Betagtenzentren Emmen

«Lebensqualität» – mehr als nur ein Jahresmotto


Das Jahresmotto 2021 der Betagtenzentren Emmen AG (BZE AG) lautet «Lebensqualität». Seit einem Dreivierteljahr läuft dazu ein Projekt, das die Betreuungs- und Aktivierungsangebote um den Miteinbezug der Bewohnenden in die betrieblichen Alltagshandlungen ergänzt. Projektleiterin Sabine Zumpe erklärt uns, worum es dabei geht.

Autor: BZE AG

José Camillo, Mitarbeiter Hotellerie in der Pflege, beim Spazierengehen mit Bewohnerin Margrith Muff. (Bild: Stefan Weiss)

Das Bad blitzblank poliert, das Bett gemacht und das Essen liebevoll serviert – jeder fühlt sich gerne wie im Hotel. Und wir alle wünschen unseren betagten Mitmenschen von Herzen, dass sie ihren Lebensabend von der Mühsal des Alltags befreit geniessen können. In den Häusern der BZE AG können sie es. Davon zeugen nicht zuletzt die hohen Zufriedenheitswerte.

Bei aller vorbildlichen Pflege und der Vielfalt des Aktivierungsprogramms bleibt eines trotzdem das Schönste: wenn man sich selber beweisen kann. Sinngebende Tätigkeiten spielen auch im Alter eine wichtige Rolle, um die Lebenssituation positiv zu erfahren. «Alle Bewohnenden, unabhängig von ihren Ressourcen, haben bei uns Anspruch auf die Erfüllung der individuellen Lebensqualität», betont Nadja Rohrer, CEO der BZE AG. Um dies zu erreichen, bietet die BZE AG verschiedenste Betreuungsangebote. Mit dem jüngsten Projekt wird die Betreuung nun systematisch auf die Alltagshandlungen aller Unternehmensbereiche ausgeweitet.

Sabine Zumpe, was ist in Ihren Augen «Lebensqualität»?

Sabine Zumpe: Selber Entscheidungen zu treffen und den Alltag je nach Tagesverfassung selbstständig zu gestalten.

Empfinden Sie diese Lebensqualität auch als Mitarbeiterin der BZE AG?

Zumpe: Natürlich, und das seit über acht Jahren. Ich hatte mich für eine Stelle im Restaurant interessiert. Schlussendlich startete ich in der «Hotellerie in der Pflege» (HPA). Dieser damals neue Bereich umfasst die Betreuung der Bewohnenden während der Mahlzeiten auf den Abteilungen und eine Vielfalt von Dienstleistungen, welche die Pflege entlasten – vom Bringen der Post über kleine Besorgungen bis zur Alltagsgestaltung und Mitwirkung an Veranstaltungen. Diese Tätigkeit im engen Kontakt mit den Bewohnenden begann mich rasch zu faszinieren. Nach zwei Jahren wurde ich Teamleiterin. Die BZE AG fordert, die Mitarbeitenden bekommen im Gegenzug aber auch viel zurück.

Sie sind Mitinitiantin des aktuellen Projekts «Interdisziplinäre Betreuung zur Unterstützung der Lebensqualität» bei der BZE AG. Wie kam es dazu und was heisst das bezogen auf den Alltag?

Zumpe: Es handelt sich dabei um ein Folgeprojekt des 2015 eingeführten Betreuungskonzepts. Das Schöne an diesem Projekt ist, dass man das Rad nicht neu erfinden muss. Was sich die Bewohnenden wünschen, sind nicht Helikopterflüge oder andere aufwendige Dinge, sondern kleine Sachen: reden, spazieren, zusammen auf der Dachterrasse einen Kaffee trinken usw. Wichtig ist, dass sie mitwirken können, abgestimmt darauf, wie «zwäg» sie sich fühlen. Gemüse rüsten, bügeln, Batterien wechseln – sich nützlich machen, auch wenn es nicht mehr so «ring» von der Hand geht.

Welche Ziele verfolgt die BZE AG mit dem Projekt?

Zumpe: Mit dem Projekt wollen wir den Alltag der Bewohnenden noch attraktiver gestalten und so eine hohe Zufriedenheit erreichen. Im Kern geht es um mehr individuelle Zeit für die Bewohnenden und das Eingehen auf spezifische Wünsche und Bedürfnisse. Für 2021 haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass jeder Mitarbeitende mindestens zwei Betreuungs- oder Kurzzeitsequenzen pro Bewohner erbringt.

«Die interdisziplinäre Betreuung erfordert ein gewisses Mass an Mehraufwand. Sie ist aber auch eine Frage der Organisation.»


Sabine Zumpe, Leiterin Hotellerie BZE AG

Sabine Zumpe, Leiterin Hotellerie in der Pflege der BZE AG.

Ist die Umsetzung schon gestartet?

Zumpe: Ja, wegen Corona gar früher als geplant. Wir haben während des Lockdowns vieles aus dem Projekt schon unbewusst gemacht, bevor im Sommer 2020 die Schulung aller Teams begann. Mit der individuellen Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner konnten wir das Wegbleiben der Besucher teilweise kompensieren. Alltagsprobleme wie ausfallende Coiffeurbesuche wurden von den interdisziplinären Teams pragmatisch gelöst. Die Bereicherung – auch für uns Mitarbeitende – war riesig.

Wie sieht die Umsetzung einer grösseren Betreuungssequenz aus?

Zumpe: Wir haben ein Showkochen auf den Abteilungen eingeführt. Da wurde beispielsweise eine Erdbeer-Roulade für das Zvieri zubereitet. Die Bewohner konnten mit allen Sinnen dabei sein, von ihren Koch- und Backkünsten erzählen und sich mit der Köchin austauschen.

Ein anderes Beispiel ist der Bewohnerapéro, den unsere Immobilien-Teams jede Woche auf einer anderen Abteilung organisieren. Ins gleiche Kapitel gehören auch der Reparaturnachmittag und das Näh-Atelier, wo die Bewohnenden private Gegenstände zum Flicken vorbeibringen können. Was geht, wird dann gemeinsam gemacht, und dies unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Corona-Hygienevorgaben und Schutzmassnahmen.

Beliebt sind auch die intergenerativen Aktivitäten mit unserer Kita, z.B. das gemeinsame Gärtnern oder Singen. Wegen Corona war 2020 vieles leider nicht möglich. Dafür gab es andere Highlights wie die Monats- aktionen «10 Jahre BZE AG» oder den Bewohner-Adventskalender des Event-Teams.

Können Sie uns auch ein paar Beispiele für Kurzzeitsequenzen nennen?

Zumpe: Die Mitarbeitenden in der Pflege nehmen sich beispielsweise ein paar Minuten Zeit für das Schminken, das Lackieren von Nägeln oder für ein Fussbad für die Bewohnenden. In der Hotellerie können Bewohnende, wenn sie wollen, beim Aufdecken, Einräumen der Abwaschmaschine, Serviettenfalten oder bei der nachmittäglichen Teerunde mithelfen. In der Reinigung/ Lingerie können wir zusammen mit den Bewohnenden das Bett machen, abstauben, den Kleiderschrank sortieren oder Wäsche falten. Das Team Immobilien nimmt Bewohnende gerne mit zum Rundgang durch die Aussenanlagen, auf Kontrollgänge oder zu kleineren technischen Arbeiten. Generell kann es sich auch einfach um Gespräche, Vorlesen, Spaziergänge, Beobachten der Natur oder Ähnliches handeln. Dies sind Tätigkeiten, bei denen in normalen Zeiten auch die Mitwirkung unserer freiwilligen Helfenden sehr gefragt ist.

Trudi Roth beim Bügeln ihrer eigenen Kleidung im Näh­-Atelier im Alp Betagtenzentrum. (Foto: Stefan Weiss)

Josephine Bossart beim Annähen eines Knopfes an ihrer Bluse im Näh­-Atelier im Alp Betagtenzentrum. (Foto: Stefan Weiss)

Wie sind die Reaktionen der Bewohnenden auf das Projekt?

Zumpe: Sehr, sehr positiv. Schon in den letzten Jahren ergaben unsere Bewohnerumfragen eine 95%-Zufriedenheit mit dem Betreuungsangebot oder sogar mehr. Wir haben den Anspruch, dieses hohe Niveau weiter zu steigern und damit jeder Bewohnergeneration, der aktuellen wie der künftigen, grösstmögliche Lebensqualität im Alter zu bieten.

Und wie wirkt sich das Projekt auf die Mitarbeitenden aus?

Zumpe: Die interdisziplinäre Betreuung erfordert ein gewisses Mass an Mehraufwand. Sie ist aber auch eine Frage der Organisation. Selbstverständlich dürfen die Mitarbeitenden den Bewohnenden jederzeit sagen, wenn etwas zeitlich nicht drinliegt, und eine Alternative vorschlagen. Das Projekt will unsere Mitarbeitenden vor allem sensibilisieren. Es macht viel aus, wenn man beispielsweise die Lifttür aufhält, auf einen Bewohner wartet, ihn mitnimmt und dabei ein kleines Gespräch beginnt. Der Bewohner fühlt sich beachtet, aufgehoben und ernst genommen. Wir bewegen uns ja im Zuhause der Bewohnenden. Ein erfüllter Arbeitstag besteht darin, wenn beide Seiten am Abend zufrieden zu Bett gehen.

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