Präventive Budgetberatung

Heimlichen Geldfressern auf der Spur


Mit der präventiven Budgetberatung schafft die persönliche Sozial­hilfe ein neues Tool für Emmerinnen und Emmer, die ihr Haushaltsbudget im Griff haben möchten. Vor allem in veränderten Lebenslagen kann dies zu einem höheren Sicherheits- und einem befreiteren Lebensgefühl beitragen.

Autorin: Jeannine Cirinesi

Budgetberaterin Andrea Zeidler bei der Beratung von Peter und Sabrina Stocker. (Symbolbild: pbu)

Veränderte Lebenslagen sind oft Ereignisse freudiger Natur: der erste grosse Lohn, die erste eigene Wohnung, die Gründung der eigenen Familie oder die Aufnahme in eine Weiterbildung. Die Veränderung auf emotionaler Ebene und die damit verbundenen Glücksgefühle vereinnahmen und verdrängen jene eher unromantischen und dennoch wichtigen Themen wie: nicht einkalkulierte Kosten oder wegfallende Einkünfte. Im schlimmsten Falle endet die Situation in einer Verschuldung.

Prävention statt Intervention

Hier setzt ein neu geschaffenes Angebot der persönlichen Sozialhilfe an. Mit einer Budgetberatung unterstützt das Team unter der Leitung von Claudia Brunner Erwachsene, die vor oder inmitten einer Veränderung ihrer Lebensumstände stehen. Wie zum Beispiel die Familie Stocker*.

Vor einem Jahr tauschte Sabrina Stocker (35) ihren Bürojob gegen das Muttersein ein. Dank des Mutterschaftsurlaubs verkleinerte sich das monatliche Einkommen der Familie zunächst nicht erheblich. Erst nach Ablauf dieser Frist zeigten sich hier und dort kleinere Engpässe, trotz wiederaufgenommenem Teilzeitpensum der Mutter. Bis zu einem gewissen Punkt konnten die finanziellen Defizite mit Erspartem ausgeglichen werden. «Irgendwann sind aber auch diese Reserven aufgebraucht. Bevor es so weit kommt und vor allem bevor wir uns verschulden, wollten wir unser Haushaltsbudget unter die Lupe nehmen», erzählt Sabrina Stocker.

«Dann werden aus ein paar hundert Franken plötzlich tausend, was je nach Budget nicht so einfach wegzustecken ist.»


Claudia Brunner, Teamleiterin persönliche Sozialhilfe

Dreistufiges Beratungsmodell

Die präventive Budgetberatung des Departements Soziales setzt sich aus drei verschiedenen Stufen zusammen. In einem ersten Schritt wird mittels einer Auslegeordnung ein Überblick über die finanziellen Einnahmen und Ausgaben gewonnen. Peter und Sabrina Stocker werden hierfür mit gezielten Fragen durch die Datenerfassung begleitet. Bei Bedarf werden Hilfe bei der Organisation von Dokumenten oder auch Tipps für eine ordentliche Dokumentenführung angeboten.

Gleichzeitig unterstützt die strukturierte Darstellung der verschiedenen Ausgabeposten das Paar dabei, mehr Kontrolle und Ordnung über regelmässige Rechnungseingänge zu gewinnen. «Es kommt leider immer noch vor, dass beispielweise ein Gläubiger, wie die Firma Serafe, die Rechnungsstellung vergisst und dann plötzlich rückwirkend für mehrere Jahre Gebühren einfordert. Dann werden aus ein paar hundert Franken plötzlich tausend, was je nach Budget nicht so einfach wegzustecken ist», erklärt Claudia Brunner, Teamleiterin persönliche Sozialhilfe bei der Gemeinde Emmen.

Mit Geld umzugehen, will gelernt sein

Trotz veränderter Situation ein positives Budget haben und damit auch umgehen können: Dies ist das oberste Ziel des Beratungsangebotes der Gemeinde Emmen. So soll eine mögliche Verschuldung gar nicht erst eintreten. Mit dem Beratungsangebot wollen Claudia Brunner und ihr Team die Menschen befähigen, ein Budget für ein ganzes Jahr zu erstellen. «So, dass man weiss: Damit kann ich leben, so bin ich auf der sicheren Seite, ich habe keine unerwarteten Rechnungen zu befürchten, die ich nicht mehr zahlen kann. Und genau diese Befähigung bringt ein neues Lebensgefühl mit sich. Man fühlt sich viel befreiter und unabhängiger», erklärt Beraterin Brunner.

Im zweiten Schritt in der präventiven Budgetberatung werden das Haushaltsbudget analysiert und mögliche Einsparungspotenziale evaluiert. Hier fliessen Erfahrungswerte der beratenden Person wie auch Merkblätter des Dachverbandes Budgetberatung Schweiz mit ein.

Ausgerüstet mit Inputs und einer Budgetvorlage gehen Peter und Sabrina Stocker nach Hause und machen sich Gedanken. Welche Einsparungen sind umsetzbar? Auf welche Ausgaben könnten sie verzichten? «Die detaillierte Auflistung deckt heimliche Geldfresser auf», äussert sich Peter Stocker (37) und führt aus: «Es animiert dazu, gewisse Ausgaben genauer zu betrachten. Können Handykosten optimiert werden? Wie viel gebe ich für Essen unterwegs aus?»

Andrea Zeidler (links) und Teamleiterin Claudia Brunner bei der Beratung von Peter und Sabrina Stocker. (Symbolbild: pbu)

«Die detaillierte Auflistung deckt heimliche Geldfresser auf.»


Peter Stocker, Kunde der präventiven Budgetberatung

Für Andrea Zeidler, als Budgetberaterin bei der Gemeinde Emmen im Team von Claudia Brunner tätig, ist genau diese Bewusstseinsentwicklung wichtig: «Wir wollen den nötigen Denkanstoss auslösen und Kundinnen und Kunden dazu animieren, ihr Ausgabenverhalten zu untersuchen, gegebenenfalls zu hinterfragen und im besten Fall zu optimieren.»

Die Datenmenge machts aus

Nach ein paar Wochen treffen Peter und Sabrina Stocker wieder auf Claudia Brunner und Andrea Zeidler. Im dritten Schritt erfolgt nun die Beratung, wie das Haushaltsbudget im Alltag umgesetzt werden kann. Hierbei werden verschiedene Fragestellungen genauer angeschaut und diskutiert: Welche Kostenpunkte können optimiert werden, was kann allenfalls sogar wegfallen? Wie viele Konten machen Sinn, um Sparziele zu erreichen? Wo fallen Kontoführungsgebühren an? Mit welcher Methode können die Stockers gut sparen? Mit einem Dauerauftrag auf ein Sparkonto oder doch eher mit einem physischen Kasseli? Zu welchem Zeitpunkt sollen Rechnungen beglichen werden? Wo fallen Mahngebühren ins Gewicht?

«Die intensive Auseinandersetzung mit unserem Ausgabenverhalten hat in mir die Lust auf mehr Übersicht geweckt», erzählt Sabrina Stocker. «Ich möchte im neuen Jahr genauer hinschauen und notieren, wofür wie viel Geld ausgegeben wird in unserer Familie. Durch mehr Informationen erwarte ich die Aufdeckung weiterer heimlicher Geldfresser.»

«Wir wollen den nötigen Denkanstoss auslösen und Kundinnen und Kunden dazu animieren, ihr Ausgabenverhalten zu untersuchen, gegebenenfalls zu hinterfragen und im besten Fall zu optimieren.»


Andrea Zeidler, Budgetberaterin

Frühzeitige Hilfestellung

Das Team von Claudia Brunner sieht im Angebot der präventiven Budgetberatung viel Potenzial. Kundinnen und Kunden sollen in einem frühen Stadium Unterstützung erhalten. Mittels Haushaltsbudget und Übersicht über die eigenen Finanzen sowie eines bewussten Umgangs mit Geld und des Konsumverhaltens kann einer Verschuldung aktiv entgegengewirkt werden.

Das Angebot der präventiven Budgetberatung steht allen erwachsenen Emmerinnen und Emmern bis zum Rentenalter kostenlos zur Verfügung. Veränderte Lebensumstände wie der erste grosse Lohn, der Auszug aus dem Elternhaus, Heirat, Familienplanung, Arbeitslosigkeit oder die Planung einer Ausbildung sind mögliche Gründe, das Angebot der Gemeinde Emmen in Anspruch zu nehmen. Falls eine Budgetberatung nicht ausreicht, besteht ferner die Möglichkeit, eine vertiefte Beratung in Finanzen oder eine freiwillige Einkommensverwaltung in Anspruch zu nehmen.

* Namen geändert

An einer Budgetberatung interessiert?

Melden Sie sich unverbindlich per E-Mail oder telefonisch bei der persönlichen Sozialhilfe: psh@emmen.ch, 041 268 02 38.

Weitere Beratungsangebote

Bei Fragen zu Schulden und Betreibungen oder wenn Sie sich generell einen Überblick über Ihre finanzielle Situation verschaffen möchten, melden Sie sich bitte bei der Finanzberatung, Telefon 041 268 02 38.

Bei Fragen zu Scheidungs- und Trennungsbudget verweist die persönliche Sozialberatung an die Frauenzentrale Luzern (Tel. 041 211 00 30). Für Fragen zu Jugendbudget gibt die Regionale Jugend- und Familienberatung Auskunft (Telefon 041 268 08 88).

Gefällt Ihnen dieser Artikel? Teilen Sie ihn mit Freunden: