Einwohnerrat

Ohne Scheuklappen in die digitale Zukunft


Neue Kundenbedürfnisse, inno­vative Dienstleistungsangebote, Wandel in der Unternehmenskul­tur: Wie gedenkt die Gemeindever­waltung Emmen den tiefgehenden Veränderungsprozessen der digitalen Transformation zu begegnen? Das möchten drei FDP­-Mitglieder mittels eines Postulats wissen – und rennen damit beim Gemeinderat offene Türen ein.

Autor: Philipp Bucher

Die Emmer Exekutive möchte die digitale Transformation innerhalb der Gemeindeverwaltung ausdrücklich vorantreiben. Ein zu erstellender Planungsbericht soll die zugehörige Strategie aufzeigen. (Bild: zvg)

Vor ziemlich genau 20 Jahren hätte die Welt eigentlich untergehen müssen. Verkehrschaos, Flugzeugabstürze, ein zusammenbrechendes Bankensystem, gefolgt von einer Weltwirtschaftskrise und im äus­sersten Fall gar Fehlzündungen nuklearer Waffensysteme. Die Befürchtungen, die im Hinblick auf den Jahrtausendwechsel über den gesamten Globus geisterten, nahmen teils apokalyptische Züge an.

Unter dem Schlagwort «Millennium Bug» (oder auch «Millennium Glitch») wurde der Zusammenbruch weltweiter Computernetze befürchtet. Und tatsächlich waren computerbasierte Komplikationen im Rahmen der Datumsumstellung von 1999 auf 2000 nicht auszuschliessen, zumindest bei Computersystemen, die lediglich mit einer zweistelligen Tagesdatumsangabe programmiert wurden. In der Summe drohten diese die Menschheit zur Silvesternacht 1999 kurzerhand ins Jahr 1900 zurück zu katapultieren.

Schritt halten

Bekanntlich ist das nicht geschehen. Hie und da fielen zwar Bankautomaten aus, kamen Neugeborene mit Geburtsjahr 1900 zur Welt und verschickten Büchereien automatische Mahnungen wegen 100-jähriger Leihfristüberziehungen. Die befürchtete Apokalypse hingegen ist letztlich ausgeblieben. Was vom «Jahr-2000-Problem» derweil bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Digitalisierung eifrig den Taktstock schwingt, wenn es um gesamtgesellschaftliche Veränderungsprozesse geht.

Der digitale Wandel durchdringt mehr und mehr Lebensbereiche – und dies in immer höherem Tempo. 2010 besassen 350 Millionen Menschen ein Smartphone. Heute sind es 3,5 Milliarden. Die rasante technologische Entwicklung erfasst Individuen, Gemeinschaften, Unternehmen, Organisationen und Institutionen gleichermassen. Die digitale Transformation verlangt von allen Akteuren neue Denkmuster, wollen diese auf dem Weg in die Zukunft Schritt halten. Auch die Gemeinde Emmen ist davon nicht ausgenommen.

Spuren des «Millenium Bug» nach der Neujahresnacht. (Bild: Wikipedia)

Ganzheitliche Betrachtung

An dieser Stelle setzt ein Postulat dreier FDPler an, das an der Dezember-Sitzung des Einwohnerrates zur Diskussion steht. Angesichts der fundamentalen Veränderungen, die der technologische Wandel in Gang setzt, möchten die Postulanten vom Gemeinderat wissen, welchen Herausforderungen die Gemeinde Emmen – als Verwaltung und Öffentlichkeit – angesichts der digitalen Transformation gegenübersteht und wie sie diesen zu begegnen gedenkt. Kurz: Ein entsprechend ausgestalteter Planungsbericht soll die digitale Strategie der Gemeinde Emmen aufzeigen.

Diese Anfrage stösst beim Gemeinderat auf offene Ohren. Bereits Anfang Jahr machte dieser anlässlich der Dreikönigsgespräche deutlich, die digitale Transformation innerhalb der Gemeindeverwaltung vorantreiben zu wollen, wobei vor allem der damit einhergehende kulturelle Wandel im Mittelpunkt stehe: «Wenn wir uns mit der digitalen Transformation beschäftigen», hält die Exekutive in der Beantwortung des Postulats fest, «so gilt es, das Unternehmen ganzheitlich zu betrachten, ohne dabei den Fokus allzu fest auf die Technologie zu richten. Vielmehr geht es darum, Agilität im Unternehmen zu leben.»

Heisst: Die Unternehmenskultur müsse sich von anderen abheben und extravagant daherkommen, um gleichermassen attraktiv für die Kunden wie auch für zukünftige und bisherige Mitarbeitende zu sein, betont der Gemeinderat, der im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung entsprechend dem Changemanagement eine bedeutende Rolle beimisst.

Wille zum Wandel

Um den Transformationsprozess in Gang zu setzen und das latente Entwicklungspotenzial der Gemeindeverwaltung freizulegen, haben sich der Gemeinderat und einzelne Kadermitarbeitende denn auch im Verlaufe des Jahres 2020 mit dem «Digital Leadership» auseinandergesetzt. Die breite Home-Office-Erfahrung während und nach dem Lockdown im Frühling förderte überdies bereits einige Stärken und Schwächen einzelner Abteilungen zutage.

Der Gemeinderat ist sich der Wichtigkeit des stetigen Wandels und der damit verbundenen Transformation bewusst und zeigt sich gewillt, in die Unternehmenskultur zu investieren. «Die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden sind ebenso wichtig wie die Bedürfnisse und Ansprüche der Mitarbeitenden, wodurch die Art der Zusammenarbeit intern wie auch extern geklärt und agil gestaltet werden muss, um auch in Zukunft alle Bedürfnisse erfüllen zu können.»

Aus diesem Grund ist der Gemeinderat bereit, das Postulat entgegenzunehmen und den Prozess sowie die Auswirkungen der Digitalisierung wie auch die damit verbundenen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Changeprozess in der Gemeindeverwaltung zu erläutern. Die vollständige Beantwortung des Postulats betreffend Digitalisierung kann hier eingesehen werden.

Digitales Futter für die Parkuhr

Apropos Digitalisierung: Das Bezahlen mit dem Smartphone bzw. mit entsprechenden Bezahl-Apps wie Twint erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Seit Juni 2020 können deshalb diverse Dienstleistungen der Gemeindeverwaltung Emmen digital bezahlt werden. Namentlich umfasst das Angebot folgende Schalter und Betriebe: Einwohnerkontrolle, Frei- und Hallenbad Mooshüsli, Inkasso Gemeindebuchhaltung, Parkplatzbewirtschaftung, Regionales Zivilstandsamt Emmen und Gemeindebibliothek.

Seit Neuestem können in Emmen auch die Parkgebühren digital beglichen werden. Die Parkuhren auf Gemeindegebiet wurden jüngst mit QR-Code-Klebern ausgerüstet. Kundinnen und Kunden haben seither die Möglichkeit, die Kosten fürs Parkieren via App (Twint, EasyPark oder Parkingpay) abzugelten.

Der Gemeinderat ist entsprechend bereit, das Postulat betreffend Zahlungsmöglichkeit mit Twint entgegenzunehmen, und beantragt aufgrund der Erfüllung der Forderungen gleichzeitig dessen Abschreibung.

Einwohnerratssitzung

Die nächste Einwohnerratssitzung findet statt am Dienstag, 15. Dezember 2020, ab 14 Uhr, im Betagtenzentrum Emmenfeld. An der ­Sitzung gilt ständige Maskentragepflicht und es sind maximal 15 Besucherinnen und Besucher zugelassen. Die vollständige Traktandenliste ist hier einsehbar.

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