Zeitgemässer Schulbetrieb

Neuer Schulhaustrakt im «Erlen» ist eröffnet


Die Gemeinde Emmen hat ein neues Schulgebäude. Pünktlich zum Schulstart nach den Weihnachtsferien haben die Primarschülerinnen und -schüler den vierten Trakt im «Erlen» in Beschlag genommen – und dem Schulhaus bereits ihren Stempel aufgedrückt.

Autorin: Riccarda Rauter

Neuer Schulraum zum Jahresauftakt: Anfang Januar 2021 konnten alle Klassen der Primarschule Erlen in den neuen, vierten Gebäudetrakt einziehen. (Bilder: rra)

Grosse Pause. Mützen, Handschuhe, dicke Jacken. Für einige Kinder nicht genug, die eisige Kälte aktiviert deren Bewegungsdrang, lässt sie ausgelassen über das Schulareal rennen und Hindernisse überspringen. Andere zeigen sich wetterresistenter, stehen in Gruppen und tauschen Ferienanekdoten aus. Die Festtage klingen noch immer nach, es gibt viel zu erzählen. Derweil kämpfen die farbenfrohen Kreidekritzeleien am Boden vergeblich gegen die graue Nebelsuppe an, die hartnäckig über der Szenerie hängt.

Für Aussenstehende scheint ein ganz normaler Schultag im «Erlen» seinen Gang zu nehmen, abgesehen davon vielleicht, dass es der erste Schultag nach den Weihnachtsferien ist, der diese typische «Jetzt-geht-es-wieder-los-Atmosphäre» in sich trägt. Tatsächlich aber hat sich für die Primarschülerinnen und -schüler im «Erlen» ganz grundlegend was geändert. Mit dem Schulstart am 4. Januar 2021 nämlich dürfen sie den fertiggestellten vierten Gebäudetrakt auf dem Schulareal Erlen erstmals vollständig mit Leben füllen.

Mehr Platz, zeitgemässer Schulbetrieb

Rund 300 Schülerinnen und Schüler fasst der dreigeschossige Holzmodulbau, der sowohl die vierteilige, an eine Windmühle gemahnende Schulanlage Erlen vervollständigt als auch den dringend benötigten Schulraum sicherstellt. Mit dem vierten Gebäudetrakt hat Emmen einen Neubau mit zwölf Klassenzimmern, zwei Kindergärten, mehreren Fach- und Gruppenräumen, Vorbereitungs- und Teamzimmern, Räumen für die Tagesstruktur sowie einer Hauswartwohnung erhalten. Der Bezug der neuen Räumlichkeiten fand gestaffelt statt. Die ersten Klassenzimmer wurden im Sommer 2020 bezogen, im November folgten Kindergarten und Tagesstruktur. Seit dem 4. Januar 2021 schliesslich ist das Gebäude komplett bezogen.

Dies sehr zur Freude des gesamten «Erlen»-Teams: «Mit dem Neubau können der Raumbedarf auf der Schulanlage Erlen gedeckt und die Anforderungen an das Schulangebot im Rahmen des Lehrplans 21 erfüllt werden», sagt Claudia Carulli, Schulleiterin der Primarschule Erlen. Aus Platzmangel mussten Schülerinnen und Schüler aus dem Erlengebiet zuletzt benachbarte Schulhäuser besuchen, deren Aufnahmekapazitäten ebenfalls begrenzt sind. «Ohne die zusätzlichen Räume hätte ein zweckmässiger Unterricht nicht länger gewährleistet werden können.»

Gleichfalls erfreut über den Projektabschluss und die damit verbundene Umsetzung des Volkswillens zeigt sich Gemeinderat Brahim Aakti. «Nach viel zu langer Zeit kommt das komplexe Projekt nun zu einem guten Abschluss. Mit dem Trakt 4 der Schulanlage Erlen können wir den nötigen Schulraumbedarf für die Primarschule im «Erlen» langfristig decken», konstatiert der Direktor Schule und Kultur und lobt dabei insbesondere die ausserordentlich gute Zusammenarbeit zwischen der Sekundar- und Primarschule Erlen sowie zwischen den beteiligten Direktionen.

«Mit dem Trakt 4 der Schulanlage Erlen können wir den nötigen Schulraumbedarf für die Primarschule im Erlen langfristig decken.»


Brahim Aakti, Direktor Schule und Kultur

Schülerinnen und Schüler bestimmen mit

Der grosse Stolz von Primarschulleiterin Carulli indes ist die Arbeit des Schülerrats Erlen, der vor einem Jahr gegründet wurde und sich aus sieben Delegierten der 3. bis 6. Klasse zusammensetzt. «Die Meinungen unserer Schülerinnen und Schüler sind uns wichtig, weshalb wir ihnen Partizipationsmöglichkeiten bieten und sie zum Mitwirken ermutigen möchten», erklärt sie.

Im Rahmen des Neubauprojekts Trakt 4 konnten sich die Schülerinnen und Schüler am Entwurf des neuen Spielplatzes auf dem Schulgelände beteiligen, etwa indem sie die Spielgeräte auswählen durften. Schliesslich solle dieser Spielplatz nicht nur den Vorstellungen der Erwachsenen entsprechen, sondern insbesondere auch die Wünsche der Kinder repräsentieren, betont Carulli. «Die Kinder haben damit ein Projekt mit viel Verantwortung gemeistert», lobt die Schulleiterin.

Nicht minder stolz zeigen sich die Delegierten des klassenübergreifenden Schülerrats – und bekunden zugleich Lust auf mehr: «Es macht unglaublich Spass, dass wir mitbestimmen dürfen und unsere Ideen und Meinungen einbringen können», sagt der amtierende Präsident des noch jungen Erlenrats, Ivan Rados. Bescheiden fügt der Sechstklässler an: «Es war ein tolles Erlebnis, beim neuen Spielplatz mithelfen zu dürfen.»

Schulraum dringend notwendig

Seit 2013 hat die Anzahl Schüler in der Gemeinde Emmen um rund 25 Prozent zugenommen. Als direkte Folge davon sowie aufgrund gestiegener Anforderungen an das Schulraum­angebot (Lehrplan 21) steigt der Bedarf an schulischer Infrastruktur. Der Schulraumplanungsbericht zeigt überdies eine weitere Zunahme an schulpflichtigen Kindern bis 2028. Dieser Anstieg der Schülerzahlen wird durch Bautätigkeiten, höhere Geburtenzahlen sowie Zuzüge der letzten Jahre generiert.

Mit der Fertigstellung des vierten Gebäudetraktes konnte das Schulangebot im Gebiet Erlen nun langfristig und in attraktiver Form sichergestellt werden. Positiv ist zusätzlich, dass mit dem ergänzenden Gebäudetrakt die Primarschule und die Sekundarschule innerhalb des Schulareals wieder räumlich voneinander getrennt werden können.

Einweihungsfest folgt im Sommer

Ein mindestens ebenso tolles Erlebnis solle auch das offizielle Einweihungsfest des neuen Gebäudetraktes im Sommer dieses Jahres werden, frohlockt Primarschulleiterin Carulli. «Die Einweihung des neuen Schulhauses ist für den 18. und 19. Juni 2021 geplant. Das ist jedoch ganz von der entsprechenden Corona-Situation abhängig. Über die Durchführung werden wir im Frühling definitiv entscheiden», meint Carulli. Allenfalls werde die Eröffnungsfeier nach hinten verschoben.

Kein Aufschub hingegen ist für die finale Umgebungsgestaltung des Neubaus zu erwarten. Die Begrünung des Geländes ist im kommenden Frühling vorgesehen – wenn die Mützen, Handschuhe und dicken Jacken in Schränken verschwunden sind und sich die graue Nebelsuppe verzogen haben wird.

Chronik eines neuen Schulhaustraktes

Oktober 2017: Der Gemeinderat beantragt einen Bruttokredit von 9,5 Millionen Franken für die Erweiterung der Schulanlage Erlen mit einem vierten Trakt.

November 2017: Der Einwohnerrat stimmt dem Kredit mit 38:0 Stimmen zu.

Oktober 2017: Der Gemeinderat beantragt einen Bruttokredit von 9,5 Millionen Franken für die Erweiterung der Schulanlage Erlen mit einem vierten Trakt.

Dezember 2017: Gegen das Bauvorhaben wird eine Kantonsgerichtsbeschwerde eingereicht. Die Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus droht sich um mehrere Jahre zu verzögern. Weil der zusätzliche Schulraum dringend benötigt wird, erarbeitet der Gemeinderat für den Schulbetrieb ab Herbst 2019 eine Übergangslösung.

4. März 2018: Die Emmer Stimmbevölkerung spricht sich mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 76,2 Prozent deutlich für den Erweiterungsbau im «Erlen» aus.

Ende März 2018: Die bereits bestellten Module für den Ergänzungsbau sollen an einem provisorischen Standort auf dem Schulhausareal aufgestellt werden, um den benötigten Schulraum während des rechtlichen Verfahrens als Übergangslösung gewährleisten zu können. Das Provisorium kann ab Ostern 2019 von den Schulen genutzt werden.

März 2019: Das Bundesgericht weist die Beschwerde gegen die Baubewilligung für die Erstellung des Ergänzungsbaus letztinstanzlich ab. Die im November 2017 erteilte Baubewilligung ist damit rechtskräftig.

Mai 2019: Aus Kostengründen entscheidet der Gemeinderat, auf den vollständigen Bezug des Provisoriums zu verzichten und stattdessen den definitiven Bau zügig voranzutreiben.

Oktober 2019: Beginn der Bauarbeiten für den vierten Gebäudetrakt des Schulhauses Erlen.

August 2020: Die ersten Klassenzimmer werden für den Schulbetrieb bezogen.

Januar 2021: Vollständige Übergabe des Ergänzungsbaus an den Schulbetrieb.

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