Kopf des Monats

Heidi Buchmann-Schaller


Ehrenamtliche des Jahres 2019

Autorin: Riccarda Rauter

Heidi Buchmann-Schaller ist seit 1977 ehrenamtlich tätig, unter anderem im Turnverein Mauritiusring und bei der Sport Union Schweiz. (Bild: rra)

Freiwilligenarbeit ist nicht nur im Sport ein wichtiges Thema, die Schweiz lebt von Ehrenamtlichkeit. Die Emmerin Heidi Buchmann-Schaller hat sich ihr Leben lang für Ehrenamtlichkeit eingesetzt und verschiedenste Aufgaben übernommen. Wohlverdient wurde sie deshalb durch die IG Sport Luzern zur Ehrenamtlichen des Jahres 2019 gekürt.

Was motiviert Sie, sich ehrenamtlich dem Sport zu widmen?

Das ist schwer in Worte zu fassen, es hat sich einfach so ergeben. Früher war es etwas eine andere Zeit, als Frau hat man wenig ausser Haus gearbeitet. Neben den Arbeiten im Haushalt und mit den Kindern konnte man ehrenamtliche Tätigkeiten gut in den Alltag einbinden. Die ehrenamtliche Arbeit bereitet mir viel Freude und es ist für mich eine Horizonterweiterung. Man schliesst bei solchen Arbeiten Freundschaften fürs Leben, gerade im Sport entstehen sehr gesellige Gruppen.

«Das Schöne am Verein ist das Gemeinschaftsgefühl und die gegenseitige Unterstützung. Das macht einen Verein aus, es ist mehr als nur einfach Sport treiben.»


Heidi Buchmann-Schaller

Was war bis jetzt die grösste Herausforderung bei Ihrer Arbeit im Ehrenamt?

Die grösste Herausforderung war stets die Besetzung von verschiedensten Ämtern in den Vereinen. Das war ein Dauerthema während meiner gesamten ehrenamtlichen Arbeit. Trotz der vielen Mühe und Investition von Zeit war es immer mit Schwierigkeiten verbunden Freiwillige zu finden. Das war mit Abstand die grösste Herausforderung und das hat mich auch sehr frustriert, weil es meistens erfolglos war.

Haben Sie in Ihrer Arbeit als Ehrenamtliche über die vielen Jahre eine Veränderung im Vereinsleben festgestellt?

Ich denke, heute ist man ganz anders gebildet, als es früher der Fall war. Wir gingen natürlich auch zur Schule und haben einen Abschluss gemacht. Heute ist man jedoch viel besser ausgebildet und arbeitet mehr als früher. Gerade Frauen gehen zur Arbeit, organisieren den Haushalt und dann bleibt nicht mehr viel Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten. Auch bei den Männern ist der Beruf anspruchsvoller geworden. Das Leben ändert sich, das ist einfach so.

Es ist nicht selbstverständlich, dass so viel freiwilliger Einsatz gezeigt wird und oftmals fehlen auch in den Vereinen Menschen wie Sie. Stellt sich hier eine Generationenfrage?

Ich glaube einfach, dass sich die Umstände im Verlaufe der Zeit geändert haben. Bei Absagen habe ich oft die Antwort erhalten, dass neben dem Beruf und der Familie zu wenig Zeit für ein Ehrenamt bleibt. Das muss man akzeptieren. Ich hatte in meiner Karriere jedoch nie das Gefühl, dass die jüngere Generation faul sei.

Ehrenamtlicher Werdegang von Heidi Buchmann-Schaller

1977 ging Heidi Buchmann-Schaller das erste Mal in den Turnverein Mauritius, in die Damenriege. An der ersten GV wurde sie bereits Revisorin und zwei Jahre später dann Präsidentin der Damenriege. Dieses Amt besetzte sie gut zehn Jahre. Später leitete sie das MuKi-Turnen und als ihre Kinder älter wurden, initiierte Heidi Buchmann-Schaller das Kinderturnen im Riffig. Der nächste Halt war beim Kantonalverband, wo sie das Amt des Bereiches Jugendadministration übernommen hat. Ein wenig später übernahm sie dann das Amt der Vizepräsidentin in der Sport Union Schweiz, bevor sie wieder zurück zum Kantonalverband ging, als Präsidentin. Die letzten zehn Jahre war Heidi Buchmann-Schaller Präsidentin des Regionalverbandes Sport Union Zentralschweiz, bevor sie dieses Amt letztes Jahr niedergelegt hat.

Auch ausserhalb des sportlichen Bereiches war Heidi Buchmann-Schaller ehrenamtlich sehr aktiv. Sie war lange im Vorstand der Spitex Emmen und für einige Zeit Präsidentin. Ebenso im Quartierverein war sie im Vorstand. Von 1987 bis 2000 war die engagierte Emmerin zudem im Einwohnerrat der Gemeinde Emmen und besetzte dort 1995 sogar das Amt der Einwohnerratspräsidentin.

Jetzt ist Heidi Buchmann-Schaller ein wenig zur Ruhe gekommen und ist momentan Präsidentin der Vereinigung der Pensionierten des Kantonsspitals Luzern.

Die Sportwelt ist momentan mit Corona stark gefordert und es muss auf vieles verzichtet werden. Was sind Ihre Gedanken zu dieser Situation?

Das Vereinsleben ist im Moment viel eingeschränkter und die wöchentlichen Begegnungen fehlen. Es werden zwar andere Wege gesucht, wie das Vereinsleben aufrechterhalten werden kann, aber das Zusammenkommen und miteinander Sport treiben fehlt auf jeden Fall. Wir müssen diese Situation gemeinsam durchstehen und lernen damit zu leben. Es ist einfach ein momentaner Stillstand, aber das Schöne am Verein ist das Gemeinschaftsgefühl und die gegenseitige Unterstützung. Das macht einen Verein aus, es ist mehr als nur einfach Sport treiben.

Was ist das schönste Erlebnis in Ihrer Zeit der Ehrenamtlichkeit?

Die wertvollsten Erfahrung ist der Kontakt mit Menschen. Gerade in meiner Zeit als Präsidentin der Sport Union Zentralschweiz genoss ich die Gespräche mit den Vorständen, Vereinen und Mitgliedern sehr. Die Dankbarkeit der Vereine gegenüber des Verbandes ist etwas sehr Schönes. Aber auch die Arbeit mit Kindern ist etwas Wundervolles. Es macht Freude, die Begeisterung bei den Kindern zu sehen. Es ist herzerwärmend, wenn die Kinder lachen und Freude an der Bewegung haben.

«Nicht nur im Sport, auch in vielen anderen Bereichen ist das Ehrenamt sehr wichtig.»


Heidi Buchmann-Schaller

Wieso sollte man sich ehrenamtlich betätigen?

Ehrenamtliche Arbeit ist eine Lebensschule. Man gibt den Menschen etwas und bekommt im Gegenzug sehr vieles zurück. Man erfährt das Gefühl der Zusammengehörigkeit und kann gemeinsam etwas bewirken. Für mich ist es so etwas wie eine gratis Weiterbildung.

Was braucht man für Eigenschaften, um sich ehrenamtlich zu betätigen?

Jeder kann das. Wenn man sich wirklich aktiv beteiligen möchte, dann bin ich überzeugt, dass jede und jeder ein Ehrenamt übernehmen kann. Das nötige Wissen kann angeeignet werden, es ist wie eine Berufslehre. Man kann sich selber fragen, was einem Freude macht, und dann kann das jeder.

Wie würde die Sportwelt in der Schweiz ohne Ehrenamt aussehen?

Wenn es keine Ehrenamtlichkeit mehr gäbe, würde zuerst natürlich ein riesiger finanzieller Aufwand anfallen, da alle freiwilligen Arbeiten wegfallen. Ich denke aber auch, dass die Schweiz «kälter» werden würde. Das Miteinander im Ehrenamt verbindet die Menschen und durch eine Professionalisierung ginge das Herzblut von Vereinen verloren. Die Schweiz würde sehr viel verlieren, wenn es das Ehrenamt nicht mehr gäbe. Nicht nur im Sport, auch in vielen anderen Bereichen ist das Ehrenamt sehr wichtig.

Welche Weisheit, welchen Rat möchten Sie den VereinssportlerInnen mit auf den Weg geben?

Macht in eurem Verein aktiv mit und setzt euch ein. Bei einer Anfrage für ein Ämtli nicht einfach sofort nein sagen, sondern eine Nacht darüber schlafen und es sich gut überlegen. Behaltet euch im Hinterkopf, dass ein Ehrenamt ein grosser persönlicher Mehrwert sein kann.

Ehrenamtliche(r) des Jahres - IG Sport Luzern

Jeder Sportverband oder Sportverein aus dem Kanton Luzern kann der IG Sport Luzern langjährige und besonders verdienstvolle Funktionäre zu Wahl melden. Eine Jury, bestehend aus Vertretern der Politik, Medien, Wirtschaft, Sportmedizin und Sport, wählt aus den eingegangenen Vorschlägen alljährlich drei ehrenamtliche Funktionäre aus, die mit einem speziellen Zertifikat ausgezeichnet werden.

2019 wurde die Auszeichnung als «Ehrenamtliche des Jahres» an Heidi Buchmann-Schaller verliehen. Der Turn-Funktionärin aus Emmenbrücke wurde verdientermassen für ihren vielfältigen und ehrenamtlichen Einsatz während 43 Jahren im Dienste der Sport Union Zentralschweiz und des TV Mauritius Emmen ausgezeichnet.

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