«Tante Emmen»

Essen von nebenan


Möglichst regional, saisonal, biologisch und fair – das sind die Anforderungen der Foodcoop «Tante Emmen» an das, was bei ihr auf dem Teller landet. Und als Foodcoop bezieht sie ihre Lebensmittel nicht etwa über den Grossverteiler, sondern direkt vom Produzenten. Das Ziel: qualitativ hochwertige und nachhaltige Lebensmittel zu einem fairen Preis.

Autorin: Larissa Brochella

Seit mehr als einem Jahr versorgt die Foodcoop «Tante Emmen» ihre Mitglieder mit regionalen und biologischen Lebensmitteln. Im Bild: Kerngruppenmitglieder Lea Egloff (links) und Michele Kohler Jiménez. (Bild: lbr)

Viermal pro Jahr herrscht in den Räumlichkeiten der Gemeinschaftssiedlung im Untergrundhof reges Treiben: In grossen Mengen werden Lebensmittel und Haushaltsprodukte geliefert, abgepackt und am darauffolgenden Tag von den Mitgliedern der Foodcoop «Tante Emmen» abgeholt.

«Unter einer Foodcoop versteht man den Zusammenschluss von Personen, die gemeinsam Lebensmittel direkt bei den Herstellern kaufen», erklärt Lea Egloff, Mitbegründerin von «Tante Emmen». Foodcoops erfreuen sich wachsender Beliebtheit, was sich auch bei «Tante Emmen» zeigt. Denn obwohl sie erst vor etwas mehr als einem Jahr gegründet wurde, zählt die neue Foodcoop in Emmen heute bereits 49 Bestellgruppen, die jeweils aus einer oder mehreren Personen bestehen.

Viele Wege, ein Ziel

«Ich wohne erst seit zwei Jahren hier in Emmen», erzählt Egloff. «Zuvor habe ich in Berlin gelebt und war dort bereits Teil von verschiedenen Foodcoops.» In Emmenbrücke habe sie ein solches Angebot vermisst. Vor allem weil es kaum Bioläden und Märkte in der Nähe gibt. Deshalb habe sie die Fäden schliesslich selbst in die Hand genommen: «Eine Nachricht in den Siedlungs-Chat hat gereicht, damit sich ein paar Interessierte fanden.»

Es folgten einige virtuelle Treffen, bis «Tante Emmen» schliesslich im Herbst 2020 ihre ersten Bestellungen aufgab. Wie einfach und schnell eine solche Foodcoop auf die Beine gestellt ist, hat auch Kerngruppenmitglied Michele Kohler Jiménez überrascht. Die Künstlerin und angehende Umweltberaterin wollte ursprünglich mit ihrer Schwester einen Unverpackt-Laden eröffnen. Eher übel als wohl habe ihr die Pandemie dabei einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die bestellte Ware wird in den Räumen der Gemeinschaftssiedlung im Untergrundhof sortiert für die Abholung. (Bild: Christian Fischer)

Des Tofus wegen

Ob Tofu, Hafermilch, Reis oder Mehl: «Tante Emmen» hat ein breites Sortiment an Lebensmitteln und Haushaltsartikeln im Angebot. Die Produkte werden zurzeit von zwölf verschiedenen Produzenten, Lieferanten und landwirtschaftlichen Betrieben bezogen. «Die Lebensmittel müssen aus biologischer Produktion und, wenn immer möglich, lokal produziert sein», erklärt Kohler Jiménez.

Umwelt und Gesellschaft

Wichtig sei für Kohler Jiménez und Egloff vor allem der Beitrag, den sie mit der Foodcoop an die Gesellschaft leisten könnten: «Wir wollen den Menschen zeigen, dass man ein solches Projekt ganz einfach auf die Beine stellen kann», so Egloff. Denn durch die kurzen Lieferwege und den Verzicht auf übermässige Verpackung können Foodcoops einen wichtigen Beitrag für die Umwelt leisten und gleichzeitig kleine Betriebe unterstützen.

Foodcoops stellten für die beiden Gründungsmitglieder ein alternatives Wirtschaftsmodell dar. «So wie jetzt kann es nicht weitergehen, wenn wir zukünftigen Generationen einen intakten Planeten hinterlassen wollen», ist die Umweltingenieurin Egloff überzeugt. Kohler ergänzt: «Wir müssen jetzt im Kleinen Dinge ausprobieren, die nachhaltig und zukunftsfähig sind.»

Gleich und Gleich gesellt sich gern

«Durch ‹Tante Emmen› konnte ich mich in der Nachbarschaft mit Gleichgesinnten vernetzen», erzählt Egloff. Aus den Bekanntschaften entstünden bereits neue Projekte und die Foodcoop selbst entwickle sich stets weiter. «Im Moment haben wir alle drei Monate ein Bestellfenster von zehn Tagen. Das erschwert es, frische Produkte anzubieten», so Kohler Jiménez. Zukünftig wollen sie ihr Sortiment ausbauen und auf frische Produkte ausweiten sowie durch Veranstaltungen den Austausch unter den Mitgliedern und mit Interessierten fördern.

«Wir freuen uns immer über neue Mitglieder», so Kohler Jiménez. Sie helfen aber auch gerne beim Aufbau einer neuen Foodcoop mit. «Wir alle müssen essen und haben ein Anrecht darauf, uns eine qualitativ hochwertige und nachhaltige Ernährung leisten zu können.»

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