Emmen Schule

Gemeinsam stark trotz Corona


Corona prägt den Alltag an der Schule. Nicht nur, weil wir alle Masken tragen und uns an viele Regeln halten. Der erzwungene Unterricht zu Hause hat nachhaltige Veränderungen nach sich gezogen. Durchaus auch positive. Der neue Schul-Laptop spielt dabei eine zentrale Rolle.

Autor: Lukas Scharpf

Home-Schooling in Bildsprache: die Klasse 3l in Quarantäne. (Bilder: Lukas Scharpf)

Konzentriert tippen Jugendliche auf ihren Laptops. Jemand tauscht sich mit Blick auf den Bildschirm mit der Lehrerin aus. Die Schülerinnen und Schüler von Lehrerin Jessica Rast arbeiten im Zimmer und im Gruppenraum an Bewerbungen für ihre Lehrstelle. Vor sich haben alle je ein Exemplar des gleichen Laptops. Es ist ihr Hauptwerkzeug. Anfang dieses Jahres haben alle Schülerinnen und Schüler des Gersag 2 einen eigenen Computer erhalten. Mittlerweile ist er fest im Unterricht integriert.

Aber nicht alle Schülerinnen der Klasse 3l sind da. Zwei sind zu Hause. Gesund, aber in Quarantäne. Deshalb arbeiten die fünf Schülerinnen und Schüler der Klasse, die schon eine Lehrstelle haben, zusammen an einem Lernvideo im Fach Geschichte. Sie diskutieren darüber, welches die zentralen Punkte des Themas sind und wie man sie im Video am besten erklären könnte. Damit fassen sie für die Schülerinnen zu Hause den verpassten Stoff nochmals zusammen. Sie haben zwar zu Hause am Thema gearbeitet, aber die Erklärungen in der Klasse kann man nicht ganz ersetzen.

Mit dem Video soll der Wiedereinstieg für die Mädchen in Quarantäne möglichst reibungslos klappen. «Wir unterstützen gemeinsam diejenigen zu Hause. Das ist wichtig», sagt die Schülerin Majlinda. Alle wissen, wie es sich anfühlt. Im November wurde die ganze Klasse 3l eine Woche in Quarantäne geschickt.

Corona wurde Teil des Alltags

Wenn vor den Herbstferien Jugendliche oder Lehrpersonen in Quarantäne mussten, war das tagelang im ganzen Schulhaus Gesprächsthema Nummer eins. Aber wie überall in der Schweiz in Schulen, Be- hörden und Betrieben ist es mittlerweile alltäglich geworden. Wenn in einer 3. Klasse jemand in Quarantäne muss, registrieren das die Kinder in einer 2. Klasse gar nicht mehr. Alle sind auf ihre Art zu Profis im Umgang mit Corona geworden: Schutzmassnahmen, Quarantäne, Unterricht zu Hause, gegenseitige Unterstützung.

Das war natürlich nicht immer so, gerade mit Blick auf den Lockdown im Frühling letzten Jahres. Majlinda erinnert sich: «Wir mussten viel mehr nachfragen und dafür jedes Mal telefonieren. Es gab so viele Fragen, auch zu eigentlich einfachen Sachen. Das war sehr aufwendig. Auch für Frau Rast.»

Einige arbeiteten übers Handy. Andere hatten einen Computer. Majlinda erinnert sich: «Immer wieder war irgendetwas blockiert. Dann war bei jemandem wieder im falschen Moment der Akku leer.» Es sei viel einfacher geworden, seit alle den gleichen Laptop haben. «Und wir sind erfahrener. Jetzt checken es alle. Und wir haben mehr Geduld.» Microsoft Teams ist die zentrale Software, welche den Austausch im Home-Schooling ermöglicht. «Es ist enorm wichtig und erleichtert den Unterricht, dass mit den Laptops alle die gleiche Infrastruktur und das gleiche Setup haben», erklärt Jessica Rast. Der Unterricht zu Hause sei viel effizienter geworden.

«Ich kam nach dem Lockdown und unserer Woche Quarantäne sehr gerne zurück in die Schule.»


Majlinda, Schülerin Klasse 3l

Trotzdem mache man sich keine Illusionen, dass damit eine Quarantäne zur Nichtigkeit würde. «Wir müssen Abstriche machen. Es ist nicht möglich, den Unterricht im Klassenzimmer zu Hause 1:1 abzudecken», erklärt Jessica Rast.

Es gibt auch positive Effekte des Home-Schooling

Nicht nur der Umgang mit dem Laptop und das digitale Lernen haben sich weiterentwickelt. «Viele meiner Schülerinnen und Schüler haben sich bezüglich selbstständigen Arbeitens stark verbessert», erklärt Jessica Rast. Sie hätten schlichtweg keine andere Wahl gehabt. So hat etwa eine Schülerin, welche im Haushalt zu Hause eine wichtige Rolle spielt, gelernt, sich für ihre Hausaufgaben Freiräume zu schaffen. Früher konnte sie sich nur schwer von ihren kleinen Geschwistern abgrenzen. Und diese Errungenschaft blieb auch nach dem Lockdown bestehen.

Ein anderer Schüler hatte Schwierigkeiten, zu Hause seine Sachen in Ordnung zu halten, und fand sich im eigenen Chaos oft nicht zurecht. Wenn man jeden Tag in die Schule kann, dann fällt das nicht so stark auf. Im Home-Schooling kommt das sehr schnell zutage und blockiert. «Ich habe jetzt eine viel bessere Ordnung. Aber ich musste es erst lernen», sagt Lonard dazu. Sie hätten gar nicht anders gekonnt als selbstständiger zu werden. «Wir haben uns in der Zeit mental verbessert», erzählt Lonard. «Man wird ruhiger und selbstständiger», bestätigt Majlinda. Wenn man nicht weiterkommt, hilft man sich gegenseitig über Teams.

Auch die Lehrerinnen und Lehrer haben sich im Bereich Digitalisierung stark weiterentwickelt, gerade wegen Corona (siehe Interview unten). «Ich denke, der Anreiz für Lehrpersonen, im Unterricht etwas ganz Neues auszuprobieren, ist viel stärker», sagt Jessica Rast. Eine forschende Haltung zu haben, sei dabei elementar. Und Entdeckungen würden schneller umgesetzt.

Die Schüler der früheren Klasse 1l hören aufmerksam zu, als der «Pusch­Lehrer» anschaulich den natürli­chen Treibhauseffekt erklärt (Aufnahme von 2018).

Lieber in der Schule als zu Hause

Die Klasse 3l ist sich einig, dass Home- Schooling anstrengender und aufwendiger ist als Unterricht in der Schule. «Ich kam nach dem Lockdown und unserer gemeinsamen Woche Quarantäne sehr gerne zurück in die Schule», sagt Majlinda. Aber es geht natürlich nicht nur um die Arbeit. Der Kontakt zu anderen Menschen fehle dann halt einfach. «Das ist einfach trist», sagt Majlinda. «Man fühlt sich schnell alleine.» Die Schule lebt vom Austausch und vom Gespräch. Von der Begegnung. Das gilt auch für Lehrerinnen und Lehrer.

Manuel Suarez.

«Wir haben in einem Jahr die Entwicklung von zwei bis drei Jahren gemacht»

Corona hat die Digitalisierung des Unter- richts enorm vorangebracht. Manuel Suarez, Sie sind am Schulhaus Gersag 2 eine wichtige Person dafür. Warum?

Manuel Suarez: Zusammen mit Daniel Arnet bin ich der Medienverantwortliche am Schulhaus und somit die erste Ansprechperson für Fragen im Bereich Digitalisierung. Einerseits finde ich für Lehrpersonen Lösungen, wenn sie ein bestimmtes Tool suchen. Zum Beispiel eine digitale Form für eine Prüfung, wie man die Laptops für die Hausaufgaben zum Unterricht einsetzen kann oder wie man ein digitales Notizheft organisiert. Anderseits bin ich auch die Anlaufstelle für technische Probleme.

Wie kommen Sie an Ihre Inputs?

Suarez: Ich habe diese Rolle am Gersag 2 schon lange und gebe auch viel Wissen aus Weiterbildungen weiter. Zudem stehe ich viel in Kontakt mit Lehrerinnen und Lehrern, die eine ähnliche Rolle in anderen Schulen haben, in Emmen, aber auch darüber hinaus. Viel entdecke ich auch in eigenen Recherchen oder auf sozialen Medien in Deutschland, Spanien oder Italien. Durch Corona gibt es zum Thema Digitalisierung an Schulen eine Flut von Informationen. Meine Aufgabe beinhaltet nun viel mehr das Filtern und weniger das Suchen von Angeboten und Lösungen.

Corona hat der Digitalisierung Schub gegeben, auch für die Lehrpersonen. Wie beurteilen Sie das?

Suarez: Ich denke, wir haben seit dem Lockdown in einem Jahr die Entwicklung von zwei bis drei Jahren gemacht. Vorher war Digitalisierung für Lehrpersonen bis zu einem gewissen Grad eine individuelle Frage, wie stark man sich engagiert. Mit Corona wurde einem diese Wahl genommen. Man musste.

In diesem Schuljahr bekamen unsere Schülerinnen und Schüler alle einen Laptop. Das war nicht wegen Corona, sondern Zufall.

Suarez: Und ein Glücksfall. Jetzt hat jeder Schüler und jede Schülerin einen eigenen Laptop. Das ist ein enormer Sprung. Nun ist die Situation für alle die gleiche. Und sie ist gut. Sie sind sehr dankbar, dass sie gleichberechtigt ausgerüstet sind. Es gibt auch eine Demokratisierung des digitalen Lernens.

Wie meinen Sie das?

Suarez: Früher gab es das Informatikzimmer, wo am Computer gearbeitet werden konnte. Das war zentralisiert. Das bedeutet, dass auch der Informationsfluss immer von der Lehrperson zu den Schülerinnen und Schülern ging. Dadurch, dass sie alle gleich ausgerüstet sind, bilden die Jugendlichen sich auch gegenseitig weiter. Das gilt auch für die Lehrpersonen unter sich und Inputs, die von Jugendlichen zurück an die Lehrpersonen gehen.

Kann es zu viel Digitalisierung im Unterricht geben?

Suarez: Neben Medien und Informatik unterrichte ich auch BG (Bildnerisches Gestalten). Manchmal glaube ich, dass die Schülerinnen und Schüler im Moment zu stark digital arbeiten. Ich vermisse die Arbeit von Hand. Aber vielleicht braucht es das jetzt in dieser Zeit. Nach Corona gleicht es sich wieder aus. Der Laptop und die Digitalisierung sind eine gute Ergänzung für den Unterricht. Aber sie ersetzen ihn nicht.

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