Projekt «Alte Kanzlei»

Ehemalige Gemeindekanzlei macht Platz für Neubau


Das Siegerprojekt für den Neubau auf dem Grundstück der ehemaligen Gemeindekanzlei steht fest. Für das rund 900 Quadratmeter grosse Grundstück am Kanzlei-Kreisel wurde ein Studienauftrag mit fünf Architekturbüros durchgeführt. Das Beurteilungsgremium empfiehlt das Projekt von buan architekten aus Emmenbrücke einstimmig zur Weiterbearbeitung.

Autor: Philipp Bucher

Visualisierung des Siegerprojekts, Blickrichtung von Norden, im Vordergrund der Kanzlei-Kreisel. (Visualisierung: buan architekten)

Das Siegerprojekt von buan architekten aus Emmenbrücke mit extrā Landschaftsarchitekten AG aus Bern sieht zwei einfache, ineinandergreifende und unterschiedlich hohe Baukörper vor, wobei das höhere Gebäude sieben und das niedrigere Gebäude vier Geschosse umfasst. Insgesamt sind 13 Wohnungen vorgesehen, davon mehrheitlich 2,5-Zimmer-Wohnungen. Im Erdgeschoss sowie im 1. OG sollen auf einer Fläche von total rund 700 Quadratmetern Büro- und Dienstleistungsflächen entstehen. Im 4. OG ist ein gemeinschaftlich nutzbarer, urbaner Dachgarten geplant.

Qualitative und situationsbezogene Entwicklung

Das Projekt ist im Rahmen eines Studienauftrags erarbeitet worden, welcher vom Grundstückseigentümer Romano & Christen in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Emmen durchgeführt wurde. Insgesamt haben fünf Teams am Konkurrenzverfahren teilgenommen. Wie das mit ausgewiesenen Fachleuten breit abgestützte Beurteilungsgremium im Schlussbericht festhält, zeige das Siegerteam gekonnt, dass auf einem äusserst schwierigen, exponierten Grundstück eine sowohl qualitative als auch situationsbezogene Entwicklung möglich ist, wie sie dem städtebaulichen Gesamtkonzept der Gemeinde Emmen entspricht.

So füge sich der siebengeschossige Baukörper durch die Setzung auf der bestehenden Gebäudeflucht selbstverständlich in den Stadtraum, während der niedrigere, viergeschossige Baukörper sich in der Massstäblichkeit des rückwärtig gelegenen Quartiers einfüge. Durch die sanfte Drehung der Fassade am Kreisel wird die Rolle als Eckgebäude akzentuiert, ohne jedoch den Kreisel stadträumlich zu stark zu betonen. «Dies ergibt gute Platzverhältnisse für den Fussverkehr und Gestaltungsmöglichkeiten für einen attraktiven, repräsentativen Vorplatz», hält Enzo Gemperli, Leiter Departement Planung und Hochbau der Gemeinde Emmen, fest.

Baubeginn ab 2022

Das vorliegende Richtprojekt dient als Grundlage für den notwendigen Bebauungsplan «Alte Kanzlei», welcher zurzeit von der Gemeinde Emmen erarbeitet wird. Im Rahmen dessen kann sich die Bevölkerung während der öffentlichen Mitwirkung zum Projekt äussern. Der Baubeginn erfolgt frühestens Anfang 2022.

Siegerprojekt


buan architekten, Emmenbrücke

«Insgesamt zeigt das Projektteam, dass auf einem äusserst schwierigen, exponierten Grundstück, eine qualitative Entwicklung möglich ist. Das Projekt besticht einerseits durch seinen äusserst sensiblen Umgang mit dem Kontext. Trotz klarem Bauvolumen mit zwei einfachen, versetzten Baukörpern reagiert das Gebäude sehr präzis auf die verschiedenen, sehr unterschiedlichen städtebaulichen Systeme. Andererseits nutzt das Projekt die Chancen und Möglichkeiten der verschiedenen Mikrolagen des Grundstücks.»

«Das Projekt fügt sich also nicht nur dem Kontext, sondern schafft für das gesamte Umfeld auch Mehrwerte. Es gibt attraktive sichere Wege, es ermöglicht interessante Nutzungen und es verbessert die Orientierung und Wegfindung im Quartier. Diese Qualitäten und Mehrwerte kommen dabei nicht nur im Volumen, sondern auch in der Fassadengliederung und in den Grundrissen zur Geltung. Obwohl es im Detail noch Optimierungspotenzial gibt, bildet das Projekt eine robuste Basis für eine hochwertige, kontextbezogene Entwicklung des Ortes.» (Auszug aus dem Jurybericht)

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Weitere Projekte des Studienauftrags


Hosoya Schaefer Architects AG, Zürich

«Das Projekt überrascht im ersten Blick mit seiner eigenen Identität, die es durch seine Klinkerfassaden erhält. Auch die Präsenz am Kreisel wird sehr geschätzt. Das Projekt müsste bei der inneren Organisation und der Struktur der Grundrisse noch vertieft bearbeitet werden, um auch auf dieser Ebene zu überzeugen. Beim Erdgeschoss, welches nur teilweise öffentlich zugänglich ist und stattdessen über grosse Stellflächen für Autos und Velos verfügt, vermisst man eine identitätsstiftende Ausstrahlung entlang der Gerliswilstrasse. Auf Kosten des Fussabdrucks könnten etwas differenziertere Aussenbereiche geschaffen werden, die in einem zusätzlichen Geschoss kompensiert werden könnten, zumal das Gebäude um ein Geschoss weniger verfügt, als möglich wäre.» (Auszug aus dem Jurybericht)

GKS Architekten Generalplaner AG, Luzern

«Das Projekt überzeugt durch eine sorgfältige Analyse der Aufgabe und den daraus abgeleiteten architektonischen Grundsatzentscheiden. Der auf den Zeichnungen präsentierte Ausdruck des Gebäudes gehorcht leider einer sich allzu stark auf kostenoptimierte Überlegungen abstützende Materialisierung und vermag daher zum Schluss im Rahmen einer Gesamtbeurteilung nicht gänzlich zu überzeugen.» (Auszug aus dem Jurybericht)

Matti ragaz hitz architekten ag, Bern

«Positiv gewürdigt werden die kompakten und funktional überzeugenden Wohngrundrisse, sowie das vorgeschlagene Parkierungssystem. Verwirrlich sind die Grundrissvorschläge im Erd- und Bankgeschoss. Im Kontext zur Umgebung nicht zu überzeugen vermag die unruhige Fassadenausbildung.» (Auszug aus dem Jurybericht)

Philipp Betschart Architektur GmbH Luzern und Schnieper Architekten Kriens

«Der Projektvorschlag überzeugt durch seine volumetrisch gute Eingliederung ins Orts- und Quartierbild als Resultat einer präzisen Ortsanalyse. Die sehr sorgfältig materialisierte Fassadengestaltung vermag lediglich auf der südlichen Gebäudehälfte zu gefallen. Der nördliche turmartige, 7-Geschossige Gebäudeteil wirkt im Erdgeschoss für eine kundenorientierte Nutzung und aufgrund des fehlenden Sichtbezugs zwischen innen und aussen zu abweisend.» (Auszug aus dem Jurybericht)

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