Kopf des Monats

Kurt Käppeli


Samichlaus und Präsident der Lozärner Samichlaus-Gesellschaft

Autorin: Sina Staubli

«Ich bin mit Herzblut Samichlaus. Und zwar so lange, bis ich tot umfalle.» Kurt Käppeli, Samichlaus und Präsident der Lozärner Samichlaus-Gesellschaft. (Bild: sst)

Als Kind hatte Kurt Käppeli ein bisschen Angst vor dem Samichlaus, jetzt ist er selber einer. Mit Leidenschaft ist Käppeli Samichlaus und Präsident der Lozärner Samichlaus-Gesellschaft, denn der Brauch liegt dem Emmer sehr am Herzen. Der pensionierte Postmitarbeiter und Lastwagen-Chauffeur hofft, dass die Lozärner Samichlaus-Gesellschaft noch lange für funkelnde Kinder- und Erwachsenenaugen sorgen wird.

Alles begann in seiner eigenen Kindheit: Damals überwiegte die Angst, da mit dem Samichlaus jeweils auch der Schmutzli auf Besuch mitgekommen ist. Dennoch war Kurt Käppeli fasziniert von dem Brauch und merkte bald, dass der Samichlaus ein «lieber Mann» sei. Als achtjähriger Ministrant durfte er erstmals mit dem Samichlaus mit – und dies liebend gerne, weil er so später ins Bett gehen durfte. Waren sie zu Fuss bei Bauernfamilien unterwegs, wurde es manchmal 1 oder 2 Uhr morgens, bis sie zurück waren. Ein paar Jahre später begleitete er in der Pfadi den Samichlaus beim Einzug und durfte die Fackel tragen. Mittlerweile ist Kurt Käppeli seit 40 Jahren Mitglied der Chlausgesellschaft Rothenburg und seit 22 Jahren bei der Lozärner Samichlaus-Gesellschaft.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich für den Samichlaus-Brauch einzusetzen?

Es begann in meiner Kindheit. Der Samichlaus-Brauch liegt mir sehr am Herzen. Ich bin riesig gerne der Samichlaus. Mittlerweile bin ich seit 40 Jahren als Samichlaus engagiert. Es macht mir Spass und es ist schön, Kinder und ältere Menschen zu beglücken. Einige Kinder weinen, wenn sie den Samichlaus sehen, da sie Angst haben. Im Altersheim wiederum weinen die Menschen vor Freude. Diese strahlenden Augen von Klein und Gross zu sehen, erfüllt mich mit Freude. Auch schätze ich als sehr kontaktfreudiger Mensch die Nähe zu den Leuten.

«Der Samichlaus-Brauch liegt mir sehr am Herzen. Ich bin riesig gerne der Samichlaus. Mittlerweile bin ich seit 40 Jahren als Samichlaus engagiert. Es macht mir Spass und es ist schön, Kinder und ältere Menschen zu beglücken.»


Kurt Käppeli

Wie ist die Lozärner Samichlaus-Gesellschaft entstanden?

Wir sind jetzt genau fünfzig Jahre alt – die Gründung war am 22. November 1971. Zuvor gab es in Luzern verschiedene Chlausgruppen. Die Lozärner Samichlaus-Gesellschaft ist keiner Kirche unterstellt – das heisst, wir sind selbständig.

Wie organisiert sich die Lozärner Samichlaus-Gesellschaft?

Wir zählen 22 Mitglieder – oftmals Pensionierte und allgemein Leute, die am gleichen Strick ziehen. Anders würde es mit so wenig Mitgliedern nicht funktionieren. Diese 22 Vereinsmitglieder teilen sich die Aufgaben untereinander auf. Wir zählen auf einen Präsidenten, Vizepräsidenten, Aktuar, Kassier und einen Materialverwalter.

Wie finanziert sich die Lozärner Samichlaus-Gesellschaft?

Wir finanzieren uns einerseits mit den Einnahmen, die wir bei den Besuchen machen. Andererseits haben wir Gönner, die jedes Mitglied selber akquiriert. Mit diesen Einnahmen decken wir die Ausgaben. Hauptausgabe sind die teuren Kleider. Das komplette Einkleiden eines Samichlaus’ inkl. Bart kostet knapp 4000 Franken.

Lozärner Samichlaus-Gesellschaft im Einsatz für den Brauch

Die Lozärner Samichlaus-Gesellschaft erfreut jede Adventszeit Klein und Gross – bei Familienbesuchen, in Altersheimen, Kitas oder bei Geschäftsanlässen. Unterstützen Sie den Samichlaus-Brauch: Sie sind willkommen als Vereinsmitglied oder Gönner. Weitere Informationen finden Sie unter:

Wer gehört alles zum Samichlaus?

Wir haben immer «Jocher» dabei, in anderen Gemeinden sind sie als «Treichler» bekannt. Meistens kommen ein «Ruprecht» und der Diener mit. Wir haben auch oft einen Esel – unser Markenzeichen – dabei. Wir sind eine der wenigen Chlausgesellschaften, die einen Esel dabeihaben. Wenn wir einen Schmutzli mitnehmen, bleibt er im Hintergrund. Er macht sich einzig mit dem Geröll ein bisschen bemerkbar. Dies aus dem Grund, dass der Samichlaus ein lieber Mann ist und man keine Angst vor ihm haben muss.

Wie läuft ein Besuch bei einer Familie zu Hause ab?

Wir treten in die Wohnung ein, welche meistens weihnachtlich dekoriert ist. Viele Familien bereiten sich auf den Besuch vor. Sie basteln beispielsweise oder es brennen Kerzen. Manchmal hat es Lebkuchen auf dem Tisch oder oft bekomme ich ein Kafi oder ein bisschen Weisswein angeboten. Ich trinke allerdings keinen Alkohol während der Tour.

Als erstes halte ich immer meine besinnliche Ansprache. Ich schreibe jedes Jahr eine neue Geschichte und erzähle sie. Danach kommen wir mit den Kindern ins Gespräch. Dafür erhalten wir die Unterlagen stichworthaltig von den Eltern. Neben diesen Familienbesuchen organisieren wir auch Weihnachtsfeiern und Geschäftsanlässe oder besuchen Kitas und Kindergärten.

Wieso gibt es keine weiblichen Samichläuse?

Zum einen braucht der Samichlaus eine richtig tiefe Stimme. Zum anderen hat der Samichlaus keinen Vorbau. Sonst fragen die Kinder: «Samichlaus, wieso hast du Brüste?»

«HWir haben auch oft einen Esel – unser Markenzeichen – dabei. Wir sind eine der wenigen Chlausgesellschaften, die einen Esel dabeihaben.»


Kurt Käppeli

Wie beschreiben Sie Ihre Tätigkeiten für den Verein?

Ich vereinbare sämtliche Termine. Mit fast allen Familien, die wir besuchen, habe ich vorgängig Kontakt. Mir ist es wichtig zu wissen, wo die Familien wohnen. Ansonsten finden wir sie in der Nacht nicht auf Anhieb. Wir haben den Eselwagen dabei, mit dem wir nicht überall wenden können. Ich laufe oder fahre deshalb alles zuerst ab. Unter dem Jahr organisiere ich auch diverse Vereinsausflüge. Im Herbst starten jeweils die Samichlaus-Vorbereitungen, wofür ich fast zwei Monate arbeite. Wir stellen jeweils auch 300 bis 500 Samichlaus-Säckli selber zusammen.

Was gefällt Ihnen besonders an dieser Arbeit?

Es macht mir alles riesig Spass. Wenn du einen Brauch aufrechterhalten möchtest, braucht es engagierte Vereinsmitglieder. Als Samichlaus reizt mich, dass man immer eine Antwort bereit haben muss.

Was waren für Sie die schönsten Momente, die Sie bei der Lozärner Samichlaus-Gesellschaft erlebt haben?

Es gibt viele schöne Sachen, zum Beispiel in den Altersheimen. Ich habe einmal im Heim im Bergli meine Ansprache gehalten. Danach gingen wir von Zimmer zu Zimmer zu denjenigen, die bettlägerig sind. Eine Frau hat mich gebeten, zu ihrem Mann zu gehen. Ich ging dann zu ihm ins Zimmer, wo ich wunderbar auf die Luzerner Seebucht sah. Der Mann meinte, es sei die absolut beste Sicht am Luzerner Seenachtsfest. Er hat mich im darauffolgenden Sommer eingeladen, gemeinsam das Feuerwerk des Luzerner Seenachtsfestes zu schauen. Eine wunderschöne Begegnung und Freundschaft, die entstand.

Ich bekomme auch oft Dankesbriefe von Familien oder älteren Leuten. Von den Kindern bekomme ich oft Zeichnungen – manchmal sogar «Nuggis». Die Väter sagen dann jeweils, dass ich den «Nuggi» beim Weitergehen wieder in den Milchkasten legen soll.

Wie lange geht es, bis Sie als Samichlaus bereit sind?

Das geht relativ schnell. Ich habe eine Perücke und den Bart – beides aus echtem Büffelhaar. Die Qualität ist gut, es ist mir wohl und gibt warm. Bereit bin ich in etwa fünf Minuten. Da ich oft noch mit dem Auto fahre, lege ich nur das weisse Gewand an und ziehe kurz vorher den Bart, den roten Mantel, die Handschuhe, den Ring und den Stab an. Zum Schluss setze ich die Perücke auf.

Gibt es dieses Jahr immer noch Einschränkungen aufgrund der Covid-19-Pandemie?

Dieses Jahr mussten wir leider den Einzug absagen. Wir haben unser 50-jähriges Jubiläum und planten eigentlich einen speziellen Einzug. Die Besuche bei den Familien finden mit Zertifikatspflicht statt. Wenn wir die Wohnung betreten, muss uns die Familie das Zertifikat zeigen. Liegt kein Zertifikat vor, dürfen wir den Besuch draussen im Garten machen.

Letztes Jahr haben wir als einzige Chlausgesellschaft Besuche durchgeführt. Wir haben alle eine Maske getragen und ich als Samichlaus zusätzlich Handschuhe. Deshalb freue ich mich dieses Jahr umso mehr, da es wieder etwas einfacher ist. Familienbesuche sind immer ein Highlight. Ich erlebe dabei so vieles, dass ich Bücher darüber schreiben könnte.

Welche Ziele haben Sie sich im Zusammenhang mit der Lozärner Samichlaus-Gesellschaft gesetzt?

Das Hauptziel ist es, den Brauch zu pflegen. Dafür braucht es vor allem Herzblut. Ein weiteres Ziel ist es, jungen Nachwuchs für die Samichlaus-Gesellschaft zu finden. Dies ist momentan schwierig und wir machen fleissig Aufrufe dafür.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Lozärner Samichlaus-Gesellschaft?

Für die Zukunft wünsche ich allen gute Gesundheit. Ich hoffe, dass es mit der Lozärner Samichlaus-Gesellschaft genauso weitergeht und der Brauch noch lange bestehen bleibt.

«Das Hauptziel ist es, den Brauch zu pflegen. Dafür braucht es vor allem Herzblut. Ein weiteres Ziel ist es, jungen Nachwuchs für die Samichlaus-Gesellschaft zu finden. Dies ist momentan schwierig und wir machen fleissig Aufrufe dafür.»


Kurt Käppeli

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