusammenarbeit mit dem akku Kinderatelier, Singen und Tanzen aus aller Welt oder Angebote im Bereich Filmen. Ein weiterer Höhepunkt wäre bestimmt der Musikwagen des Luzerner Sinfonieorchesters gewesen mit einem kleinen Konzert am Jubiläumssamstag.

Es wäre der grosse Auftritt unserer Lernenden gewesen! «The Corinas» hätten durch das Programm geführt – zwei talentierte Lehrerinnen aus dem Team, welche das Publikum mit lockeren Sprüchen zusätzlich unterhalten hätten.

Dank der Unterstützung und sorgfältigen Vorbereitung von Kurt Messmer wollten Schüler und Schülerinnen unsere Gäste durch das Schulhaus führen. Mit historischem Hintergrund, humorvoll angereichert mit der einen oder anderen Anekdote aus der 100-jährigen Geschichte. Es hätte bestimmt den einen oder anderen unserer Besuchenden überrascht, was man in unserem Schulhaus alles entdecken kann. Architektonische Besonderheiten, angereichert mit Kunstelementen, im und ums Schulhaus auf den ersten Blick ersichtlich oder halt auch ein wenig versteckt.

Viel Mithilfe und Solidarität

Am Fest selber hätten auch verschiedene Vereine mitgewirkt: Die Dorfgemeinschaft, welche uns bereits bei den Vorbereitungen unterstützte, die Frauengemeinschaft mit einem Bastelangebot am Samstagnachmittag, die Jubla mit einem Seifenkistenrennen oder die Zukunftsgestaltung mit einem Sponsorenbeitrag für die Tombola. Die Mithilfe und Unterstützung rund um das Fest waren für uns immer wieder ein Zeichen der Solidarität oder der guten Vernetzung in Emmen Dorf.

Es gab viele Helferinnen und Helfer im Hintergrund, welche uns immer wieder mit guten Ideen oder der richtigen Adresse weiterhalfen. Wir fanden einige Sponsoren in der näheren Umgebung, welche bereit waren, unser Fest zu unterstützen. Einige Beiträge durften wir – trotz Coronakrise – für unser anstehendes kleines Fest behalten. Dafür sei auch an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt.

«Alles war doch nicht umsonst: Am 30. Oktober 2020 werden wir mit unseren Lernenden ein kleines Fest machen.»

Wir werden feiern – aber anders!

Alles war doch nicht umsonst: Am 30. Oktober 2020 werden wir mit unseren Lernenden ein kleines Fest machen. All die Produktionen sollen auf der Bühne oder ab Video gezeigt werden, wir werden singen und tanzen und uns mit einem leckeren Zvieri-Buffet verwöhnen lassen. Nur wir: all unsere Schülerinnen und Schüler und Lehrer und Lehrerinnen und Mitarbeitenden der Tagesstruktur. Die Vorfreude kann also wieder losgehen. Vielleicht nicht im selben (goldenen) Rahmen, aber immerhin. Wir freuen uns.

Wir alle werden wohl nie vergessen, dass wir nicht nur in einem historischen Gebäude fast täglich ein- und ausgingen. Nein, wir werden auch zusätzlich Geschichte schreiben: Als Lernende und Mitarbeitende im 100-Jährigen, das sein 100-Jähriges (offiziell) nicht feierte.

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