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Wohnen, wo gearbeitet wird


Ein Wohnhaus mitten im Gewerbegebiet? Das ist eher eine Seltenheit. Der Neubau im Meierhöfliquartier ist allerdings nicht bloss in dieser Hinsicht besonders. Denn die «Charta von Luzern Nord» überzeugte nebst der Gemeinde Emmen auch eine Fachjury von ihrer Einzigartigkeit – und wurde im Wettbewerb «Häuser des Jahres 2021» ausgezeichnet.

Autorin: Larissa Brochella

Die «Charta von Luzern Nord» wird beim Wettbewerb «Häuser des Jahres 2021» ausgezeichnet. (Bilder: Dominique Marc Wehrli)

«Als ich das Projekt zum ersten Mal sah, wusste ich, wir müssen es haben», erzählt Urs Gasser, Leiter Bereich Baubewilligungen bei der Gemeinde Emmen, begeistert. Nicht nur das Objekt selbst habe ihn überzeugt, auch die visuelle Einbettung in die gewerbliche Umgebung sei vom Luzerner Architekturbüro Graber & Steiger bis ins letzte Detail durchdacht worden.

Wohnen im Gewerbegebiet

Das Projekt entstand aus dem Bedürfnis der Bauherren, den Arbeitsweg in die anliegende Fabrikhalle so kurz wie möglich zu gestalten, so Architekt Christoph Steiger des Architekturbüros Graber & Steiger.

«Wir wurden angefragt, wo man auf dem Grundstück ein Wohnhaus bauen könnte», fährt er fort. Auf knapp 80 Quadratmetern Fläche, die zuvor eine Garage und Büroräumlichkeiten beherbergten, sollte das Wohnhaus schliesslich entstehen.

Dabei war es den Bauherren wie Architekten ein grosses Anliegen, den Charme des umliegenden Gebiets einfliessen zu lassen. Tragende Aussenwände und grosszügige Innenräume sollen den Charakter der gewerblichen Liegenschaften im Inneren des Wohnhauses nachempfinden, erklärt Architekt Steiger. Auch in den Materialien finde sich eine Anlehnung an die industrielle Umgebung wieder: «Das viele Holz sorgt ausserdem für ein angenehmes Wohnklima.»

«Es braucht Wohnen und Gewerbe, dass eine Gemeinde oder ein Quartier lebt.»


Urs Gasser, Leiter Bereich Baubewilligungen

Der Nachhaltigkeitsgedanke spielte bei der Auswahl der Materialien ebenfalls eine wichtige Rolle, so Steiger. Und nicht nur da: «Monokulturen, wie sie heute bestehen, wo Arbeit und Wohnen strikt getrennt werden, sind nicht mehr sinnvoll», ist der Architekt überzeugt, denn sie führten zu langen Pendlerstrecken, die umwelt- und verkehrstechnisch nicht tragbar seien. «Unser Interesse ist es, möglichst ressourcenschonend und verdichtet zu bauen», so Steiger, «gerade deshalb ist es so interessant, Raum zu schaffen an einem Ort, der bereits bebaut ist.»

Work-Life-Nebeneinander?

«Dieses Projekt kann wegweisend sein für das Bauen in gewissen gewerblichen Zonen», meint Urs Gasser, Leiter Bereich Baubewilligungen, aber wendet ein: «Die Konflikte zwischen Wohnen und Industrie sind zu gross, als dass sie direkt nebeneinander existieren können.» Trotzdem gelte es, gewerbliches Wohnen wieder vermehrt zu fördern, sodass zum Beispiel der Bäcker über der Bäckerei wohnt. «Es braucht Wohnen und Gewerbe, dass eine Gemeinde oder ein Quartier lebt.»

«Aufs richtige Pferd gesetzt»

«Diese Selbstverständlichkeit, mit der das Gebäude sich in die Umgebung einfügt, aber trotzdem nicht in ihr verschwindet, ist toll», freut sich Gasser. Die Einzigartigkeit der «Charta von Luzern Nord» wurde beim Wettbewerb «Häuser des Jahres 2021» auch von Experten ausgewiesen. Architekt Steiger zeigt sich darüber höchst erfreut: «Das Haus ist an sich sehr unscheinbar und doch fasst es brisante Themen ins Auge.» Es sei schön, dass dies auch von der Jury so anerkannt wurde. «Es hat uns natürlich sehr gefreut, dass das Haus so überzeugen konnte», so auch Urs Gasser, der lachend ergänzt: «Gut zu wissen, dass man auf das richtige Pferd gesetzt hat.»

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