Ausserschulisches Lernen

Wir verlassen die gewohnten vier «Erlen»-Wände


Das ausserschulische Lernen ist während der Corona-Pandemie deutlich zu kurz gekommen. Dabei würden ausserschulische Lernorte eine einmalige Gelegenheit bieten, ein Thema nicht nur zu lernen, sondern regelrecht zu erleben. Hier berichten wir über zwei Exkursionen, welche zwei Klassen der Sekundarschule Erlen kürzlich erleben durften.

Autor: Marcel Frehner

Bundespolitik hautnah: Bundesrat Ignazio Cassis umrahmt von Schülerinnen und Schülern der Klasse 2k. (Bild: zvg)

Der reguläre Unterricht im Schulzimmer (oder im Werkraum, in der Schulküche, in der Turnhalle usw.) bietet sehr viele Möglichkeiten, um sich in ein Thema zu vertiefen und wichtige Sachverhalte zu lernen. Zudem erlaubt die fortschreitende Digitalisierung neuartige Unterrichts-, Visualisierungs- und Interaktionsmöglichkeiten, die im täglichen Schulunterricht eingesetzt werden.

Ins Langzeitgedächtnis gebrannt

Nichtsdestotrotz bieten ausserschulische Lernorte einen unersetzlichen Mehrwert, den die Digitalisierung nicht bieten kann. Die Schülerinnen und Schüler können nämlich dem Lerngegenstand im realen Leben eins zu eins begegnen, egal ob es sich um Orte, Gegenstände oder Personen handelt. Solche Begegnungen führen zu einem emotionalen Bezug zum Lerngegenstand und brennen somit das Gelernte richtiggehend ins Langzeitgedächtnis.

Der Lerneffekt ist bei ausserschulischem Lernen oft viel grösser als in den gewohnten vier Wänden der Schule. Zudem stellen Exkursionen, Ausflüge und Besuche eine willkommene Abwechslung zum schulischen Alltag dar. Es ist nicht erstaunlich, dass auch Jahre später bei Klassenzusammenkünften gern über solche ausserschulischen Erlebnisse gesprochen wird.

«Sie, ich bin so aufgeregt, mein Herz rast.»


Vorfreude auf das Treffen mit Bundesrat Ignazio Cassis

Besuch bei Bundesrat Ignazio Cassis in Bern

Bereits seit mehreren Wochen bereitete sich die Klasse 2k im RZG-Unterricht vorfreudig auf den Ausflug in die Bundesstadt vor. Es sollte der krönende Abschluss zum Thema «Politisches System der Schweiz» werden. In einer spannenden Führung durchs Parlamentsgebäude konnten die Lernenden auf den Sitzen der National- und Ständerätinnen und -räte ihr gelerntes Wissen vertiefen und politische Hintergrundgeschichten erfahren.

Aufgeregt und mit klopfenden Herzen ging es danach weiter zum Departement für auswärtige Angelegenheiten: Dort empfing Bundesrat Ignazio Cassis die Schulklasse in den Sitzungszimmern des Bundesrates, wo er geduldig von seinem Amt berichtete und sich auch für Scherze, Fotos und Fragen nicht zu schade war.

Im Museum für Kommunikation verbrachten wir einen spielerischen und abwechslungsreichen Nachmittag rund um die Themen Face-to-Face-Kommunikation, Digitalisierung und Medienkompetenz. Das Erklimmen der 312 Stufen auf den Turm des Berner Münsters machte das Programm komplett. Der Schweiss und die Selbstüberwindung, die die Höhe einigen abverlangte, wurden mit einer prächtigen Aussicht über die Dächer von Bern belohnt. Mit vielen Eindrücken (und einigen kleinen Bundesratsgeschenken) im Gepäck bleibt der Tag in Bundesbern wohl noch lange in Erinnerung. Schön wars.

Auf das Nötigste reduziert: Schüler der Klasse 3a in der Zivilschutzanlage Sonnenberg. (Bild: zvg)

Exkursion in die Zivilschutzanlage Sonnenberg

Die Klasse 3a behandelte im RZG-Unterricht den Kalten Krieg, eine für die heutigen Jugendlichen eher schwer fassbare Zeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Um den Geist dieser Zeit zum Leben zu erwecken, tauchten wir ab unter die Erde, nämlich in die Zivilschutzanlage Sonnenberg in der Stadt Luzern.

Diese Anlage war einst die grösste Zivilschutzanlage der Welt und sollte 20 000 Luzernerinnen und Luzern Schutz vor einem Atombombenangriff bieten. Dazu würden im Ernstfall beide zirka 1,5 Kilometer langen Tunnelröhren des Sonnenberg-Autobahntunnels hermetisch verriegelt und in eine unterirdische Kleinstadt verwandelt. Die Zivilschutzanlage beherbergte während des Kalten Krieges Notvorräte für zwei Wochen unterirdischen Überlebens.

Während einer äusserst interessanten Führung bestaunten wir das siebenstöckige unterirdische Verwaltungs- und Logistikzentrum der Zivilschutzanlage inklusive Notspital, konnten es uns auf den Notbetten bequem machen (naja) und erhaschten einen Blick auf die vorbeirauschenden Autos in der Autobahntunnelröhre.

Der Besuch dieser riesigen unterirdischen Bunkeranlage verschaffte uns eine Ahnung der damaligen Angst vor dem dritten Weltkrieg und der getroffenen Vorkehrungen. Sehr eindrücklich.

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