Kopf des Monats

Niklaus von Flüe


Nationalheiliger und Patron der Schweiz

Autoren: Ulrike Zimmermann (Pfarreiseelsorgerin), Matthias Vomstein (Diakon), Robi Schmidlin (Sakristan)

Bruder Klaus Statue (von Lukas Ulmi, 2011) in der gleichnamigen Kirche in Emmenbrücke. (Bilder: Karin Brun-Lütolf)

Der 5. Dezember 1971 ist ein denkwürdiger Tag für die Gemeinde Emmen. Damals weihte Bischof Anton Hänggi die Kirche Bruder Klaus ein. Unscheinbar, zurückhaltend, geprägt von einem rhythmisch gefalteten Betondach, weich eigebettet ins Wohnquartier Riffig, so präsentiert sich die Bruder-Klaus-Kirche.

50 Jahre prägen nicht nur das Leben an sich, sondern auch eine Pfarrei. 50 Jahre, in denen zusammengelebt, gefeiert und auch getrauert wird. 50 Jahre, in denen Neues entsteht, Bestehendes wachsen kann und auch wieder vergeht. Aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums haben wir ein fiktives Interview mit Niklaus von Flüe geführt, dem Kirchpatron und Namensgeber der Pfarrei Bruder Klaus.

Bruder Klaus, seit 50 Jahren bist du Patron einer der vier Emmer Pfarreien. Wie empfindest du das?

Bruder Klaus: Es macht mich sehr stolz, dass die Pfarrei, die meinen Namen trägt, als solche ihren Weg bewusst geht und sich die Pfarreiangehörigen immer wieder fragen: «Was will Gott von mir und uns? Was hätte ich (Bruder Klaus) zu dieser oder jener Situation oder Fragestellung gesagt? Was hätte ich euch geraten?» Die Jugendvereine, der Kirchenchor, die Frauengemeinschaft, die Mitarbeitenden und viele Freiwillige und Ehrenamtliche der Pfarrei Bruder Klaus haben einen guten und engen Zusammenhalt und sind füreinander da – auch in schweren Zeiten, wie es die Corona-Zeit für viele ist. Die Pfarrei sucht immer wieder nach neuen und kreativen Wegen. Es gefällt mir, dass für das Jubiläumsjahr das Motto «Füreinander.Miteinander» gewählt wurde. Es drückt aus, wie sehr der Pfarrei die Gemeinschaft und jede und jeder Einzelne am Herzen liegen.

«Die Pfarrei Bruder Klaus soll ein Ort des Miteinanders für alle sein, an dem die Menschen füreinander einstehen – in frohen und in schweren Zeiten.»


Bruder Klaus

Wo siehst du Parallelen zwischen dir und deiner Pfarrei?

Bruder Klaus: In der Konzentration auf das Wesentliche und dem Leben einer gewissen Bescheidenheit. Der eher karge Kirchenraum erinnert mich an meine Klause im Ranft. Dieser ermöglicht Offenheit, gibt Platz zur Gestaltung und einem Thema den Raum für die nötige Präsenz. Auch spüre ich in dieser Pfarrei das grosse Verlangen nach grundsätzlichen Veränderungen, was mich an meine Visionen erinnert. Die Pfarrei ist auch ein Ort unterschiedlichster Begegnungen, sie ist oft Gastgeberin, wie es auch meine Frau Dorothee war.

Wo steht für dich deine Frau Dorothee?

Bruder Klaus: Inzwischen wird den Leuten bewusst, wie wichtig Dorothee für mein Leben und Wirken war. Mein Weg ist ohne ihr Mittragen nicht denkbar. Umso mehr freut es mich, dass die Pfarrei nebst der Statue mit Dorothee und mir in der Kirche mit der Umbenennung des Pfarreisaals in «Dorothee Saal» ein weiteres Zeichen ihrer Wertschätzung setzt.

Was sind die Herausforderungen der Kirche und der Pfarrei Bruder Klaus in der heutigen Zeit?

Bruder Klaus: Es wird wichtig sein, die Menschen zu erreichen und ihre Sprache zu sprechen. Es gilt, Vertrauen zu schaffen, das Evangelium, die frohe Botschaft in eine zeitgemässe Sprache zu übersetzen und den Glauben an den lebendigen Gott vorzuleben und weiterzutragen. Die Pfarrei Bruder Klaus soll ein Ort des Miteinanders für alle sein, an dem die Menschen füreinander einstehen – in frohen und in schweren Zeiten.

Du warst sehr viel alleine. Wie bist du mit der Einsamkeit umgegangen?

Bruder Klaus: Die Einsamkeit war nie ein Problem für mich. Im Gegenteil: Ich bin ja schon in meiner Jugend möglichst oft und alleine zum Beten in den Ranft gegangen.

Was hatte deine Frau Dorothee für eine Haltung zu der schwierigen Frage der Trennung?

Bruder Klaus: Es ist mir ganz wichtig zu betonen, dass Dorothee und ich sehr lange um diesen Entscheid gerungen haben. Wir haben gebetet und gehadert, innerlich gekämpft und wieder gebetet. Schliesslich konnte mich Dorothee loslassen – wenn auch unter Schmerzen. Es klingt wohl paradox: Dies war wohl ihre ganz eigene Art, mir treu zu bleiben.

«Ich hatte immer wieder mal Zweifel, ob mein Weg wirklich das ist, was Gott von mir will.»


Bruder Klaus

Dein Weg ist sehr radikal. Wie sicher warst du dir damit?

Bruder Klaus: Je mehr ich alleine mit Gott war, umso mehr war ich auch von Zweifeln nicht verschont. Ich hatte immer wieder mal Zweifel, ob mein Weg wirklich das ist, was Gott von mir will.

Hattest du Zeiten, in denen du Gott nicht nahe warst?

Bruder Klaus: Längers je mehr kamen viele Besucher, darunter auch hohe Herren, wie zum Beispiel der deutsche Junker Hans von Waltheym aus Halle an der Saale zu mir, um schwierige Fragen zu besprechen und anstehende Entscheide vorzubereiten. In solchen Situationen konnte schnell einmal das Gefühl aufkommen, ich könnte mich in diesem Netz von Problemen anderer Leute verlieren und ablenken lassen von Gott.

Wie bist du mit den Sorgen anderer umgegangen?

Bruder Klaus: Wenn ihr heute über mich sprecht, dann nennen mich viele einen Mystiker. Aber ein Mystiker ist eben nicht «ab von der Welt». Mir geht es eher so, dass das Gebet, das Gespräch mit Gott, wie eine Lupe wirkt, durch die ich all die Not der Menschen deutlicher sehe. Aus dem Gebet beziehe ich erst die Kraft, mich auch für die Menschen und die Welt «draussen» einzusetzen. Ich kann die Not und die Fragen, die Kämpfe und den Streit der Menschen ins Gebet nehmen. Da kann sich dann vieles lösen.

Was waren deine prägendsten Momente in deinem Leben?

Bruder Klaus: Bis ich mich zusammen mit Dorothee entschlossen hatte, Haus und Familie zu verlassen – das war im Oktober 1467 – war es ein langer Weg. Bereits als Jugendlicher habe ich regelmässig gefastet, oft mehrmals die Woche. Mit 16 hatte ich meine erste von etwa acht Visionen. Durch diese Bilder zeigte mir Gott, welchen Weg ich gehen sollte. Zuerst meinte ich, ich müsste weit weg ziehen, und marschierte Richtung Elsass. Doch bei Liestal sah ich in einer Vision, wie das Städtchen brannte. Das liess mich umkehren und in den Ranft ziehen.

Das Geburtshaus von Bruder Klaus in Sachseln OW. (Bild: Roland Zumbuehl)

Wie hast du in der Einsamkeit überlebt? Man erzählt, du hättest dich nur von Hostien ernährt und sonst nichts gegessen und getrunken. Wie steht es damit?

Bruder Klaus: Dazu kann ich nur sagen: Gott weiss! – Einmal kam der Weihbischof von Konstanz und wollte meine Abstinenz prüfen. Ich sollte Brot und Wein zu mir nehmen, um zu sehen, wie es mir damit ginge. Doch ich bat den Bischof, dass er mir das Essen und Trinken erlässt. Es würde mir schwerfallen und mir grosse Schmerzen bereiten.

Was hatte deine Gebetsschnur mit 50 Perlen für eine Bedeutung für dich?

Bruder Klaus: Es gibt viele Bilder und Skulpturen, auf denen ich mit einem Rosenkranz mit den 50 Perlen dargestellt werde. So habe ich den Perlen entlang gebetet. Das war eine wertvolle Hilfe zur Meditation.

Was hat es mit dem Radbild bzw. dem Rad des Bruder Klaus auf sich?

Bruder Klaus: Das Radbild, so sage ich es meinen Besuchern immer, ist mein Gebetbuch. Ich habe ja nie lesen und schreiben gelernt. Aber in diesem Bild kann ich täglich «lesen». Im Mittelpunkt ist die ungeteilte Gottheit. Die drei Spitzen, die zum Mittelpunkt führen, sind die drei Personen, Gott Vater, Gott Sohn und Gott heiliger Geist. Und diese drei gehen zugleich auch von der Gottheit aus und umgreifen den Himmel und die ganze Welt. Alles ist vom göttlichen Geheimnis in der Mitte getragen. Was zwischen Himmel und Erde passiert, kehrt auch wieder zum letzten, innersten Geheimnis zurück.

Niklaus von Flüe – seine Biografie

Geboren um 1417 im Flüeli und gestorben am 21. März 1487 im nahegelegenen Ranft ist Niklaus von Flüe als Nationalheiliger und Patron der Schweiz, Mystiker und Einsiedler eine prägende Figur der Schweizer Geschichte und Gegenwart.

Mit seinem Bruder Peter wuchs Niklaus auf einem ansehnlichen Hof auf. Um 1445/46 heiratete er Dorothee Wyss. Der Ehe entsprangen zehn Kinder. Ab 1457 war er der Vertrauensmann der Pfarrei Sachseln und gehörte 1462 dem Kleinen Rat an, dem höchsten politischen und richterlichen Führungszirkel des Standes Obwalden. Eine Kandidatur als Landammann lehnte er ab.

Um 1465 legte er alle politischen Ämter nieder und verliess am 16. Oktober 1467 mit dem Einverständnis seiner Frau die Familie in der Absicht, auf Pilgerschaft zu gehen. Zuvor ordnete er den Nachlass und vertraute Familie, Haus und Hof den beiden ältesten, bereits erwachsenen Söhnen an.

Von starken Visionen überwältigt kehrte er bald um und liess sich als Einsiedler nahe bei Flüeli (Kanton Obwalden) im Ranft nieder. Freunde bauten ihm eine Kapelle und daneben eine Klause, in der er fortan lebte. Bald strömte viel Volk zum «lebenden Heiligen» und fragte ihn um Rat.

Im Dezember 1481 konnte er an der Tagsatzung von Stans vermitteln und den drohenden Bürgerkrieg zwischen den städtischen und ländlichen Orten der Eidgenossenschaft abwenden (Stanser Verkommnis). Seitdem wird der Heilige als Mann des Friedens und der Versöhnung verehrt. Sein Grab kann in der Pfarrkirche von Sachseln besucht werden.

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