20 Jahre Schutzverband

Emmens Kämpfer für die Stille tritt ab


Sein Einfluss auf die Gemeinde sei gross, dennoch werde zu wenig über den Flugplatz Emmen gesprochen. Das sagt Luzius Hafen, Mitbegründer und 20 Jah­re lang Präsident des hiesigen Schutzverbandes. Nun ist er von seinem Amt zurückgetreten.

Autor: Philipp Bucher

Luzius Hafen, 20 Jahre lang Präsident des Schutzverbandes, möchte eine vermehrte zivile Nutzung des Flugplatzes Emmen tunlichst vermeiden. (Bild: pbu)

Für die einen ist er ein Graus, für die anderen gehört er zu Emmen wie die im Gemeindewappen symbolisierten drei Flüsse. Für Luzius Hafen wiederum ist der Militärflugplatz vor allem ein Kuriosum, das trotz seiner sicht- wie auch hörbaren Präsenz nach wie vor mit einem Tabu behaftet sei. Im Rahmen seines Rücktritts zieht der 56-Jährige Bilanz aus 20 Jahren Engagement für den Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen (SFE) – und prophezeit dem Verband eine wachsende Bedeutsamkeit.

Luzius Hafen, was wäre heute anders in Emmen, wenn es den SFE nicht geben würde?

Wenn es keine organisierte Opposition gäbe, dann hätten wir in Emmen sicher mindestens so viele Flugbewegungen wie in Meiringen und Payerne. In diesem Sinne glaube ich, dass es in Sachen Fluglärm wesentlich gravierender wäre, wenn es den SFE oder einen anderweitigen Verbund mit denselben Anliegen nicht geben würde.

Den Kampf für weniger Fluglärm haben sie in der Funktion als Präsident des SFE 20 Jahre lang geführt. Nun sind Sie aus dem Vorstand zurückgetreten. Weshalb?

Nach zwei Dekaden war es Zeit für einen Generationenwechsel. Das Anliegen, den Vorstand kontinuierlich zu erneuern, begleitet uns schon länger. Wie überall im ehrenamtlichen Bereich ist es nicht ganz einfach, neue Leute für ein entsprechendes Engagement zu motivieren. Umso erfreuter bin ich, dass wir mit Andreas Kappeler einen Nachfolger gefunden haben, der sich willens zeigt, sich zusammen mit dem Vorstand den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.

Ist der Rücktritt ein kurzfristiger Entscheid gewesen?

Nein, intern habe ich bereits vor einigen Jahren bekundet, dem Vorstand nicht länger als 20 Jahre angehören zu wollen. Komplett vom Schutzverband «verabschieden» werde ich mich indes nicht. Zwar bin ich nicht mehr im Vorstand, aber ich wohne nach wie vor in Emmen, mitten in der Anflugschneise.

Im Jahr 2000 hatten Sie die Gründung des Verbandes geleitet. Weshalb wurde der SFE überhaupt ins Leben gerufen?

Bereits vor Gründung des SFE hat eine Organisation mit ähnlichen Anliegen existiert, die genau genommen nie aufgelöst worden ist: die Organisation «Bürgerinnen und Bürger gegen Fluglärm.» Das ist eine rein Grüne Angelegenheit gewesen und in der Bevölkerung auf sehr wenig Resonanz gestossen. Das Bewusstsein und die Einstellung der Bevölkerung haben sich in den vergangenen 20 Jahren doch sehr stark gewandelt. Damals waren links-grüne Anliegen ein absolutes Tabu in Emmen. Der eigentliche Anlass zur Gründung des SFE waren die durch die Handelskammer und Wirtschaftsvereinigungen vorangetriebenen Pläne, den Militärflugplatz in einen Regionalflugplatz mit Geschäfts-, Tourismus- und Privatfliegerei umzuwandeln. Nach den Erfahrungen mit der Vorgängerorganisation war klar: Wir brauchen politisch eine möglichst breite Basis, um mit der nötigen Rückendeckung erfolgreich gegen die Regionalflugplatzpläne opponieren zu können.

«Dass man über Siedlungsentwicklung, Ortsplanung und Städtebau diskutiert und dabei den Flugplatz vollkommen ausser Acht lässt, ist absolut unverständlich.»


Luzius Hafen

Die überparteiliche Aufstellung des Vereins war also Kalkül?

Ja. Darum wurde der Verband vom damaligen CVP-Einwohnerrat Roland Fischer und mir in einem Co-Präsidium geführt. Zudem haben wir bewusst darauf geachtet, dass der Vorstand mit Leuten aus allen politischen Ebenen, also Gemeinde, Kanton und Bund, besetzt ist – und zwar mit Mitgliedern, die innerhalb ihrer Partei ein gewisses Gewicht haben.

Was sind heute die Hauptanliegen des SFE?

Die Anliegen haben sich über die Jahre nicht gross verändert. Es können jederzeit wieder Bestrebungen aufflackern, den Militärflugplatz vermehrt zivil nutzen zu wollen, zumal es aufgrund der Pistenstruktur grundsätzlich mit jedem Flieger möglich wäre, hier in Emmen zu landen. Sollten derartige Absichten wieder aufs Tapet kommen, ist es gut, dass der Schutzverband bereits existiert und sofort reagieren könnte und nicht erst formiert werden müsste. Des Weiteren setzt sich der SFE heute wie vor 20 Jahren für die Interessen der Bevölkerung in Zusammenhang mit dem Flugplatz ein, namentlich für eine Senkung der Lärmimmissionen, für eine Begrenzung der Flugbewegungen, für die Beibehaltung der Flugbetriebszeiten und für eine sechswöchige Flugpause im Sommer.

Wo war der SFE in den vergangenen 20 Jahren erfolgreich?

Der grösste Erfolg ist ganz klar die mehrfache Verhinderung eines Regionalflugplatzes sowie einer touristischen Nutzung. Dass der Lärm insgesamt nicht zugenommen hat, darf ebenfalls auf der positiven Seite verbucht werden.

So wirklich zufrieden scheint Sie diese Bilanz nicht zu machen.

Das Ziel «weniger Lärm» haben wir unter dem Strich tatsächlich nicht im gewünschten Ausmass erreicht. Verglichen mit der Anfangszeit ist es «ruhiger» geworden, dies aber vor allem deshalb, weil es am Anfang mehr Flugbewegungen gegeben hat. Der Erfolg ist also eher, dass der Lärm nicht zugenommen hat. Damit einher geht der Nicht-Erfolg, dass der Lärm nicht weiter abgenommen hat, zum Beispiel mittels der schon lange geforderten sechswöchigen Sommerflugpause, mit der wir seitens Luftwaffe auf taube Ohren stossen. Teilweise wähnt man sich in einem Kampf gegen Windmühlen. Jede Nicht-Verschlechterung wird als Erfolg verbucht. Das ist nicht sonderlich befriedigend und hinterlässt mit der Zeit doch etwas Abnützungserscheinungen.

Das Abstimmungsergebnis in der Gemeinde Emmen fiel deutlicher zugunsten der Befürworter aus als auf eidgnössischer Ebene. (Bild: Gemeinde Emmen)

8670 Stimmen gaben den Ausschlag: Das Schweizer Stimmvolk sprach sich hauchdünn für neue Kampfjets aus. (Bild: Screenshot SRF)

Ende September 2020 sagte die Schweizer Stimmbevölkerung äusserst knapp Ja zur Beschaffung neuer Kampfjets. Wie haben Sie das Abstimmungsergebnis miterlebt?

Ich bin vom Ergebnis insofern überrascht gewesen, als ich mit einem deutlich höheren Ja-Stimmenanteil gerechnet habe, gerade auch in der Region Luzern. Die Stadt Luzern, von der die halbe Bevölkerung direkt vom Fluglärm betroffen ist, hat die Vorlage klar abgelehnt, und die Zustimmung in der Standortgemeinde Emmen liegt unter dem kantonalen Schnitt. Stellt man die Drohungen der Befürworter mit dem vermeintlichen Wegfall von Arbeitsplätzen dem effektiven Stimmverhalten der lokalen Bevölkerung entgegen, dann zeigt sich, dass die Skepsis und die Kritik gegenüber dem Flugplatz wachsen. Die Resultate in den direkt betroffenen Gemeinden dürfte der Luftwaffe bzw. dem VBS jedenfalls zu denken geben.

Welche Rolle spielt der Militärflugplatz Emmen heute für die Emmer Bevölkerung?

An einem lokalen Wahlpodium wagte ich es Anfang der 1990er Jahre zu sagen, dass wir Grünen auch ganz gut ohne den Flugplatz leben könnten. Wir haben damals ein schlechtes Wahlergebnis eingefahren und ich landete auf dem letzten Platz (lacht). Heute hätte diese Aussage wohl nicht mehr denselben Effekt, weil sich der Flugplatz nicht mehr in derart unantastbaren Sphären befindet wie damals. Trotzdem ist der Flugplatz Emmen in der Gemeinde nach wie vor mit einem Tabu behaftet. Es wird schlicht zu wenig über ihn gesprochen, obwohl er für die Gemeinde Emmen in mehrfacher Hinsicht eine enorm grosse Rolle spielt.

Inwiefern?

Dass man über Siedlungsentwicklung, Ortsplanung und Städtebau diskutiert und dabei den Flugplatz vollkommen ausser Acht lässt, ist absolut unverständlich. Der Flugplatz hat einen immensen Einfluss darauf, wer in Emmen wohnt, wer in die Gemeinde zieht, welche Firmen sich hier ansiedeln – im Positiven wie im Negativen. Es ist doch erstaunlich, dass bisher keine Untersuchung über den effektiven volkswirtschaftlichen Nutzen des Flugplatzes Emmen durchgeführt wurde. In meinen Augen ist es dringend nötig, vertieft und ohne Scheuklappen über die Bedeutung des Flugplatzes für Emmen und die Region zu diskutieren, gerade auch mit Blick auf die Gemeindefinanzen.

Sie sehen im Militärflugplatz einen Standortnachteil für die Gemeinde Emmen?

Eine unabhängige Studie könnte hier für Transparenz sorgen und würde einen wichtigen Grundstein legen für eine Diskussion über die Zukunft des Flugplatzes Emmen. Aber ja, ich bin überzeugt davon, dass der Flugplatz objektiv betrachtet ein Standortnachteil für Emmen ist. Er bringt bei Weitem nicht die Wertschöpfung, die von den Befürwortern behauptet wird.

Immerhin bringen der Flugplatz, der Waffenplatz und die Ruag eine Vielzahl an hochqualifizierten Arbeitsplätzen nach Emmen.

Das Arbeitsplatzargument greift zu kurz. Zum einen müsste man sich konsequenterweise die Frage stellen, wie viele Arbeitsplätze es pro Quadratmeter denn effektiv auf dem Flugplatz gibt. Es ist absolut nicht meine Absicht, das Flugplatzgelände zu überbauen, aber rein vom Arbeitsplatzpotential her ist es ziemlich bescheiden, wie viele Arbeitsplätze der Militärflugplatz verglichen mit einer anderweitigen Nutzung auf dem Gelände generiert. Zum anderen ist fraglich, was diese Arbeitsplätze der Gemeinde aus steuertechnischer Hinsicht tatsächlich bringen. Das Militär zahlt jedenfalls keine Steuern. Die Ruag International ist defizitär und zahlt demnach auch keine Steuern. Wie viele der Mitarbeitenden ihren Wohnsitz in Emmen haben, ist offenbar nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass es sogenannt gute Steuerzahler vor allem an Orte mit Aussicht und See zieht. Aussicht haben wir hier in Emmen, einen See nicht, dafür Fluglärm. Selbst wenn Emmen den tiefsten Steuerfuss hätte, kämen deshalb nicht mehr einkommensstarke Personen in die Gemeinde. Zudem birgt der Flugplatz für Emmen einen sicherheitspolitischen Nachteil.

Wie meinen Sie das?

Die Luftwaffe ist gefangen in einer Lebenslüge. Ob wir nun 40, 60 oder 100 Kampfjets haben, wir sind niemals in der Lage, unseren Luftraum autonom verteidigen zu können. Es gibt drei Flugpisten für Kampfjets in der Schweiz. Wenn es tatsächlich zu einer konventionellen kriegerischen Auseinandersetzung kommen sollte, dann wäre es eine Frage von wenigen Tagen, bis diese Pisten zerstört und unsere Luftwaffe handlungsunfähig wären. Indem der Flugplatz in diesem Szenario aufs feindliche Radar rückt, stellt dieser ein immenses Sicherheitsrisiko für die Emmer Bevölkerung dar. Abgesehen davon ist es verantwortungslos, Trainingsflüge über dicht besiedeltem Gebiet abzuhalten.

Für Luzius Hafen klar ein Standortnachteil für die Gemeinde: Der Flugplatz Emmen, hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 1998. (Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG, Zürich)

Müsste das Profil des SFE demnach nicht dahingehend angepasst werden, dass Sie den Flugplatz grundsätzlich gar nicht hier haben möchten?

Das ist in der Tat kein völlig unbekanntes Ansinnen. Ein Teil der Verbandsmitglieder würde dies sofort unterschreiben, ein anderer Teil würde austreten. Die breite parteipolitische Abstützung ginge mit Sicherheit verloren, weshalb ich für die Beibehaltung des bestehenden Profils plädiere. Gleichzeitig ist es natürlich nicht verboten, dass sich radikalere Gruppierungen deutlich für die Abschaffung des Flugplatzes aussprechen. Diskussionen sind immer begrüssenswert. Die Leute sollen sich mit der Bedeutung des Flugplatzes für Emmen und die Region auseinandersetzen und sich ihre Meinung dazu bilden. Der SFE vertritt lediglich eine Meinung in dieser Sache und erhebt absolut keinen Monopolanspruch.

Wofür steht denn der SFE ein?

Wir wollen vor allem einen Regionalflugplatz Zentralschweiz verhindern. Insofern respektieren wir die Existenz des Militärflugplatzes und akzeptieren eine zivile Mitbenutzung. Unser Grundgedanke dabei ist, dass ein Militärflugplatz im Gegensatz zu einem zivilen Flugplatz deshalb «erträglich» ist, weil ersterer weniger Flugbewegungen und klar geregelte Flugzeiten mit entsprechenden Flugpausen am Abend und an den Wochenenden mit sich bringt. Der Militärflugplatz ist das kleinere von zwei Übeln.

Der Fluglärm ausserhalb der flugfreien Zeiten wird damit in Kauf genommen, obwohl dieser auf viele Menschen störend, belastend oder gesundheitsschädigend wirkt. Direkte Kompensationszahlungen erhält die Gemeinde indes nicht. Wäre das ein fairer Kompromiss?

Grundsätzlich ja. Es müssten aber mindestens drei bis vier Millionen Franken jährlich in die Gemeindekasse fliessen, um die negativen Auswirkungen des Fluglärms zu entschädigen. Und betroffen ist ja die ganze Region. Aber: Der SFE zieht dem klar eine drastische Reduktion des Fluglärms vor. Die Lösung kann nicht darin bestehen, dass sich die Luftwaffe bzw. das VBS mit einer Carte Blanche in Sachen Flugbewegung und -lärm quasi freikauft. Salopp gesagt: Wir wollen kein Geld, wir wollen weniger Lärm.

«Es ist verantwortungslos, Trainingsflüge über dicht besiedeltem Gebiet abzuhalten.»


Luzius Hafen

Zur Person

Luzius Hafen, Jahrgang 1964, setzt sich Zeit seines politischen Engagements für eine Begrenzung des Fluglärms in der Zentralschweiz ein. Der gebürtige Ostschweizer ist seit 1990 in Emmen wohnhaft und ebenfalls seit 1990 als Aktivmitglied des Grünen Bündnis Emmen politisch tätig. 2001 wurde Hafen in den Emmer Einwohnerrat gewählt, dem er bis 2010 angehörte. Von 2002 bis 2004 sowie von 2007 bis 2010 war er Vorsteher der Fraktion SP/Grüne.

Im Jahr 2000 baute Hafen als Mitinitiant den Schutzverband der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen (SFE) auf, den er zuerst in einem Co-Präsidium und die letzten acht Jahre allein präsidiert hat. Ende Oktober 2020 hat er den Vorstand verlassen. Hafen ist als Rechtsanwalt für Haftpflicht und Versicherungsrecht in Zürich tätig. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Welche Herausforderungen werden Ihren Nachfolger beschäftigen?

Dass der Flugplatz Emmen seinen Status als Ausweichflugplatz behält. Bis jetzt ist keine reguläre F/A-18-Staffel in Emmen stationiert, abgesehen von den vier Wochen im Sommer, währendem die Pisten in Meiringen und Payerne geschlossen sind. Wo eine Staffel stationiert ist, kommt es zu mehr Flugbewegungen, und die Flüge und Trainings werden in die Nacht ausgedehnt. Für den SFE wird dieses Szenario ein No-Go bleiben. Die zweite Herausforderung wird sein, dass der Flugplatz auch seinen Status als Militärflugplatz behält. Da sind die zivilen Flugbewegungen klar auf 1000 pro Jahr beschränkt. Würde neu eine Mischnutzung festgelegt, wären Tür und Tor geöffnet für eine unheilvolle Entwicklung.

Hat der Schutzverband heute noch dieselbe Bedeutung wie zu Gründungszeiten?

In Zusammenhang mit der Beschaffung neuer Kampfjets und den damit zusammenhängenden Lärmemissionen nimmt die Relevanz des SFE aktuell wieder zu, schliesslich sprechen wir mit dem Flugplatz Emmen von einer Region, in der rund 100'000 Menschen direkt vom Fluglärm betroffen sind.

Das VBS geht davon aus, dass die wahrnehmbaren Lärmimmissionen der evaluierten Flugzeuge in der Kategorie derjenigen der F/A-18 sind. Lauter dürfte es mit den neuen Kampfjets also nicht werden.

Die neuen Jets werden definitiv lauter sein als die heutigen. Soweit Lärmwerte im Internet recherchierbar waren, ist zum Beispiel die F/A-18 der neuen Generation beim Landen so laut wie die aktuell im Betrieb stehende F/A-18 beim Start. Und nach US-Messungen ist die F-35 beim Start 2,5 Mal so laut wie die heutige F/A-18. Die Lärmwerte der neuen Typen sind auf den Flugplätzen Payerne und Meiringen erhoben worden, nicht aber in Emmen. Wir sind gespannt auf die Veröffentlichung der Resultate, und drängen darauf, dass die Lärmverursachung ein Hauptkriterium zum Entscheid sein muss.

Letztes Jahr feierte der Flugplatz Emmen das 80-jährige Bestehen. Wird es ihn in 80 Jahren noch geben?

Nein (lacht). Es ist zumindest nicht sicher, ob es ihn noch geben wird. Wenn man ernsthaft etwas gegen den Klimawandel als Hauptbedrohung der Menschheit unternehmen will – und das muss man –, dann kann es den Flugplatz Emmen in 80 Jahren eigentlich nicht mehr geben.

Zwischen Arbeitsplätzen und Lärmimmissionen

Dass der Flugplatz Emmen innerhalb der Emmer Bevölkerung kontroverse Meinungen erzeugt, hat nicht nur das kommunale Abstimmungsergebnis zur Beschaffung neuer Kampfjets von Ende September 2020 gezeigt. Die konträren Haltungen kommen auch im Emmer Parlament zum Vorschein, wobei sich ein tiefer parteipolitischer Graben zwischen bürgerlichen Befürwortern und links-grünen Gegnern der Tätigkeiten auf dem Militärflugplatz Emmen auftut. So wurden an der vergangenen November-Sitzung des Einwohnerrates gleich zwei Interpellationen (34/20 und 35/20) zum Thema behandelt.

In den Beantwortungen der Interpellationen bekräftigt der Gemeinderat seine gesamtheitliche Sicht auf die Lage rund um den Flugplatz Emmen. Als Exekutivgremium der Standortgemeinde vertritt er die gesamte Emmer Bevölkerung und setzt sich damit für die Anliegen aller Emmerinnen und Emmer ein. Dies umfasst den klaren Befürworter ebenso wie die entschiedene Gegnerin sowie alle Schattierungen dazwischen.

Die Kontroverse um den Militärflugplatz kreist vor allem um zwei Pole: Die einen sehen in ihm einen wichtigen Arbeitsplatzgaranten, die anderen eine unzumutbare Lärmquelle. Innerhalb dieses Spannungsfeldes setzt der Gemeinderat auf die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Bund, Kanton und Gemeinden. Er hält fest: «Für den Wirtschaftsstandort Kanton Luzern stellt der Militärflugplatz mit ziviler Mitbenutzung ein Alleinstellungsmerkmal im näheren Umfeld dar, wodurch die Zentralschweiz als Ganzes profitiert. Daneben gilt es aber auch die Lärmbelastung der hier wohnhaften Bevölkerung zu berücksichtigen und gezielte Massnahmen zur Minderung der Lärmimmissionen zu definieren und diese auch strikte einzufordern.» Der Gemeinderat werde ferner die Entwicklung im Rahmen der Kampfjet-Neubeschaffung aktiv verfolgen und auch weiterhin an den Rapporten der Luftwaffe teilnehmen, um allfällige notwendige Forderungen stellen zu können.

Die kompletten Antworten des Gemeinderates auf die genannten Interpellationen können hier eingesehen werden.

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