Jobverlust wegen Corona

«Alle versuchen, sich irgendwie über Wasser zu halten»


Seit knapp einem Jahr ist Corona ein massgeblicher Taktgeber unseres privaten wie beruflichen Alltags. Die Systeme kommen an ihre Grenzen und die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist angespannt. Auf den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und den Arbeitsämtern bekommt man das deutlich zu spüren.

Autorin: Riccarda Rauter

Durch den Einbruch der Eventbranche muss sich Matthias nun neu orientieren und ist aktuell auf Stellen­suche. (Bild: rra)

Corona hat das Leben von Matthias* auf den Kopf gestellt. Vor einem Jahr noch konnte er als Angestellter eines Emmer Unternehmens in der Veranstaltungsbranche an Konzerten und Events arbeiten. Doch seit Februar 2020 steht die Eventbranche wegen der Coronavirus-Pandemie still. «Seit Ausbruch der Corona-Krise hatten wir so gut wie keine Veranstaltungen mehr, die wir umsetzen konnten. Etwas, womit ich vor einem Jahr nie gerechnet hätte», bedauert der Mittzwanziger.

Die Konsequenzen sollten bald folgen: Im Sommer 2020 hat Matthias seine Anstellung verloren. Die Aussichten auf einen neuen Job sind düster, die Konkurrenz gross: «Stellenangebote in der Eventbranche gibt es im Moment schlicht nicht», sagt er. «Es versuchen alle, sich irgendwie über Wasser zu halten.» Matthias bezieht sich hierbei nicht ausschliesslich auf die Berufskollegen. Denn nicht nur die Veranstaltungsbranche ist stark von den derzeitigen Umständen betroffen, auch die Gastronomie oder der Tourismus leiden unter der Corona-Krise. Wie für Matthias bleibt für viele am Ende nur der Gang aufs Arbeitsamt.

«Mit der raschen Zunahme der Arbeitslosigkeit war es eine grosse Herausforderung, allen Stellensuchenden gerecht zu werden.»


Karin Lewis, WAS wira Luzern

Wegen Corona in die Arbeitslosigkeit

2020 war die Arbeitsmarktentwicklung schweizweit massgeblich durch die Covid-19-Pandemie geprägt. Die negativen Auswirkungen der Krise auf Unternehmen und Arbeitnehmende konnte zwar durch die Kurzarbeitsentschädigung gedämpft werden. Doch die Zahl der registrierten Stellensuchenden und Arbeitslosen ist seit dem Lockdown im vergangenen Frühling stark angestiegen.

Karin Lewis, Bereichsleiterin Arbeitsmarkt bei der kantonalen Dienststelle WAS wira Luzern, berichtet, dass sie 2020 durchschnittlich 8500 Stellensuchende betreut haben, was rund 29 Prozent mehr sind als noch im Vorjahr. «Mit der raschen Zunahme der Arbeitslosigkeit war es eine grosse Herausforderung, allen Stellensuchenden gerecht zu werden. Die Personalberatenden betreuten deutlich mehr Stellensuchende und die Beratungsgespräche mussten wegen der Schutzmassnahmen mehrheitlich telefonisch durchgeführt werden», beschreibt Lewis die Situation. Aufgrund dieser Umstände wurden alleine beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Emmen letztes Jahr zusätzlich acht Personalberatende angestellt.

Situation wird sich weiter verschärfen

Auch das Arbeitsamt Emmen verzeichnet für das vergangene Jahr deutlich mehr Anmeldungen als noch 2019. Daniela Koller, Teamleiterin AHV-Zweigstelle und Arbeitsamt Emmen, deutet diese Entwicklung folgendermassen: «Wir führen zwar keine Statistiken darüber, welche Klienten ihre Anstellung unmittelbar infolge der Corona-Krise verloren haben. Es ist aber schwer davon auszugehen, dass die Pandemie die Anzahl der Arbeitslosen stark beeinflusst hat.» Zudem müsse damit gerechnet werden, dass sich diese Situation in den nächsten Monaten weiter verschärfen wird.

«Der Unmut ist teilweise gross und die daraus entstehenden Reaktionen bekommen wir oft zu spüren»


Daniela Koller, Arbeitsamt Emmen

Bei der kantonalen Dienststelle WAS wira Luzern teilt man diese Einschätzung. Zwar gibt es im Stellenmarkt saisonale Schwankungen, doch die hohen Zahlen im vergangenen März und April seien untypisch im Vergleich zu den vorherigen Jahren. Neben den eingangs erwähnten Branchen sei insbesondere bei den jungen Erwachsenen zwischen 20 und 24 Jahren eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit zu beobachten. Dies deshalb, weil in dieser Altersgruppe viele ein instabiles Arbeitsverhältnis in Form von Teilzeitjobs oder Auslandaufenthalte hätten.

Zwischen Unmut und Optimismus

Die anhaltende Situation ist für viele herausfordernd. Die Behörden mussten ihre Arbeitsabläufe neu überdenken und sich neu organisieren, wie Daniela Koller vom Arbeitsamt Emmen erklärt. «Die grösste Herausforderung in unserem beruflichen Alltag sind die nachvollziehbaren Sorgen und die Unsicherheit der Einwohnerinnen und Einwohner. Der Unmut ist teilweise gross und die daraus entstehenden Reaktionen bekommen wir oft zu spüren», erzählt sie.

Matthias seinerseits versucht derweil optimistisch zu bleiben: «Ich bin gelernter Schreiner, bevor ich meinen Weg in die Veranstaltungsbranche gefunden habe. Aktuell schaue ich mich in meiner ursprünglichen Branche nach einer neuen Gelegenheit um», sagt er und fügt an: «Man muss sich in dieser Zeit vielleicht auch ein wenig neu erfinden und offen für Neues sein.»

*Name geändert

Aufhebung Arbeitsamt der Gemeinde Emmen per 30. Juni 2021

Infolge einer Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes über­nehmen 2021 in der ganzen Schweiz die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) von den Gemeinden die Aufgaben der Arbeitsämter. Das Arbeitsamt Emmen wird per 30. Juni 2021 aufgehoben. Sämtliche Kontakte für Stellensuchende finden künftig beim RAV Emmen statt.

Das Arbeitsamt Emmen ist als Gemeindestelle der kantonalen Dienststelle WAS wira Luzern aktuell noch die erste Anlaufstelle für erwerbslose oder von Erwerbslosigkeit bedrohte Personen. Die Hauptaufgabe des Arbeitsamtes Emmen besteht vorderhand darin, Informationen über das Verfahren zur Stellenvermittlung und zur Geltendmachung von Leistungen abzugeben. Bei Stellenverlust oder bei der Suche nach einer neuen Stelle nimmt das Arbeitsamt die Anmeldung von Stellensuchenden entgegen und vermittelt sie an das RAV Emmen.

Diese Praxis kommt nun allerdings an ein Ende. Das Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG) des Bundes wurde in den letzten Jahren nämlich einer Revision unterzogen und das revidierte Gesetz tritt im laufenden Jahr schweizweit in Kraft. Die Gesetzesanpassung beinhaltet unter anderem den Wegfall der Gemeindearbeitsämter, wie diese der Kanton Luzern noch kennt. Konkret: Mit der AVIG-Revision 2021 übernehmen neu die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) von den Gemeinden die Aufgaben der Arbeitsämter bzw. die Erstanmeldung der Stellensuchenden.

Wechsel in Emmen per Juli 2021

Das revidierte AVIG tritt im 2021 in Kraft. Die kantonale Dienststelle WAS wira Luzern hat den Gemeinden angeboten, den von ihnen bevorzugten Zeitpunkt der Übergabe zwischen April und Dezember 2021 zu wählen und mitzuteilen. Der Gemeinderat Emmen hat entschieden, dass die Gemeinde Emmen ihr Arbeitsamt auf den 30. Juni 2021 aufheben wird. Für Stellensuchende hat dies zur Folge, dass sie sich für die Erstanmeldung ab dem 1. Juli 2021 beim RAV Emmen melden müssen.

Folgende Abläufe bleiben für Stellensuchende voraussichtlich unverändert:

  • Die stellensuchende Person muss sich persönlich beim zuständigen RAV anmelden.
  • Es wird ein Erstanmeldegespräch im RAV durchgeführt.
  • Der stellensuchenden Person werden sämtliche notwendigen Unterlagen mitgegeben. Dies beinhaltet unter anderem verschiedene Dokumente und Formulare für die Arbeitslosenkasse.

Was wird neu:

  • Gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft SECO sollten 2021 weitere Formulare online zur Verfügung stehen, so auch die Anmeldung zur Arbeitsvermittlung. Dazu wird einzig die Registrierung auf www.arbeit.swiss benötigt. Mit diesem Login können weitere elektronisch übermittelbare Formulare (z.B. Arbeitsbemühungen, Angaben der versicherten Person im Monat usw.) sowie die gemeldeten Stellen aufgerufen werden.
  • Die Dokumente für die Arbeitslosenkassen werden durch die stellensuchende Person direkt via Online-Plattform www.arbeit.swiss übermittelt oder per Post an die gewählte Arbeitslosenkasse geschickt.

RAV Pilatus neu in Emmenbrücke

Das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Pilatus hat seinen Standort von Luzern nach Emmenbrücke verlegt. Seit dem 25. Januar 2021 befinden sich somit das RAV Emmen und das RAV Pilatus am selben Standort. (PD/pbu)

Fragen?

Für weitere Auskünfte im Zusammenhang mit der Auflösung des Gemeindearbeitsamtes Emmen steht Ihnen Bruno Schaller, Leiter ­Departement Soziales bei der Gemeinde Emmen, gerne zur Verfügung:

Tel. 041 268 03 59

E-Mail bruno.schaller@emmen.ch

Die Gemeindezuordnung zu den zugehörigen Arbeitsvermittlungszentren finden Sie hier.

Kontakt

RAV Emmen

Gerliswilstrasse 17, Postfach

6021 Emmenbrücke

Tel. 041 209 10 90

E-Mail rav-emmen@was-luzern.ch

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr

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